Gott, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Land und hast die Gefangenen Jakobs erlöst; der du deinem Volk die Missetat vergeben hast und hast all ihre Sünde bedeckt; der du vormals all deinen Zorn hast fahren lassen und dich abgewandt hast von der Glut deines Zorns:
Kehre uns um, Gott unserer Hilfe, und brich deinen Zorn weg von uns! Willst du auf Dauer wut-schnauben über uns? Soll sich dein Wutschnauben von Generation zu Generation hinziehen? Willst du uns nicht wenden und uns neu beleben, dass sich freue dein Volk an dir? Lass uns schauen, Gott, deine Liebe und gib uns deine Hilfe.
Könnte ich doch hören, was Gott redet: Frieden sagte er seinem Volk zu und denen, die Gott lieben, damit sie nicht mutlos werden. Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die Gott fürchten: dass Gottes Glanz in unserm Land wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Verlässlichkeit auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass Gott uns Gutes gebe und unser Land seine Frucht bringe; dass Gerechtigkeit vor dem Antlitz Gottes hergehe und seinen Schritten folge.
Friede und Gerechtigkeit streiten
Friede und Gerechtigkeit streiten - Predigt über Psalm 85 im Gottesdienst zum Volkstrauertag in der Stadtkirche Karlsruhe
Liebe Gemeinde,
am Volkstrauertag, an dem wir an die Opfer von Krieg und Gewalt denken, sagt Gott uns Frieden zu. Einen Frieden, in dem „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Davon scheinen wir weit entfernt. Wir erschrecken über Terror und Krieg, Bürgerkrieg und Gewalt. Was sollen wir tun? Worauf können wir hoffen?
„Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Der Psalm malt eine Vision von Gottes Friedensreich, das vor uns liegt. Aber er will auch praktisch werden und weist uns einen Weg, wie wir unsere Füße auf den Frieden ausrichten.
Wenn Güte und Treue sich begegnen, dann fordern sie sich auch heraus, dann stoßen sie sich auch. Und wenn Frieden und Gerechtigkeit sich küssen, dann klingt im Hebräischen auch mit, dass sie sich streiten und aneinander reiben. Eigentlich wissen wir das auch, dass küssen und streiten zusammen gehören. Gefährlicher als Streiten ist für die Liebe die Gleichgültigkeit; wer sich liebt und küsst, dem ist der oder die andere und der gemeinsame Weg so wichtig, dass es sich lohnt, darum zu streiten. „Du bist mir nicht egal!“
„Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Das ist Gottes Zusage. Mit ihr steckt der Psalm vier Eckpunkte ab, in denen wir uns orientieren und bewegen, wenn wir unsere Füße auf den Weg des Friedens richten: Friede wächst, wenn Güte und Treue miteinander ringen und Frieden und Gerechtigkeit sich um den richtigen Weg streiten!
am Volkstrauertag, an dem wir an die Opfer von Krieg und Gewalt denken, sagt Gott uns Frieden zu. Einen Frieden, in dem „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Davon scheinen wir weit entfernt. Wir erschrecken über Terror und Krieg, Bürgerkrieg und Gewalt. Was sollen wir tun? Worauf können wir hoffen?
„Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Der Psalm malt eine Vision von Gottes Friedensreich, das vor uns liegt. Aber er will auch praktisch werden und weist uns einen Weg, wie wir unsere Füße auf den Frieden ausrichten.
Wenn Güte und Treue sich begegnen, dann fordern sie sich auch heraus, dann stoßen sie sich auch. Und wenn Frieden und Gerechtigkeit sich küssen, dann klingt im Hebräischen auch mit, dass sie sich streiten und aneinander reiben. Eigentlich wissen wir das auch, dass küssen und streiten zusammen gehören. Gefährlicher als Streiten ist für die Liebe die Gleichgültigkeit; wer sich liebt und küsst, dem ist der oder die andere und der gemeinsame Weg so wichtig, dass es sich lohnt, darum zu streiten. „Du bist mir nicht egal!“
„Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Das ist Gottes Zusage. Mit ihr steckt der Psalm vier Eckpunkte ab, in denen wir uns orientieren und bewegen, wenn wir unsere Füße auf den Weg des Friedens richten: Friede wächst, wenn Güte und Treue miteinander ringen und Frieden und Gerechtigkeit sich um den richtigen Weg streiten!
I
Die Güte und die Treue, die Gerechtigkeit und der Frieden: Jede Ecke für sich hat einen guten Klang, aber es besteht auch eine Spannung zwischen ihnen.
In der Güte geht es warmherzig zu. Sie geht jeder Person nach und sucht Lösungen für jeden Einzelfall. Im Zweifel sagt sie: Habt doch Mitleid! Sie ist immer bereit, Gnade vor Recht ergehen zu lassen.
Die Treue hält dagegen die große Linie. Sie fragt nach dem, was Recht ist: Worauf kann ich mich verlassen - und dann aber eben auch alle anderen? Im Zweifel sagt sie: Warum gilt das für den und nicht für die da?
Wenn das, was gilt, wegen eines Einzelfalls zurückgenommen wird, kann die Güte leicht zur Willkür werden. Dann kommt die Person immer besser durch, die sich gut verkaufen kann und ins Schema passt. Andererseits: wenn alles nur so funktioniert, wie das Recht es vorschreibt, dann wird es manchmal kalt und man bekommt Angst sich in den Mühlen der Bürokratie zu verlieren.
In der Güte geht es warmherzig zu. Sie geht jeder Person nach und sucht Lösungen für jeden Einzelfall. Im Zweifel sagt sie: Habt doch Mitleid! Sie ist immer bereit, Gnade vor Recht ergehen zu lassen.
Die Treue hält dagegen die große Linie. Sie fragt nach dem, was Recht ist: Worauf kann ich mich verlassen - und dann aber eben auch alle anderen? Im Zweifel sagt sie: Warum gilt das für den und nicht für die da?
Wenn das, was gilt, wegen eines Einzelfalls zurückgenommen wird, kann die Güte leicht zur Willkür werden. Dann kommt die Person immer besser durch, die sich gut verkaufen kann und ins Schema passt. Andererseits: wenn alles nur so funktioniert, wie das Recht es vorschreibt, dann wird es manchmal kalt und man bekommt Angst sich in den Mühlen der Bürokratie zu verlieren.
II
Wir erleben das zurzeit in Gemeinden, die sich um Flüchtlinge sorgen, wenn eine Abschiebung droht. Es ist wichtig, dass wir einen Rechtsstaat mit guten rechtlichen Regelungen haben, an die sich alle halten. Sonst geht die Verlässlichkeit und das Vertrauen in das Recht verloren.
Aber wenn wir Namen, Gesichter und Geschichten kennen, wächst die Güte. Personen wachsen uns ans Herz. Warum diese Familie, die hat doch so eine schreckliche Geschichte erlebt – und die Kinder sind doch schon so gut in der Schule angekommen? Dann überlegen Gemeinden: Was können wir tun, um zu helfen? Sollen wir die Familie vielleicht ins Kirchenasyl nehmen?
Aus dieser Spannung finden wir nicht heraus. Gott traut und mutet uns zu, Wege zu bahnen zwischen Güte und Treue; Gott will, dass wir beides im Blick zu haben. Wir geraten ins Dazwischen: aufmerksam für das Besondere jedes Menschen und doch auch das Ganze im Blick. Da ist eine anstrengende Position, aber sie lebt in der Verheißung eines Friedens, der höher ist als alle Vernunft.
Aber wenn wir Namen, Gesichter und Geschichten kennen, wächst die Güte. Personen wachsen uns ans Herz. Warum diese Familie, die hat doch so eine schreckliche Geschichte erlebt – und die Kinder sind doch schon so gut in der Schule angekommen? Dann überlegen Gemeinden: Was können wir tun, um zu helfen? Sollen wir die Familie vielleicht ins Kirchenasyl nehmen?
Aus dieser Spannung finden wir nicht heraus. Gott traut und mutet uns zu, Wege zu bahnen zwischen Güte und Treue; Gott will, dass wir beides im Blick zu haben. Wir geraten ins Dazwischen: aufmerksam für das Besondere jedes Menschen und doch auch das Ganze im Blick. Da ist eine anstrengende Position, aber sie lebt in der Verheißung eines Friedens, der höher ist als alle Vernunft.
III
Es gibt ein schönes Lied dazu von Reinhard Mey; es heißt: „Zeugnistag“.
„Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein“, fängt es an. Und erzählt: „ich war ein fauler Hund“ mit wenig Hoffnungen auf gute Noten in der Schule. Dann ist Zeugnistag: „So, jetzt ist es passiert, dacht‘ ich mir, jetzt ist alles aus, nicht einmal eine 4 in Religion. Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus, sondern allenfalls zur Fremdenlegion. Ich zeigt‘ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie, schön bunt, sah nicht schlecht aus … Ich war vielleicht ‘ne Niete in Deutsch und Biologie, dafür konnt‘ ich schon immer ganz gut mal‘n!“
Natürlich kommt dann alles raus. Die Eltern werden einbestellt, der Rektor holt ihn aus der Klasse zum Elterngespräch. Alle warten auf die „Maulschellen für den Betrüger, das mißrat‘ne Stück, diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.“ „Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft, so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran, das ist tatsächlich meine Unterschrift.“ Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug. Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh‘n, dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug. Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns geh‘n.““
„Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, dass meine Eltern mich da rausholten, und wo bleibt die Moral?“, singt Reinhard Mey. Aber „wenn‘s brenzlig wird, wenn‘s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt“, dann tut es gut, „zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!“
„Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein“, fängt es an. Und erzählt: „ich war ein fauler Hund“ mit wenig Hoffnungen auf gute Noten in der Schule. Dann ist Zeugnistag: „So, jetzt ist es passiert, dacht‘ ich mir, jetzt ist alles aus, nicht einmal eine 4 in Religion. Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus, sondern allenfalls zur Fremdenlegion. Ich zeigt‘ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie, schön bunt, sah nicht schlecht aus … Ich war vielleicht ‘ne Niete in Deutsch und Biologie, dafür konnt‘ ich schon immer ganz gut mal‘n!“
Natürlich kommt dann alles raus. Die Eltern werden einbestellt, der Rektor holt ihn aus der Klasse zum Elterngespräch. Alle warten auf die „Maulschellen für den Betrüger, das mißrat‘ne Stück, diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.“ „Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft, so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran, das ist tatsächlich meine Unterschrift.“ Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug. Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh‘n, dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug. Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns geh‘n.““
„Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, dass meine Eltern mich da rausholten, und wo bleibt die Moral?“, singt Reinhard Mey. Aber „wenn‘s brenzlig wird, wenn‘s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt“, dann tut es gut, „zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!“
IV
Wie kommen Güte und Treue, Liebe und Recht zusammen? Dürfen Eltern für ihre Kinder lügen? Das Amt der Versöhnung, in das Christus uns ruft, ist ein mutiges Amt. Eines, das ins Dazwischen ruft. In die Verantwortung, die Augen aufzumachen für die anderen; sich nicht darauf zu verlassen, dass alles richtig ist, was geschieht; aber auch nicht alles nach der eigenen Nase zu beurteilen und nach dem, was mir gerade passt. Wir brauchen die Treue, wir sagen heute: das Recht. Wir sind froh, dass wir einen demokratischen Staat haben, in dem es Wege gibt, dieses Recht weiter zu entwickeln, so dass mehr Güte möglich wird.
Wer an Gottes Frieden teilhat, lebt nicht selbstsicher in einer Ecke, sondern bewegt sich dazwischen, im „und“. Wie kommen Güte und Treue zusammen? Wie verhindern wir einen faulen Frieden, der die Menschenrechte verachtet? Das war Bonhoeffers Frage: Darf ich Gewalt anwenden, gegen das Friedensgebot verstoßen, um dem Rad in die Speichen zu fallen und Ungerechtigkeit und mörderische Unmenschlichkeit zu stoppen?
Wer an Gottes Frieden teilhat, lebt nicht selbstsicher in einer Ecke, sondern bewegt sich dazwischen, im „und“. Wie kommen Güte und Treue zusammen? Wie verhindern wir einen faulen Frieden, der die Menschenrechte verachtet? Das war Bonhoeffers Frage: Darf ich Gewalt anwenden, gegen das Friedensgebot verstoßen, um dem Rad in die Speichen zu fallen und Ungerechtigkeit und mörderische Unmenschlichkeit zu stoppen?
V
Es ist ein weiter Horizont, in den uns Gottes Frieden ruft: Mein ältester Enkel wird im Jahr 2100 so alt sein, wie meine Mutter jetzt. Das sind vier Generationen. Wie weit nach hinten und nach vorne reicht unsere Verantwortung? Was wird bis dahin mit den Atomwaffen geschehen sein, die gerade überall modernisiert werden? Werden die Kinder der Menschen, die heute zu uns fliehen, unsere Güte und Treue loben – oder werden sie noch immer trauern und klagen, dass wir verhindert haben, dass ihre Väter oder Mütter oder Geschwister nachkommen? Werden wir den Temperaturanstieg so begrenzen, dass auch noch unsere Urenkel sehen können, was Gletscher und Eisberge sind?
Der Friede Gottes stellt uns mit seinen Eckpunkten auf weiten Raum. Der Horizont des Glaubens ist weit, zeitlich und räumlich!
In diesem weiten Horizont dazwischen treten, versöhnen, mutig erste Schritte wagen. Dazu ruft uns der Glaube an den Gott des Friedens. Jesus Christus hat uns das vorgelebt bis zum Tod am Kreuz.
In Nigeria haben wir eine Partnerkirche. Das Land wird seit vielen Jahren von Gewalt zerrissen. Aber es gibt auch Hoffnungsgeschichten zwischen Güte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden: James, der Pastor hat eine christliche Miliz geführt, der Imam Ashafa eine muslimische. Sie haben sich über Jahre erbittert bekämpft in Kaduna in der Mitte Nigeria. Es ging um Macht und Einfluss. Aber jede Partei benutzte das Christentum und den Islam, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Ein Kreislauf des Hasses und Gewalt; jede Rache eine Vergeltung, niemand kennt Anfang oder Ende. James, dem Pastor, ist im Kampf mit den Milizen des Imam seine rechte Hand abgeschlagen worden; die Milizen von James haben Ashafas alten Lehrer gesteinigt und zwei seiner Cousins getötet.
Aber 1998 hat der Friede Gottes sie zur Umkehr geführt. Wie wir es gehört haben: Kehre uns um, Gott unserer Hilfe. … Willst du uns nicht wenden und uns neu beleben, dass sich freue dein Volk an dir? Lass uns schauen, Gott, deine Liebe und gib uns deine Hilfe. Nun sind sie gemeinsam unterwegs. Sie gehen in die Orte. Sie hören die Leidensgeschichten der Menschen. Sie nehmen sie ernst: die Narben am Körper und die Wunden der Seele, die nicht heilen wollen. Sie fragen sich und die Anderen: Wie kann der Hass überwunden werden? Wie werden wir frei von dieser Wut, die uns beherrscht? Von dieser Gefangenschaft im „Wir sind gut, die anderen böse“. Sie wagen Begegnungen und auf einmal werden erste kleine Schritte auf dem Weg der Versöhnung möglich. Oft unter Tränen, aber im Vertrauen auf Gottes Zusage: Könnte ich doch hören, was Gott redet: Frieden sagte er seinem Volk zu und denen, die Gott lieben, damit sie nicht mutlos werden. Sie organisieren Gruppen, die sich vor Ort um Begegnung und Ausgleich bemühen; ein Frühwarnsystem, das helfen soll, wenn Konflikte eskalieren.
Wenn Sie sich den Film: Der Imam und der Pastor anschauen, (ein wunderbares Weihnachtsgeschenk!), sehen Sie, dass diese Geschichte keine kitschige Romanze ist. Immer wieder erinnern sich die beiden daran, was sie sich und ihre Lieben gegenseitig Schreckliches angetan haben. Und dann streiten sie sich wie die Kesselflicker.
Der Friede Gottes stellt uns mit seinen Eckpunkten auf weiten Raum. Der Horizont des Glaubens ist weit, zeitlich und räumlich!
In diesem weiten Horizont dazwischen treten, versöhnen, mutig erste Schritte wagen. Dazu ruft uns der Glaube an den Gott des Friedens. Jesus Christus hat uns das vorgelebt bis zum Tod am Kreuz.
In Nigeria haben wir eine Partnerkirche. Das Land wird seit vielen Jahren von Gewalt zerrissen. Aber es gibt auch Hoffnungsgeschichten zwischen Güte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden: James, der Pastor hat eine christliche Miliz geführt, der Imam Ashafa eine muslimische. Sie haben sich über Jahre erbittert bekämpft in Kaduna in der Mitte Nigeria. Es ging um Macht und Einfluss. Aber jede Partei benutzte das Christentum und den Islam, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Ein Kreislauf des Hasses und Gewalt; jede Rache eine Vergeltung, niemand kennt Anfang oder Ende. James, dem Pastor, ist im Kampf mit den Milizen des Imam seine rechte Hand abgeschlagen worden; die Milizen von James haben Ashafas alten Lehrer gesteinigt und zwei seiner Cousins getötet.
Aber 1998 hat der Friede Gottes sie zur Umkehr geführt. Wie wir es gehört haben: Kehre uns um, Gott unserer Hilfe. … Willst du uns nicht wenden und uns neu beleben, dass sich freue dein Volk an dir? Lass uns schauen, Gott, deine Liebe und gib uns deine Hilfe. Nun sind sie gemeinsam unterwegs. Sie gehen in die Orte. Sie hören die Leidensgeschichten der Menschen. Sie nehmen sie ernst: die Narben am Körper und die Wunden der Seele, die nicht heilen wollen. Sie fragen sich und die Anderen: Wie kann der Hass überwunden werden? Wie werden wir frei von dieser Wut, die uns beherrscht? Von dieser Gefangenschaft im „Wir sind gut, die anderen böse“. Sie wagen Begegnungen und auf einmal werden erste kleine Schritte auf dem Weg der Versöhnung möglich. Oft unter Tränen, aber im Vertrauen auf Gottes Zusage: Könnte ich doch hören, was Gott redet: Frieden sagte er seinem Volk zu und denen, die Gott lieben, damit sie nicht mutlos werden. Sie organisieren Gruppen, die sich vor Ort um Begegnung und Ausgleich bemühen; ein Frühwarnsystem, das helfen soll, wenn Konflikte eskalieren.
Wenn Sie sich den Film: Der Imam und der Pastor anschauen, (ein wunderbares Weihnachtsgeschenk!), sehen Sie, dass diese Geschichte keine kitschige Romanze ist. Immer wieder erinnern sich die beiden daran, was sie sich und ihre Lieben gegenseitig Schreckliches angetan haben. Und dann streiten sie sich wie die Kesselflicker.
VI
Friede wächst, wenn Güte und Treue miteinander ringen und Frieden und Gerechtigkeit sich streiten! Frieden wächst, wenn Menschen sich mit ihren Unterschieden und Widersprüchen begegnen. Da braucht es den Mut, dazwischen zu treten, wenn ein anderer angebrüllt wird. Da braucht es die Kraft, Unterschiede auszuhalten. Da braucht es Aufmerksamkeit, um das am Anderen, am Fremden zu sehen, was ich durch die Brille der Feindschaft nicht sehe.
Wir erinnern uns in diesen Jahren nicht nur an das Reformationsjubiläum, sondern auch an den ersten Weltkrieg. 2014 trafen Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich den französischen Staatspräsidenten und den deutschen Bundespräsidenten auf dem Hartmannsweilerkopf, einem der blutigsten Schlachtfelder des 1. Weltkrieges; deshalb heißt er der Menschenfresserberg, gar nicht weit von Colmar, etwa 200 km von hier. Inzwischen ist dort ein Museum entstanden, das an diese Schrecken erinnert und Mut macht zum „Dazwischen“, zur Versöhnung. „Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern sind nicht selbstverständlich“, haben die Jugendlichen den Präsidenten in ihrer Botschaft eingeschärft. Um Frieden müssen wir ringen, dafür müssen wir uns bewegen, immer wieder danach Ausschau halten, wo Feindschaft wächst. Wir brauchen den Austausch zwischen den Kulturen, wir brauchen Begegnungen, wir müssen ringen und auch streiten: Wie wird Friede? Wie unterstützen wir diejenigen, die dazwischen treten, versöhnen und Brücken bauen?
Wir erinnern uns in diesen Jahren nicht nur an das Reformationsjubiläum, sondern auch an den ersten Weltkrieg. 2014 trafen Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich den französischen Staatspräsidenten und den deutschen Bundespräsidenten auf dem Hartmannsweilerkopf, einem der blutigsten Schlachtfelder des 1. Weltkrieges; deshalb heißt er der Menschenfresserberg, gar nicht weit von Colmar, etwa 200 km von hier. Inzwischen ist dort ein Museum entstanden, das an diese Schrecken erinnert und Mut macht zum „Dazwischen“, zur Versöhnung. „Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern sind nicht selbstverständlich“, haben die Jugendlichen den Präsidenten in ihrer Botschaft eingeschärft. Um Frieden müssen wir ringen, dafür müssen wir uns bewegen, immer wieder danach Ausschau halten, wo Feindschaft wächst. Wir brauchen den Austausch zwischen den Kulturen, wir brauchen Begegnungen, wir müssen ringen und auch streiten: Wie wird Friede? Wie unterstützen wir diejenigen, die dazwischen treten, versöhnen und Brücken bauen?
VI
Gott sagt uns Frieden zu; damit fängt alles an. Darauf vertrauen wir. Gott führt uns heraus aus den Eindeutigkeiten von Freund und Feind, in ein offenes, weites Land, dessen Eckpunkte Güte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden sind. Sie stecken ein Feld ab, auf dem wir um Frieden ringen und manchmal auch streiten, weil wir darauf vertrauen, dass am Ende „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“
