„Wie Du machst eine Kreuzfahrt?“ – „Wie kannst Du das denn verantworten?“
So oder so ähnlich fragen mich immer wieder Menschen, wenn ich erzähle, dass ich für 17 Tage als „Bordpfarrerin“ eine Kreuzfahrt an „Europas Westküsten“ begleitet habe.
Ja, es wäre eine lange Diskussion möglich, ob man Schiffskreuzfahrten unterstützen sollte durch Teilnahme, aber diese Frage möchte ich hier bewusst ausklammern.
Ich finde es ein tolles Angebot, dass die Reederei Phoenix auf ihre 4 Kreuzfahrtschiffe jeweils evangelische und katholische Pfarrer/innen im Wechsel als Begleitung mitnimmt, auf Kosten der Reederei.
Die EKD in Hannover vermittelt die Personen und Reisen, die Hälfte der Einsätze muss man Urlaub nehmen, die Hälfte ist Freistellung für den Dienst an Bord.
Und das ist auch angemessen, „Arbeit mal so ganz anders“, aber eben auch Urlaubsgefühle und eine Rundumversorgung auf herrlicher Tour bestimmen die Tage an Bord.
Es war meine 2.Reise, dieses Jahr auf der MS Deutschland, genau: auf dem ehemaligen „Traumschiff , bis 2015. (Aber es sieht noch genauso aus an Bord! )
„Und was musst Du da machen?“ – Ich sage oft: „Das, wofür ich als Pfarrerin mal angetreten bin, und was heute angesichts der Aufgaben im Pfarramt oft zu kurz kommt!“
Gottesdienste an „Seetagen“, Andachten, kleine Veranstaltungsangebote (z.B. ein kleiner Vortrag über „Irische Segen“ als wir in Irland unterwegs waren!), Ausflugsbegleitungen (Sind alle da? Wir waren doch aber 34 Leute…?), dieses Jahr eine Trauung, aber vor allem: Präsent und sichtbar sein, ansprechbar sein, selbst auf Menschen zugehen, für Seelsorge Zeit haben, bekannt sein an Bord, ein offenes Ohr haben und gute Worte, wenn Menschen sie brauchen.
Oft entwickelt sich dann über den Smalltalk angesichts des herrlichen Buffets ein Gespräch über den Verlust des Mannes z.B., und wie sehr man sich eigentlich gewünscht hatte, diese Reise gemeinsam zu machen.
Besonders den Blick auf „Alleinreisende“ habe ich auf den Phoenix-Schiffen immer als sehr wohltuend und umsichtig erlebt. „Willkommen zuhause“ ist deren Slogan, der natürlich auf einem Schiff mit 500 Passagieren
leichter umzusetzen ist, als an Bord von Schiffen mit 4000 Menschen.
Aber selbstverständlich ist man auch für alle da, die dort arbeiten: ein Kaffee mit dem Schiffsarzt oder das kleine Gespräch mit dem Mann von den Philippinen, der den Altar herrichtet.
Und die Küchen-/Servicecrew hat mir selbstverständlich ihre Gitarre geliehen für die kleine Bord-Gemeinde in den Andachten.
Ich bin dankbar (der Kirche und der Reederei) und voller Eindrücke zurückgekommen und wenn ich gefragt werde sage ich immer: wer dort nicht zufrieden ist, wird es nirgends auf der Welt sein.
Petra Hasenkamp