„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. … Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns of-fenbar werden soll. Denn die Schöpfung wartet ängstlich und sehnsuchtsvoll darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – gegen ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat. Doch sie hofft darauf, dass alle Kreaturen befreit werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt, bis zu dem heutigen Tag.
Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoff-nung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.“
Gottvertrauen und Zuversicht
Predigt zum Volkstrauertag
Liebe Gemeinde,
morgen vor 76 Jahren, am 14. November 1940, wurde die englische Stadt Coventry durch einen deutschen Luftangriff völlig zerstört. Viele Menschen starben, die Stadt lag in Schutt und Asche, auch die berühmte mittelalterliche Kathedrale. Dennoch rief Dompropst Richard Howard an Weihnachten 1940 in einer Rundfunkandacht aus der zerstörten Kirche zur Versöhnung auf. Von der Kathedrale blieben die Eisennägel aus dem 14. Jahrhundert übrig. Sie wurden gesammelt und nach dem Krieg wurden immer drei, ein langer in der Senkrechten und zwei kürzere als Arme zu Kreuzen geschmiedet. Das Kreuz Christi als Ausdruck der Hoffnung auf Versöhnung und der gemeinsamen Verantwortung für den Frieden ging von Coventry aus in alle Welt, überall dorthin wo Menschen unter Krieg und Gewalt gelitten haben und leiden.
In diesem Nagelkreuz verdichtet sich die evangelische Botschaft für den Volkstrauertag. Sie hat dem Dompropst die Kraft gegeben sechs Wochen nach dem Schrecken zur Versöhnung zu rufen. Sie lebt aus der Zuversicht, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Sie ist zugleich realistisch und stellt sich nüchtern den Leiden dieser Zeit. Sie sehnt sich nach einem Leben in Freiheit, und ringt dafür geduldig und leidenschaftlich um Veränderung.
Zuversicht, Realismus und Mut: das sind die drei Kernelemente des Evangeliums zum Volkstrauertag.
morgen vor 76 Jahren, am 14. November 1940, wurde die englische Stadt Coventry durch einen deutschen Luftangriff völlig zerstört. Viele Menschen starben, die Stadt lag in Schutt und Asche, auch die berühmte mittelalterliche Kathedrale. Dennoch rief Dompropst Richard Howard an Weihnachten 1940 in einer Rundfunkandacht aus der zerstörten Kirche zur Versöhnung auf. Von der Kathedrale blieben die Eisennägel aus dem 14. Jahrhundert übrig. Sie wurden gesammelt und nach dem Krieg wurden immer drei, ein langer in der Senkrechten und zwei kürzere als Arme zu Kreuzen geschmiedet. Das Kreuz Christi als Ausdruck der Hoffnung auf Versöhnung und der gemeinsamen Verantwortung für den Frieden ging von Coventry aus in alle Welt, überall dorthin wo Menschen unter Krieg und Gewalt gelitten haben und leiden.
In diesem Nagelkreuz verdichtet sich die evangelische Botschaft für den Volkstrauertag. Sie hat dem Dompropst die Kraft gegeben sechs Wochen nach dem Schrecken zur Versöhnung zu rufen. Sie lebt aus der Zuversicht, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Sie ist zugleich realistisch und stellt sich nüchtern den Leiden dieser Zeit. Sie sehnt sich nach einem Leben in Freiheit, und ringt dafür geduldig und leidenschaftlich um Veränderung.
Zuversicht, Realismus und Mut: das sind die drei Kernelemente des Evangeliums zum Volkstrauertag.
I
Am Volkstrauertag trauern Menschen bis heute um die Angehörigen, die sie im II. Weltkrieg oder auf der Flucht verloren haben, auch unter uns. Vier Tage nach dem 9. November erinnern wir uns an die Zerstörung der Synagogen, auch hier in Karlsruhe. Wir denken an die Menschen, die unter der Naziherrschaft nach Gurs deportiert und in Auschwitz ermordet worden sind.
Kriegsspuren heißt das Thema der diesjährigen Friedensdekade. Die Spuren der Kriege haben sich in unsere Städte eingegraben und in unser Gedächtnis. Auch wenn ich wie viele von uns es – Gott sei Dank – nicht mehr selbst erlebt haben: die Bilder und die Namen der zerstörten Städte stehen uns vor Augen: Guernica, Coventry, Warschau, Hiroshima, Pforzheim, Karlsruhe. Auch wir Kinder und Enkel erinnern uns; wir ahnen die Schrecken; wir spüren die Angst – bis heute.
Die Spuren der Kriege graben sich in das Gedächtnis ein und in unsere Herzen und in unsere Seelen. Viele Väter haben nicht gerne über die Zeit gesprochen. Mein Vater hat erst vor ein paar Monaten meinem Sohn mit über neunzig einmal einen Nachmittag lang ausführlich „von damals“ erzählt. Und über manchen Gesprächen am Familientisch lastet bis heute ein Schweigen, weil die Ehefrau doch eigentlich mit einem anderen am Tisch sitzen wollte, doch der Verlobte ist nicht aus dem Krieg zurück gekommen.
Die aktuellen Bilder vom Leiden unserer Zeit nähren unsere Furcht. Das bis auf die Mauern zerstörte Aleppo; die Flüchtlingstrecks, die aus den syrischen Städten in die Türkei, nach Jordanien oder in den Libanon fliehen. Wir hören von Kriegsspuren auch bei den deutschen Soldatinnen und Soldaten, die heute aus den Kriegen zurückkehren; wir erleben sie bei den Menschen, die dem Grauen als Flüchtlinge entronnen sind: Viele sind traumatisiert. Die Bilder und die Geschichten lassen sie nicht los. Sie sind in Sicherheit, aber sie trauen dem Frieden nicht mehr. Sie haben ihren Halt verloren. Sie schrecken nachts hoch, sie seufzen, wenn sie innehalten – und ihre Familien, ihre Freundinnen und Freunde mit ihnen.
Wir sehnen uns nach Frieden, Gott! Lass uns nicht allein! Nimm die Schrecken von uns und stärke uns in unserem Gottvertrauen. Und in unserer Hoffnung, dass der Unfrieden, die Ungerechtigkeit und die Unfreiheit ein Ende finden werden. Mach uns mutig, deinem Sohn auf dem Weg des Friedens zu folgen.
Kriegsspuren heißt das Thema der diesjährigen Friedensdekade. Die Spuren der Kriege haben sich in unsere Städte eingegraben und in unser Gedächtnis. Auch wenn ich wie viele von uns es – Gott sei Dank – nicht mehr selbst erlebt haben: die Bilder und die Namen der zerstörten Städte stehen uns vor Augen: Guernica, Coventry, Warschau, Hiroshima, Pforzheim, Karlsruhe. Auch wir Kinder und Enkel erinnern uns; wir ahnen die Schrecken; wir spüren die Angst – bis heute.
Die Spuren der Kriege graben sich in das Gedächtnis ein und in unsere Herzen und in unsere Seelen. Viele Väter haben nicht gerne über die Zeit gesprochen. Mein Vater hat erst vor ein paar Monaten meinem Sohn mit über neunzig einmal einen Nachmittag lang ausführlich „von damals“ erzählt. Und über manchen Gesprächen am Familientisch lastet bis heute ein Schweigen, weil die Ehefrau doch eigentlich mit einem anderen am Tisch sitzen wollte, doch der Verlobte ist nicht aus dem Krieg zurück gekommen.
Die aktuellen Bilder vom Leiden unserer Zeit nähren unsere Furcht. Das bis auf die Mauern zerstörte Aleppo; die Flüchtlingstrecks, die aus den syrischen Städten in die Türkei, nach Jordanien oder in den Libanon fliehen. Wir hören von Kriegsspuren auch bei den deutschen Soldatinnen und Soldaten, die heute aus den Kriegen zurückkehren; wir erleben sie bei den Menschen, die dem Grauen als Flüchtlinge entronnen sind: Viele sind traumatisiert. Die Bilder und die Geschichten lassen sie nicht los. Sie sind in Sicherheit, aber sie trauen dem Frieden nicht mehr. Sie haben ihren Halt verloren. Sie schrecken nachts hoch, sie seufzen, wenn sie innehalten – und ihre Familien, ihre Freundinnen und Freunde mit ihnen.
Wir sehnen uns nach Frieden, Gott! Lass uns nicht allein! Nimm die Schrecken von uns und stärke uns in unserem Gottvertrauen. Und in unserer Hoffnung, dass der Unfrieden, die Ungerechtigkeit und die Unfreiheit ein Ende finden werden. Mach uns mutig, deinem Sohn auf dem Weg des Friedens zu folgen.
II
Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Die Zuversicht des Glaubens geht nicht über die Leiden dieser Zeit hinweg. Sie macht sich und anderen nichts vor. Sie ist realistisch. Sie schaut nüchtern und illusionslos hin. Sie folgt der Bewegung Gottes in die Welt und nimmt sie auf. Sie geht mit Jesus mitten in die Welt und in die Konflikte hinein; in die Ställe, in die sich die Menschen aus ihren zerstörten Häusern flüchten und in denen sie auch heute ihre Kinder gebären; zu den Ausgegrenzten und zwischen die Fronten. Sie stellt sich den Wunden der Vergangenheit und der Gegenwart.
Vor ein paar Wochen lief der Film „Franz“ im Kino. Er spielt in einer deutschen Kleinstadt nach dem Ersten Weltkrieg. Eines Tages steht am Grab eines deutschen Soldaten ein junger Franzose. Er trauert. Er legt Blumen auf das Grab. Er will mit der Familie sprechen. Aber der Feind bleibt der Feind. „Sie sind doch einer von denen, die unsere Söhne ermordet haben.“ Er will der jungen Frau alles erklären, die mit dem Gefallenen verlobt war. „Sie haben mir meine Zukunft genommen.“ Gibt es eine Versöhnung über den Gräbern? Wie offen müssen wir mit unserer Schuld umgehen, damit die Wunden geheilt werden können und Versöhnung möglich wird?
Die Zuversicht des Glaubens geht nicht über die Leiden dieser Zeit hinweg. Sie macht sich und anderen nichts vor. Sie ist realistisch. Sie schaut nüchtern und illusionslos hin. Sie folgt der Bewegung Gottes in die Welt und nimmt sie auf. Sie geht mit Jesus mitten in die Welt und in die Konflikte hinein; in die Ställe, in die sich die Menschen aus ihren zerstörten Häusern flüchten und in denen sie auch heute ihre Kinder gebären; zu den Ausgegrenzten und zwischen die Fronten. Sie stellt sich den Wunden der Vergangenheit und der Gegenwart.
Vor ein paar Wochen lief der Film „Franz“ im Kino. Er spielt in einer deutschen Kleinstadt nach dem Ersten Weltkrieg. Eines Tages steht am Grab eines deutschen Soldaten ein junger Franzose. Er trauert. Er legt Blumen auf das Grab. Er will mit der Familie sprechen. Aber der Feind bleibt der Feind. „Sie sind doch einer von denen, die unsere Söhne ermordet haben.“ Er will der jungen Frau alles erklären, die mit dem Gefallenen verlobt war. „Sie haben mir meine Zukunft genommen.“ Gibt es eine Versöhnung über den Gräbern? Wie offen müssen wir mit unserer Schuld umgehen, damit die Wunden geheilt werden können und Versöhnung möglich wird?
Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge ist auf diesem Weg. Das deutsch-französische Jugendwerk hat so viel erreicht, dass Deutsche und Franzosen gemeinsam auf die Schrecken zurückschauen können, aber auch vertrauensvoll nach vorne. Und auch die Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry: Seit 1974 suchen sie Wege der Versöhnung in Kriegen und Konflikten überall auf der Welt: über den Gräbern, gegen den Hass, der sich immer wieder in den Köpfen und Herzen festsetzen will. Sie ermöglichen Begegnungen und Austausch – und vor allem einen Seitenwechsel. Was sehe, fühle, hoffe ich, wenn ich auf der anderen Seite stehe?
Die Kathedrale von Coventry ist eine Ruine geblieben: Das zeigt, dass unser Glaube realistisch ist. Er verdrängt die Not und die Schrecken nicht. Aber eine neue Kirche steht neben der Ruine. In ihr wird regelmäßig das Friedensgebet der Nagelkreuzgemeinschaft gefeiert, so wie überall, wo Nagelkreuzgemeinschaften entstanden sind, auch in Karlsruhe jeden Freitag in der Christuskirche. Ein Gebet, das die Welt umspannt, unsere Zuversicht stärkt und Gottes Frieden ausbreitet.
Im neuen Kirchenraum in Coventry hängt auch die Madonna von Stalingrad, das Bild des deutschen Pfarrers und Arztes Kurt Reuber: „Das Bild ist so: Kind und Mutterkopf einander zugeneigt, von einem großen Tuch umschlossen, Geborgenheit ….Mir kamen die johanneischen Worte: Licht, Leben, Liebe. Was soll ich dazu noch sagen? Wenn man unsere Lage bedenkt, in der Dunkelheit, Tod und Hass umgehen – und unsere Sehnsucht nach Licht, Leben, Liebe die so unendlich groß ist, in jedem von uns!“
Versöhnung braucht Realismus und Mut und am Anfang und am Ende vor allem Gottvertrauen und Zuversicht. „Ich bin getrost, seid Ihr es auch!“ (Justus Perels)
III
Zuversichtlich ist unser Glaube – und weil er das ist, weil unser Gottvertrauen uns frei und mutig macht, können wir realistisch hinschauen auf die Schrecken dieser Zeit, ohne uns ihnen gefangen nehmen zu lassen. Wir haben eine Hoffnung, die uns trägt. Sie beginnt mit den vielen biblischen Geschichten von Versöhnung: Jakob und Esau, Joseph und seine Brüder, der verlorene Sohn. Sie ist nicht mehr aufzuhalten, seit Christus uns versöhnt hat, mit Gott und miteinander. Sie ist nicht mehr aufzuhalten und breitet sich aus, wenn wir uns als Kinder Gottes zeigen. Denn darauf warten die Menschen, die Welt, die ganze Schöpfung, dass wir als Kinder Gottes erkennbar werden: Das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
Wir hören das laute Stöhnen und die schrecklichen Schreie, aber auch die leisen Gebete und das Seufzen. Paulus charakterisiert dieses Stöhnen und Seufzen mit einem Wort, das sonst im Griechischen für das Stöhnen und Seufzen einer Frau unter der Geburt benutzt wird. Dieses Seufzen hat sich noch nicht aufgegeben, es richtet sich nach vorne, da klingt schon neues Leben, das hervordrängt. Es ist ein Seufzen und Stöhnen mit Zuversicht.
Die ängstliche Kreatur wartet darauf, dass wir unsere Ohren und unsere Herzen davor nicht verschließen. Dass wir die Not an uns heranlassen und mutig und voller Hoffnung das teilen, was wir haben. Wir können das, denn wir sind überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns und Gottes ganzer Schöpfung offenbar werden soll.
Im Schrecken der Kriege haben die Opfer keine Stimme. Sie sind nur noch Spielball der Interessen, der angeblich großen politischen Ziele und wichtigen Machtkonstellationen. Wer der politisch Verantwortlichen stellt in Syrien seine Interessen zurück um dieser Menschen willen? Sie versuchen zu überleben, sich und ihre Kinder und ihre Alten zu schützen; sie fliehen, wenn es möglich ist. Können wir für sie offenbar werden als Gottes Kinder? Können wir von ihrer Not so laut reden, dass die Welt und die politisch Verantwortlichen es hören müssen, so wie es Bonhoeffer damals vor dem II. Weltkrieg von den Kirchen gefordert hat? Dass Menschen nicht mehr als Schutzschilde der Soldaten genutzt werden! Dass endlich die Waffen schweigen und andere Lösungen der Konflikte gefunden werden! Dass die Waffenexporte aufhören: „wir haben zu viele Waffen in der Region“, sagen uns unsere Partnerkirchen! Die ganze Kreatur seufzt: das Land ist vermint, der Boden verseucht, die Flüsse vergiftet.
In den letzten Jahren gewinnen die politischen Kräfte an Gewicht, die Kriege für ein legitimes Mittel der Politik halten; die die Schrecken dieser Zeit zur Not auch mit Waffengewalt von sich fern halten wollen. Ihnen müssen wir als Christinnen und Christen, als Kirchen deutlich widersprechen: Denn die Menschen und Schöpfung warten ängstlich und sehnsuchtsvoll darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
Wir hören das laute Stöhnen und die schrecklichen Schreie, aber auch die leisen Gebete und das Seufzen. Paulus charakterisiert dieses Stöhnen und Seufzen mit einem Wort, das sonst im Griechischen für das Stöhnen und Seufzen einer Frau unter der Geburt benutzt wird. Dieses Seufzen hat sich noch nicht aufgegeben, es richtet sich nach vorne, da klingt schon neues Leben, das hervordrängt. Es ist ein Seufzen und Stöhnen mit Zuversicht.
Die ängstliche Kreatur wartet darauf, dass wir unsere Ohren und unsere Herzen davor nicht verschließen. Dass wir die Not an uns heranlassen und mutig und voller Hoffnung das teilen, was wir haben. Wir können das, denn wir sind überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns und Gottes ganzer Schöpfung offenbar werden soll.
Im Schrecken der Kriege haben die Opfer keine Stimme. Sie sind nur noch Spielball der Interessen, der angeblich großen politischen Ziele und wichtigen Machtkonstellationen. Wer der politisch Verantwortlichen stellt in Syrien seine Interessen zurück um dieser Menschen willen? Sie versuchen zu überleben, sich und ihre Kinder und ihre Alten zu schützen; sie fliehen, wenn es möglich ist. Können wir für sie offenbar werden als Gottes Kinder? Können wir von ihrer Not so laut reden, dass die Welt und die politisch Verantwortlichen es hören müssen, so wie es Bonhoeffer damals vor dem II. Weltkrieg von den Kirchen gefordert hat? Dass Menschen nicht mehr als Schutzschilde der Soldaten genutzt werden! Dass endlich die Waffen schweigen und andere Lösungen der Konflikte gefunden werden! Dass die Waffenexporte aufhören: „wir haben zu viele Waffen in der Region“, sagen uns unsere Partnerkirchen! Die ganze Kreatur seufzt: das Land ist vermint, der Boden verseucht, die Flüsse vergiftet.
In den letzten Jahren gewinnen die politischen Kräfte an Gewicht, die Kriege für ein legitimes Mittel der Politik halten; die die Schrecken dieser Zeit zur Not auch mit Waffengewalt von sich fern halten wollen. Ihnen müssen wir als Christinnen und Christen, als Kirchen deutlich widersprechen: Denn die Menschen und Schöpfung warten ängstlich und sehnsuchtsvoll darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
IV
Wir sind gewiss, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns und Gottes ganzer Schöpfung offenbar werden soll.
Die Zuversicht ist die große evangelische Überschrift über den Volkstrauertag. Sie hat zwei kleinere Geschwister: den Realismus und den Mut. Mit ihnen zusammen ringt sie um Frieden. Noch ist die Macht des Todes stark, doch die Zuversicht führt uns schon jetzt in die Zukunft der Liebe Christi: Von ihr können uns weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur scheiden. Unterwegs stärken uns Gottes Wort und Brot und Wein, die wir im Abendmahl teilen, auch die Gemeinschaft unseres Glaubens, die uns über alle Länder und Grenzen hinweg verbindet.
Ich bin gewiss: Am Ende werden die Schrecken dieser Zeit, werden Hass und Ausgrenzung durch Versöhnung überwunden werden und wir werden in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes leben.
Die Zuversicht ist die große evangelische Überschrift über den Volkstrauertag. Sie hat zwei kleinere Geschwister: den Realismus und den Mut. Mit ihnen zusammen ringt sie um Frieden. Noch ist die Macht des Todes stark, doch die Zuversicht führt uns schon jetzt in die Zukunft der Liebe Christi: Von ihr können uns weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur scheiden. Unterwegs stärken uns Gottes Wort und Brot und Wein, die wir im Abendmahl teilen, auch die Gemeinschaft unseres Glaubens, die uns über alle Länder und Grenzen hinweg verbindet.
Ich bin gewiss: Am Ende werden die Schrecken dieser Zeit, werden Hass und Ausgrenzung durch Versöhnung überwunden werden und wir werden in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes leben.
