Bevor er gefangen genommen wurde, sprach Jesus zu denen, die ihm nachfolgten: „Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen.“
Da sprachen einige von ihnen untereinander: „Was bedeutet das, was er zu uns sagt: ‚Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen‘; und: ‚Ich gehe zum Vater‘? Und andere sprachen: „Was bedeutet das, wenn er sagt: ‚Noch eine kleine Weile‘? Wir wissen nicht, was er redet.“
Da merkte Jesus, dass sie ihn fragen wollten. Und er sprach zu ihnen: „Danach fragt ihr euch untereinander, dass ich gesagt habe: ‚Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen‘?
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen."
"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur"
Predigt über Johannes 16-23a im Gottesdienst anlässlich 200 Jahre Evangelische Kirche Wössingen
Liebe Gemeinde,
ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!
ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!
Wir feiern heute das 200. Jubiläum der Grundsteinlegung Ihrer Kirche. Das ist ein Grund zur Freude. Das passt gut zum heutigen Sonntag Jubilate. Wir freuen uns und jubeln, dass damals ein Grundstein für einen Bau gelegt wurde, der Ihre Gemeinde und diesen Ort bis heute prägt, für eine Kirche, die Gottes Freundlichkeit in Ihren Ort, in die Häuser und Familien trägt. So ein Jubiläum ist Anlass, dankbar zurückzuschauen auf den bisherigen Weg Ihrer Kirchengemeinde, der ja bis in die Reformationszeit zurückreicht. Es bietet auch die Gelegenheit, einen Moment innezuhalten: Sind wir auf dem richtigen Weg? Was ist Gottes Wort für heute? Was ist unser Auftrag hier vor Ort? aber auch darüber hinaus in der Weite der Ökumene? Und schließlich lenkt so ein Jubiläum unseren Blick in die Zukunft: Wie wird es in 50 Jahren sein, wenn die heutigen Kindergottesdienstkinder das 250. Jubiläum feiern?
I
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!“ Dieser Wochenspruch und der Predigttext machen deutlich, es geht um mehr als um ein Gebäude, es geht um unseren Glauben, der immer ein Glauben im Übergang ist. Das macht gerade die Feier der Grundsteinlegung deutlich. Wir sind noch nicht fertig, wie bei der Einweihung, die Sie ja erst in fünf Jahren feiern könnten. Aber wir vertrauen uns heute schon Christus an und der neuen Wirklichkeit, die er verkörpert.
Sie heben das in ihrem Leitbild deutlich hervor: Wie Jesus gelebt und gehandelt hat, wie er Gottes Freundlichkeit und Gastfreundschaft in die Welt getragen hat, daran orientieren sie sich. Darauf soll alles aufbauen, was in und um diese Kirche geschieht: in Taufe und Abendmahl, in normalen und besonderen Gottesdiensten, im Abendgebet und zu besonderen Stillezeiten, die uns innehalten und entdecken lassen, was uns trägt.
Christus ist der Grundstein, auf dem alles aufbaut; sein Kreuz und seine österliche Auferstehung prägen alles, was in dieser Gemeinde geschieht: Besuche, Konfirmandenunterricht und diakonisches Handeln, die Arbeit in der Kindertagesstätte und im Projekt „begleitet wohnen“, den Klang der Posaunenchöre und die Jugendarbeit und all die Angebote in Gruppen und Kreisen, für Männer und Frauen, für Ältere und Jüngere. Immer geht es um das, was Christus uns und unserer Welt schenkt: die Freude an gelingenden Begegnungen, die Bereitschaft, für einander und auch für andere da zu sein; die Kraft, das Schwere mitzutragen und Menschen zu trösten; den Mut, aufzubrechen und Neues zu wagen. Die Gastfreundlichkeit Gottes führt uns mitten in dieser Welt mit all ihren Sorgen und Problemen in die Freude.
Ihr Leitwort der Gastfreundlichkeit Gottes ist mir gerade in diesem Jahr des Reformationsjubiläums wichtig. Es markiert die Offenheit unseres Glaubens. Gottes Wort ist uns anvertraut, damit wir es weitersagen, damit die Welt glaube und die Menschen sich eingeladen fühlen an Gottes reich gedeckten Tisch. Zugleich zeigt dieses Leitwort, dass Christus uns herausfordert: Manchmal wäre es doch so nett, unter sich zu bleiben und sich einfach aneinander zu freuen. Aber Jesus hat schon seine Jüngerinnen und Jünger mit auf den Weg in Gottes neue Gemeinschaft genommen. Das fanden die oft schwierig: Denken Sie nur an die Geschichte von Zachäus: Was, bei so einem reichen Beutelschneider, der für die römischen Besatzer Zoll eintreibt und sich dabei die Tasche füllt, sollen wir einkehren? Oder wenn dann plötzlich die Dame mit dem zweifelhaften Ruf kommt und Jesus salbt. Oder als die Kinder zu Jesus wollen, wo der sich doch gerade ganz ernsthaft mit erwachsenen Männern unterhält.
Christus nimmt uns hinein in seine neue Gemeinschaft, die größer, bunter und vielfältiger ist, als wir erwarten. Über Grenzen von Kulturen, über soziale Unterschiede oder politische Interessen hinweg, sagt sie uns: ihr seid eins in Christus.
Diese Kirche mit ihrer weithin sichtbaren Lage strahlt diese Offenheit aus und bildet gleichzeitig einen klaren Zielpunkt, der sich am deutlichsten in diesem schlichten und schönen Kreuz zeigt, das wahrscheinlich fünf- oder sechshundert Jahre älter ist als die Kirche. Die lange Treppe lädt ein, hinaufzusteigen und zu entdecken, welcher Geist da weht, aber dann eben auch wieder Stufe für Stufe hinabzuschreiten und bei jedem Schritt zu überlegen, was nehme ich mit in den Alltag, in meinen Berufs, in die Familie, in anstehende Entscheidungen.
II
Der Predigttext erzählt, wie Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jünger in vertrauter Runde zusammen sitzt. Er wäscht ihnen die Füße. Sie sind ganz vertraut. Aber er sagt ihnen auch, dass sie noch nicht im Himmelreich angekommen sind. Das alles wird bald ein Ende haben. Einer wird mich verraten, um des Geldes willen! Ihr werdet mich dann nicht mehr sehen. Ihr werdet weinen und klagen! Jesus redet lange, immer seltener unterbricht ihn eine Frage; am Schluss sind die Freundinnen und Freunde verstummt.
Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Köpfe am Tisch immer mehr gesenkt haben. Wie sie sich immer mal vorsichtig angeschaut, vielleicht den Kopf geschüttelt oder sich zugeflüstert haben: „Was meint er damit? Was bedeutet das, wenn er sagt: ‚Noch eine kleine Weile!‘“
Jesus spürt das Unbehagen und weiß, dass die Zeit des Übergangs nicht leicht ist. Aber es ist nur ein Übergang, verspricht er, eine kleine Zeit: „Euer Gottvertrauen wird nicht enttäuscht werden; am Ende werdet ihr euch freuen!“
Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Köpfe am Tisch immer mehr gesenkt haben. Wie sie sich immer mal vorsichtig angeschaut, vielleicht den Kopf geschüttelt oder sich zugeflüstert haben: „Was meint er damit? Was bedeutet das, wenn er sagt: ‚Noch eine kleine Weile!‘“
Jesus spürt das Unbehagen und weiß, dass die Zeit des Übergangs nicht leicht ist. Aber es ist nur ein Übergang, verspricht er, eine kleine Zeit: „Euer Gottvertrauen wird nicht enttäuscht werden; am Ende werdet ihr euch freuen!“
III
Als Christenmenschen leben wir in einer Zeit des Übergangs. Wir erleben die Not und die Traurigkeit dieser Welt: Die Einsamkeit und Verzweiflung, die Menschen erleben, weil ihr Ehepartner gestorben ist oder ein Kind schwer erkrankt. Die Trauer, dass eine Beziehung, eine Ehe, von der man sich so viel erhofft hat, nicht trägt, sondern auseinander geht. Die Sorge um einen Arbeitsplatz oder ob die Rente reichen wird. Wie oft senkt sich der Blick, weil wir nicht wissen, wie es weitergehen soll.
Jesus kennt unsere Not. Jesus schaut nicht weg, geht hin, hört zu, nimmt Anteil! Jesus steht uns bei. Für all das steht sein Kreuz, dieses schlichte, klare Kreuz, auf das Sie hier immer schauen können, wenn Sie in diese Kirche kommen (die ja auch wochentags offen ist, was mich sehr freut).
Aber Jesus verspricht uns heute am Sonntag Jubilate noch mehr: Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden! Am Ende wird es wie nach einer Geburt sein: Die Frau gebiert unter Schmerzen, aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Alle Traurigkeit, Anstrengung und Not sind nicht vergessen, aber sie sind verwandelt in Freude.
Jesus kennt unsere Not. Jesus schaut nicht weg, geht hin, hört zu, nimmt Anteil! Jesus steht uns bei. Für all das steht sein Kreuz, dieses schlichte, klare Kreuz, auf das Sie hier immer schauen können, wenn Sie in diese Kirche kommen (die ja auch wochentags offen ist, was mich sehr freut).
Aber Jesus verspricht uns heute am Sonntag Jubilate noch mehr: Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden! Am Ende wird es wie nach einer Geburt sein: Die Frau gebiert unter Schmerzen, aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Alle Traurigkeit, Anstrengung und Not sind nicht vergessen, aber sie sind verwandelt in Freude.
IV
Darum geht es in unseren Gemeinden; das ist unser Auftrag als Kirche. Dass Menschen spüren, wie freundlich Christus ihnen begegnet. Dass er sie mit Gottes gütigen Augen anschaut, so dass sie wieder Kraft schöpfen und Mut gewinnen, selber den Kopf zu heben, sich aufzurichten und zu erleben, wie wichtig sie für die Gemeinschaft, für andere sind.
Mir fällt dazu immer die Geschichte vom barmherzigen Samariter ein. Alle ziehen den Kopf ein, als sie den Überfallenen da liegen sehen; sie schauen weg. Nur einer, der Samariter, fühlt sich von Gott gütig angeschaut. Deswegen kann er den Kopf heben und mutig hinschauen, wo die Not ist, wo Menschen Beistand und Ermutigung brauchen.
Wir leben als Christenmenschen in einer Zeit des Übergangs, aber schon in der Vorfreude auf diese neue Zeit. Was wir erwarten und worauf wir hoffen, ist neues Leben in einem österlichen Glanz, der schon jetzt in unser Leben strahlt. Er macht uns zu Zeitgenossen, die voller Vorfreude die Welt im Geist Christi verändern, die Menschen helfen und heilen, die in Konflikten versöhnen und zum Gottvertrauen ermutigen.
So wächst in Christus eine neue Gemeinschaft der Gastfreundschaft, die Geld und Gut teilt, Bildung, Gefühle, das ganze Leben teilt. Eine Gemeinschaft, die Verschiedenheit ernst nimmt: Mann und Frau, soziale Stellung, verschiedene Nationalitäten, Kulturen und Religionen; aber die zugleich weiß, dass am Ende all das nicht entscheidend ist, sondern dass wir alle eins sind in Christus. Also nicht jeder und jede auf sich fixiert und um sich und seine Interessen besorgt, sondern eins in Christus.
Mir fällt dazu immer die Geschichte vom barmherzigen Samariter ein. Alle ziehen den Kopf ein, als sie den Überfallenen da liegen sehen; sie schauen weg. Nur einer, der Samariter, fühlt sich von Gott gütig angeschaut. Deswegen kann er den Kopf heben und mutig hinschauen, wo die Not ist, wo Menschen Beistand und Ermutigung brauchen.
Wir leben als Christenmenschen in einer Zeit des Übergangs, aber schon in der Vorfreude auf diese neue Zeit. Was wir erwarten und worauf wir hoffen, ist neues Leben in einem österlichen Glanz, der schon jetzt in unser Leben strahlt. Er macht uns zu Zeitgenossen, die voller Vorfreude die Welt im Geist Christi verändern, die Menschen helfen und heilen, die in Konflikten versöhnen und zum Gottvertrauen ermutigen.
So wächst in Christus eine neue Gemeinschaft der Gastfreundschaft, die Geld und Gut teilt, Bildung, Gefühle, das ganze Leben teilt. Eine Gemeinschaft, die Verschiedenheit ernst nimmt: Mann und Frau, soziale Stellung, verschiedene Nationalitäten, Kulturen und Religionen; aber die zugleich weiß, dass am Ende all das nicht entscheidend ist, sondern dass wir alle eins sind in Christus. Also nicht jeder und jede auf sich fixiert und um sich und seine Interessen besorgt, sondern eins in Christus.
V
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden! In diesem Glauben haben unsere Vorfahren den Grundstein für diese Kirche gelegt. Dieser Glaube macht uns Mut, unseren Weg im Geist Christi weiter zu gehen. Wir vertrauen darauf, dass Jesus Christus bei uns ist alle Tage bis an das Ende der Welt, bis zu dem Tag, an dem wir ihn nichts mehr fragen werden.
Ich wünsche Ihrer Gemeinde Gottes Segen auf diesem Weg.
Ich wünsche Ihrer Gemeinde Gottes Segen auf diesem Weg.
