Liebe Festgemeinde,
jetzt sind wir, jetzt sind Sie angekommen in Ihrer neuen, umgebauten Kirche. Nun geht es los, so wie damals als Jesus an den See Genezarteh kam und die Menge sich um ihn drängte.
"Jetzt legen wir los"
Festpredigt zu Lukas 5, 1-11 zur Wiedereinweihung der umgebauten Martinskirche in Mannheim, Rheinau-Süd am 19. Juni 2016
1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth 2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken.
8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
I
Die Geschichte passt: nicht nur, weil sie am Wasser spielt. Am Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Martinskirche erzählt sie vom Anfang der Jesusbewegung, vom damaligen: Jetzt legen wir los!
Der Platz ist voll, die Menschen drängen sich um Jesus. Da steigt er in ein Boot und fährt auf den See Genezareth hinaus, ein bisschen vom Ufer weg, um freier reden zu können und besser verstanden zu werden. Der erste Gottesdienst, von einem Boot aus.
Es herrscht eine lebendige und offene Atmosphäre. Es ist viel los: Fischer sind da, Frauen, die einkaufen wollen, Kinder, Neugierige, vielleicht auch ein paar Kranke, die gehört haben, dass Jesus helfen kann. Die Menschen sind gespannt, was Jesus zu sagen hat und er lehrt sie: Gott hat mich gesandt, den Armen das Evangelium zu verkündigen, den Gefangenen zu sagen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen. Ein Gnadenjahr verkündigt Jesus, eine neue Zeit, in der nicht mehr Neid und Ellenbogen das Leben bestimmen, sondern Gerechtigkeit und Frieden.
Der Platz ist voll, die Menschen drängen sich um Jesus. Da steigt er in ein Boot und fährt auf den See Genezareth hinaus, ein bisschen vom Ufer weg, um freier reden zu können und besser verstanden zu werden. Der erste Gottesdienst, von einem Boot aus.
Es herrscht eine lebendige und offene Atmosphäre. Es ist viel los: Fischer sind da, Frauen, die einkaufen wollen, Kinder, Neugierige, vielleicht auch ein paar Kranke, die gehört haben, dass Jesus helfen kann. Die Menschen sind gespannt, was Jesus zu sagen hat und er lehrt sie: Gott hat mich gesandt, den Armen das Evangelium zu verkündigen, den Gefangenen zu sagen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen. Ein Gnadenjahr verkündigt Jesus, eine neue Zeit, in der nicht mehr Neid und Ellenbogen das Leben bestimmen, sondern Gerechtigkeit und Frieden.
II
Das Boot, aus dem Jesus predigt, gehört einem Fischer: Simon Petrus. Er war in dieser Nacht nicht erfolgreich beim Fischfang. Eher müde. Und ohne echte Perspektive. Tag für Tag das Gleiche. Sie kennen das: „Wie geht’s?“ „Es geht!“ Die Mundwinkel ganz unten; es fehlt der Mut.
Eigentlich weiß jedes Kind nicht nur am See Genezareth, sondern wahrscheinlich auch am Rhein, dass man normalerweise nicht in der Mittagshitze fischen geht, sondern eher in der Dämmerung oder in der Dunkelheit. Auch Jesus ist das klar. Aber trotzdem sagt er zu Petrus: „Fahr‘ raus, versuch‘ es noch einmal!“
Vielleicht hat Petrus gedacht: Was soll das denn jetzt? Der hat ja keine Ahnung! Aber die Predigt von Jesus hat etwas verändert. Warum eigentlich nicht? Warum nicht doch einmal etwas wagen? Diesem Mann Jesus etwas zutrauen, der den Menschen so viel zutraut!? Petrus antwortet: „Auf dein Wort hin, ich versuche es!“
Das ist ein gutes erstes Motto für das Loslegen: Auf dein Wort hin, Jesus, trauen wir uns und unseren Mitmenschen mehr zu als der gesunde Menschenverstand. Mit diesen Worten: „auf dein Wort hin, Jesus“ beginnen Hoffnungsgeschichten. So wie Ihre hier mit dieser Kirche. Wie soll es weitergehen mit unserer Gemeinde? Wo wollen wir hin? Woher nehmen wir den Mut? Und dann der Aufbruch und die Gespräche und die Entscheidung – und heute feiern wir in diesem wunderbaren Raum mit einer Perspektive, die ausstrahlt und auch andere ermutigt. Eine Hoffnungsgeschichte!
„Auf den Wort hin“: Jedes Jahr feiere ich mit den jungen Leuten, die mit dem Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst aus Baden nach Italien oder Lateinamerika, nach Rumänien oder Israel und Palästina ausreisen einen Aussendungsgottesdienst. Gerade im Nahen Osten scheint die Lage völlig verfahren und schrecklich. Aber auf Jesu Wort hin brechen sie auf und wollen sich und diese Welt mit ihren Schrecken verändern. Jedenfalls ein kleines bisschen verbessern. „Ich habe doch die Idee des Friedens in mir“, hat eine junge Frau zu mir gesagt, bevor sie aufbrach. „Ich weiß nicht, was ich damit in Israel und Palästina mache, wo doch alle ohnmächtig scheinen.“ Aber auf Jesu Wort hin .... Sie sagt es nicht, aber es steckt darin: aber auf Jesu Wort hin, will sie versuchen, zur Versöhnung beizutragen. Wo nur noch Macht und Gewalt zu herrschen scheinen, wo klar getrennt ist zwischen Freund und Feind, da legen wir los und halten dagegen: Jesus traut uns zu, etwas für mehr Gerechtigkeit und eine friedlichere Welt zu tun.
Eigentlich weiß jedes Kind nicht nur am See Genezareth, sondern wahrscheinlich auch am Rhein, dass man normalerweise nicht in der Mittagshitze fischen geht, sondern eher in der Dämmerung oder in der Dunkelheit. Auch Jesus ist das klar. Aber trotzdem sagt er zu Petrus: „Fahr‘ raus, versuch‘ es noch einmal!“
Vielleicht hat Petrus gedacht: Was soll das denn jetzt? Der hat ja keine Ahnung! Aber die Predigt von Jesus hat etwas verändert. Warum eigentlich nicht? Warum nicht doch einmal etwas wagen? Diesem Mann Jesus etwas zutrauen, der den Menschen so viel zutraut!? Petrus antwortet: „Auf dein Wort hin, ich versuche es!“
Das ist ein gutes erstes Motto für das Loslegen: Auf dein Wort hin, Jesus, trauen wir uns und unseren Mitmenschen mehr zu als der gesunde Menschenverstand. Mit diesen Worten: „auf dein Wort hin, Jesus“ beginnen Hoffnungsgeschichten. So wie Ihre hier mit dieser Kirche. Wie soll es weitergehen mit unserer Gemeinde? Wo wollen wir hin? Woher nehmen wir den Mut? Und dann der Aufbruch und die Gespräche und die Entscheidung – und heute feiern wir in diesem wunderbaren Raum mit einer Perspektive, die ausstrahlt und auch andere ermutigt. Eine Hoffnungsgeschichte!
„Auf den Wort hin“: Jedes Jahr feiere ich mit den jungen Leuten, die mit dem Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst aus Baden nach Italien oder Lateinamerika, nach Rumänien oder Israel und Palästina ausreisen einen Aussendungsgottesdienst. Gerade im Nahen Osten scheint die Lage völlig verfahren und schrecklich. Aber auf Jesu Wort hin brechen sie auf und wollen sich und diese Welt mit ihren Schrecken verändern. Jedenfalls ein kleines bisschen verbessern. „Ich habe doch die Idee des Friedens in mir“, hat eine junge Frau zu mir gesagt, bevor sie aufbrach. „Ich weiß nicht, was ich damit in Israel und Palästina mache, wo doch alle ohnmächtig scheinen.“ Aber auf Jesu Wort hin .... Sie sagt es nicht, aber es steckt darin: aber auf Jesu Wort hin, will sie versuchen, zur Versöhnung beizutragen. Wo nur noch Macht und Gewalt zu herrschen scheinen, wo klar getrennt ist zwischen Freund und Feind, da legen wir los und halten dagegen: Jesus traut uns zu, etwas für mehr Gerechtigkeit und eine friedlichere Welt zu tun.
III
Dann geht in unserer Geschichte alles schnell: Unerwartet lassen sich die Fische fan-gen, die Netz sind voll, übervoll. Ein Wunder! Das Vertrauen des Petrus bewährt sich, auch wenn sein Sachverstand als Fischer das nicht erklären kann. Das zweite Boot muss zur Hilfe kommen.
Wo der Mut wächst und neues Leben beginnt, wächst auch die Gemeinschaft. Die Menschen kommen und wollen sehen, was da Neues passiert, wollen teilhaben. Mein Glaube lebt davon, dass Sie da sind und wir gemeinsam feiern. Mein Glaube lebt davon, dass andere mich in ihm stärken: meine Eltern, vielleicht ein Pate oder die Großmutter, oder jemand ganz Unerwartetes. Niemand glaubt für sich allein!
Das gilt auch umgekehrt: Mein Glaube wächst dadurch, dass ich ihn weitergebe. Da, wo ich lebe und Verantwortung trage: in meinem Beruf, in meiner Familie, in der Politik, in meiner Nachbarschaft, in meinem Sportverein, in meinem Gesangverein, überall bin ich in meinem Glauben gefragt, nicht nur in meiner Gemeinde. Überall da kann und muss er sich bewähren. Das meint Luther, wenn er sagt, wir sind alle als Bischof und Papst aus der Taufe gekrochen: jede und jeder von uns ist von Jesus gerufen seinen Glauben da weiter zu geben, wo er als Christ oder Christin hingestellt ist.
Also: „Kommt, helft mit, alle Fische einzuladen!“ Die Fülle des Lebens, die Jesus uns schenkt, die können wir gar nicht allein aufnehmen. So gedeiht eine Ökumene der Gaben, in der wir alle einander brauchen und unseren Glauben und unsere Hoffnung in die Welt tragen!
Wo der Mut wächst und neues Leben beginnt, wächst auch die Gemeinschaft. Die Menschen kommen und wollen sehen, was da Neues passiert, wollen teilhaben. Mein Glaube lebt davon, dass Sie da sind und wir gemeinsam feiern. Mein Glaube lebt davon, dass andere mich in ihm stärken: meine Eltern, vielleicht ein Pate oder die Großmutter, oder jemand ganz Unerwartetes. Niemand glaubt für sich allein!
Das gilt auch umgekehrt: Mein Glaube wächst dadurch, dass ich ihn weitergebe. Da, wo ich lebe und Verantwortung trage: in meinem Beruf, in meiner Familie, in der Politik, in meiner Nachbarschaft, in meinem Sportverein, in meinem Gesangverein, überall bin ich in meinem Glauben gefragt, nicht nur in meiner Gemeinde. Überall da kann und muss er sich bewähren. Das meint Luther, wenn er sagt, wir sind alle als Bischof und Papst aus der Taufe gekrochen: jede und jeder von uns ist von Jesus gerufen seinen Glauben da weiter zu geben, wo er als Christ oder Christin hingestellt ist.
Also: „Kommt, helft mit, alle Fische einzuladen!“ Die Fülle des Lebens, die Jesus uns schenkt, die können wir gar nicht allein aufnehmen. So gedeiht eine Ökumene der Gaben, in der wir alle einander brauchen und unseren Glauben und unsere Hoffnung in die Welt tragen!
IV
Am Ende legen Petrus und die beiden anderen los. Sie folgen Jesus. Das, was sie erlebt haben, lässt sie nicht los. Sie wollen es weitergeben: Kranke gesund machen, Trauernde trösten, Arme ermutigen und stärken, den Flüchtlingen beistehen. Dazu hat Jesus in seiner Predigt aufgerufen, dazu wollen sie in seinem Namen beitragen und Menschen zu fangen.
Jugendliche, mit denen ich vor einer Weile über diesen Text geredet habe, fanden das Bild unpassend. So als könnte man mit Menschen wie mit Fischen umgehen: „Aber die sind doch tot, wenn sie gefangen sind!“ Deshalb verwendet der Bibeltext ein anderes Wort für Menschen fangen, als für Fische fangen. Dieses Wort betont das Leben und muss wohl so übersetzt werden: „Von nun an wirst du Menschen zum Leben fangen, du wirst sie lebendig machen.“ So wie Jesus dich zum Leben gefangen hat und dir gezeigt hat, wie das geht und vor allem dass das geht!
Der Glaube schickt uns in die Welt, um Menschen lebendiger zu machen! Was er-warten die Menschen hier im Stadtteil von Ihnen als Gemeinde, die Menschen stärkt und dazu ermutigt, Verantwortung füreinander zu übernehmen? Ein gutes ökumeni-sches Miteinander; einen guten Kindergarten; Kinder- und Jugendarbeit; spannende und einladende Gottesdienste; ein Miteinander, die offen ist und an der alle teilhaben können, mit ihren jeweiligen Gaben oder auch Einschränkungen, mit ihren unterschiedlichen Lebensstilen und Frömmigkeiten.
Sie haben Ihre Akzente schon gesetzt; nun wird Ihnen das neue Gebäude hoffentlich helfen und Ihren Schwung stärken: Dass noch mehr Menschen Lust haben, sich zu engagieren, dass sich die Initiativen im Stadtteil weiter vernetzen, dass es gelingt, dieses wunderbare neue Haus mit Leben zu erfüllen.
Jugendliche, mit denen ich vor einer Weile über diesen Text geredet habe, fanden das Bild unpassend. So als könnte man mit Menschen wie mit Fischen umgehen: „Aber die sind doch tot, wenn sie gefangen sind!“ Deshalb verwendet der Bibeltext ein anderes Wort für Menschen fangen, als für Fische fangen. Dieses Wort betont das Leben und muss wohl so übersetzt werden: „Von nun an wirst du Menschen zum Leben fangen, du wirst sie lebendig machen.“ So wie Jesus dich zum Leben gefangen hat und dir gezeigt hat, wie das geht und vor allem dass das geht!
Der Glaube schickt uns in die Welt, um Menschen lebendiger zu machen! Was er-warten die Menschen hier im Stadtteil von Ihnen als Gemeinde, die Menschen stärkt und dazu ermutigt, Verantwortung füreinander zu übernehmen? Ein gutes ökumeni-sches Miteinander; einen guten Kindergarten; Kinder- und Jugendarbeit; spannende und einladende Gottesdienste; ein Miteinander, die offen ist und an der alle teilhaben können, mit ihren jeweiligen Gaben oder auch Einschränkungen, mit ihren unterschiedlichen Lebensstilen und Frömmigkeiten.
Sie haben Ihre Akzente schon gesetzt; nun wird Ihnen das neue Gebäude hoffentlich helfen und Ihren Schwung stärken: Dass noch mehr Menschen Lust haben, sich zu engagieren, dass sich die Initiativen im Stadtteil weiter vernetzen, dass es gelingt, dieses wunderbare neue Haus mit Leben zu erfüllen.
V
Loslegen! Das Motto des Gottesdienstes macht Mut, aufzubrechen wir Petrus, Johannes und Jakobus. Da liegt manches im Weg und es stellen sich viele Fragen: Sind wir stark und mutig genug? Aber es wird nicht mehr von uns erwartet, als wir geben und tun können. Auch die drei ersten Menschenfischer waren normale Menschen: Im Garten Gethsemane schlafen sie ein, als Jesus sie darum bittet, mit ihm zu wachen und zu beten. Und als Jesus festgenommen wird, hat Petrus solche Angst, dass er auch festgenommen, gefoltert, getötet werden könnte, dass er leugnet, Jesus zu kennen.
Es ist damals wie heute nicht unsere Kraft, die uns nachfolgen lässt; es ist das Zutrauen, das Jesus zu uns hat. Es ist seine Zusage, die wie eine Überschrift über unserem Leben steht: „Fürchte dich nicht!“ Seit der Taufe ist uns dieser Satz ins Herz und auf den Leib geschrieben. „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“
Es ist damals wie heute nicht unsere Kraft, die uns nachfolgen lässt; es ist das Zutrauen, das Jesus zu uns hat. Es ist seine Zusage, die wie eine Überschrift über unserem Leben steht: „Fürchte dich nicht!“ Seit der Taufe ist uns dieser Satz ins Herz und auf den Leib geschrieben. „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“
Ich wünsche Ihnen ein fröhliches und mutiges Loslegen in diesem wunderbaren neuen Haus im Vertrauen auf diese Zusage Jesu.
