„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es! Darum erkennt uns die Welt nicht; denn sie kannte ihn nicht.
Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Wer solche Hoffnung auf ihn setzt, reinigt sich, wie auch jener rein ist. Wer aber Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass Jesus erschienen ist, um die Sünden zu überwinden. In ihm ist keine Sünde. Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.“
„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es!
Predigtüber 1. Joh.3,1-6 und 2. Teil des Weihnachtsoratiums am 1. Weihnachtstag in der Stadtkirche in Karlsruhe
Liebe Festgemeinde,
„seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch!“
Weihnachten verändert sich die Welt! Gott wird Mensch. In der Krippe im Stall, nicht im Palast oder im Tempel. „Da Speise vormals sucht ein Rind, ruhet itzt der Jungfrau’n Kind.“ Da, wo das Stroh piekst und der Ochse beim Wiederkäuen schmatzt, da mitten hinein wird Jesus geboren. Joseph sorgt sich und Maria ist müde. Bethlehem ist von Menschen überfüllt, die hier nicht zu Hause sind. Und die Mächtigen planen schon, wie sie die Liebe Gottes mit einem groß angelegten Kindermord wieder loswerden.
Da hinein kommt Gott als Kind zu uns und verändert die Welt. Die Mächtigen stürzen vom Thron. Die Gewalt hat ein Ende. Gerechtigkeit breitet sich aus. Die Armen und die, die in Not sind, entdecken ihre Kraft: Die, die vorher ihre Köpfe gesenkt hielten, richten sich auf und loben Gott; die, die vor Angst stumm waren und nicht widersprachen, beginnen selbstbewusst und mutig zu reden. Sie verbreiten die gute Nachricht, die das Leben auf der Erde verändert: „Wir sind Gottes Kinder!“
„seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch!“
Weihnachten verändert sich die Welt! Gott wird Mensch. In der Krippe im Stall, nicht im Palast oder im Tempel. „Da Speise vormals sucht ein Rind, ruhet itzt der Jungfrau’n Kind.“ Da, wo das Stroh piekst und der Ochse beim Wiederkäuen schmatzt, da mitten hinein wird Jesus geboren. Joseph sorgt sich und Maria ist müde. Bethlehem ist von Menschen überfüllt, die hier nicht zu Hause sind. Und die Mächtigen planen schon, wie sie die Liebe Gottes mit einem groß angelegten Kindermord wieder loswerden.
Da hinein kommt Gott als Kind zu uns und verändert die Welt. Die Mächtigen stürzen vom Thron. Die Gewalt hat ein Ende. Gerechtigkeit breitet sich aus. Die Armen und die, die in Not sind, entdecken ihre Kraft: Die, die vorher ihre Köpfe gesenkt hielten, richten sich auf und loben Gott; die, die vor Angst stumm waren und nicht widersprachen, beginnen selbstbewusst und mutig zu reden. Sie verbreiten die gute Nachricht, die das Leben auf der Erde verändert: „Wir sind Gottes Kinder!“
I
Die heutigen Abschnitte des Weihnachtsoratoriums führen uns zu den Hirten. Sie sind die ersten, denen die Engel von der Geburt Jesu erzählen. Sie sind die ersten, die ihn sehen dürfen: nach Maria und Joseph und Ochs und Esel; als erstes kommen nicht die Schwiegermutter oder Tanten und Onkel oder der Bürgermeister zu dem Neugeborenen, sondern die Hirten.
Sie haben sonst nicht viel zu sagen. Sie arbeiten schwer und trotzdem bleibt der Hunger. Sie hüten die Schafe, doch manchmal ist der Wolf schneller – und auch die Naturgewalten sind kaum zu bändigen; aber sie sind dem Besitzer der Schafe verantwortlich. Sie leben draußen, ohne Familie und ohne soziales Netz. Doch mit der Geburt dieses Kindes Jesus wird alles anders. „Ihr Hirtenvolk erschrecket nicht!“ Eure Furcht hat ein Ende; ihr könnt euch freuen: Ihr seid Kinder Gottes! Christus ist euer Bruder!
Diese Nachricht verändert alles für die Hirten. Sie sind Gott wichtig – und diesem Kind. Sie werden mutig, machen ihren Mund auf und reden in der Öffentlichkeit: „Uns ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids!“
Sie haben sonst nicht viel zu sagen. Sie arbeiten schwer und trotzdem bleibt der Hunger. Sie hüten die Schafe, doch manchmal ist der Wolf schneller – und auch die Naturgewalten sind kaum zu bändigen; aber sie sind dem Besitzer der Schafe verantwortlich. Sie leben draußen, ohne Familie und ohne soziales Netz. Doch mit der Geburt dieses Kindes Jesus wird alles anders. „Ihr Hirtenvolk erschrecket nicht!“ Eure Furcht hat ein Ende; ihr könnt euch freuen: Ihr seid Kinder Gottes! Christus ist euer Bruder!
Diese Nachricht verändert alles für die Hirten. Sie sind Gott wichtig – und diesem Kind. Sie werden mutig, machen ihren Mund auf und reden in der Öffentlichkeit: „Uns ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids!“
II
Die Hirten sind die ersten Boten der neuen Zeit! In der Kirche vergessen wir das manchmal. Wir meinen, wir müssten die Menschen zu Jesus führen. Die Weihnachtsgeschichte lehrt uns, lieber nach den Hirten zu schauen und ihnen zu folgen, wenn wir zu Christus wollen. Also auch auf die Menschen zu achten und auf die zu hören, die für uns heute eher am Rand sind; von denen wir eigentlich nicht erwarten, dass sie etwas zu sagen haben, was unser Gottvertrauen stärkt, und was uns zu einem neuen Miteinander ermutigt.
Die Weihnachtsgeschichte schickt uns raus aus unserer Blase, in der wir alle wichtig und alles richtig ist; sie schickt uns raus zu denen, denen heute die Engel zurufen: „Fürchtet euch nicht! Ihr seid Kinder Gottes!“ Also unter die Brücken, wo die leben, die in diesen Tagen noch keinen Platz in einer warmen Unterkunft gefunden haben - oder nicht drin leben können oder wollen, weil es ihnen einfach zu eng ist; in die Vesperkirchen, die in den nächsten Wochen wieder öffnen; zu den Menschen in den Flüchtlingsheimen oder in die Gefängnisse; zu unseren Geschwistern in Syrien und im Libanon, in deren Augen sich die Schrecken von Terror und Krieg spiegeln: „Ihr seid Kinder Gottes!“
Die Hirten sind Kinder Gottes. Sie nehmen uns an die Hand und führen uns an die Krippe. Dort finden wir Gott als Kind: klein, zerbrechlich und gefährdet. Und entdecken in dieser Krippe wie in einem Spiegel: Dieses Kind macht uns zu Kindern Gottes und untereinander zu Geschwistern!
Die Weihnachtsgeschichte schickt uns raus aus unserer Blase, in der wir alle wichtig und alles richtig ist; sie schickt uns raus zu denen, denen heute die Engel zurufen: „Fürchtet euch nicht! Ihr seid Kinder Gottes!“ Also unter die Brücken, wo die leben, die in diesen Tagen noch keinen Platz in einer warmen Unterkunft gefunden haben - oder nicht drin leben können oder wollen, weil es ihnen einfach zu eng ist; in die Vesperkirchen, die in den nächsten Wochen wieder öffnen; zu den Menschen in den Flüchtlingsheimen oder in die Gefängnisse; zu unseren Geschwistern in Syrien und im Libanon, in deren Augen sich die Schrecken von Terror und Krieg spiegeln: „Ihr seid Kinder Gottes!“
Die Hirten sind Kinder Gottes. Sie nehmen uns an die Hand und führen uns an die Krippe. Dort finden wir Gott als Kind: klein, zerbrechlich und gefährdet. Und entdecken in dieser Krippe wie in einem Spiegel: Dieses Kind macht uns zu Kindern Gottes und untereinander zu Geschwistern!
III
„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch!“
Weihnachten drehen sich die Verhältnisse um: Ein Kind wird zum Retter! „Dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.“ In diesem Hoffnungssatz fängt Picander (oder wer auch immer den Text des Weihnachtsoratoriums gedichtet hat) den Kern der Weihnachtsgeschichte ein. Dieses Kind rettet die Welt und macht uns alle zu Kindern Gottes!
Obwohl zu Jesu Zeiten wie zu Bachs Zeit und bis heute, die Kinder diejenigen sind, die am stärksten gefährdet sind. Bach hat das mit seinen eigenen Kindern erlitten!
Es ist eben noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Noch sind die Kinder die ersten Opfer in den Kriegen und Bürgerkriegen unserer Tage. Sie sind können sich kuam wehren gegen Gewalt und Missbrauch. Sie können nicht weg, wenn das Klima die Lebensbedingungen so verändert, dass Dürre oder Überschwemmungen drohen. Sie leiden am stärksten unter Wirtschaftskrisen. Selbst in so einem reichen Land wie Deutschland ist die Kinderarmut erschreckend hoch. Deshalb brauchen wir in Mannheim eine Kindervesperkirche und eigentlich wohl auch in Karlsruhe.
So wird die Zusage: Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder!“ zugleich zu einem Auftrag. Was müssen wir tun, damit Kinder in Frieden aufwachsen und aufblühen können. Damit sie erleben: Wir sind Kinder Gottes! Wir sind Gott wichtig, wir gehören zu Christus! Was einem unter diesem Kleinen geschieht, das geschieht Gott.
Deshalb gehören die Kinder in die Mitte des Weihnachtsfestes. Da geht es nicht um Kitsch; im Gegenteil. Da geht es darum, dass wir ernst nehmen, wie schwer es für viele Kinder weltweit, aber auch bei uns, ist gut zu leben, groß zu werden, sich zu entwickeln. Die Welt verändert sich, wenn wir in jedem Kind Christus erkennen, das eine besondere Kind in der Krippe, die Hoffnung für diese Welt.
Weihnachten drehen sich die Verhältnisse um: Ein Kind wird zum Retter! „Dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.“ In diesem Hoffnungssatz fängt Picander (oder wer auch immer den Text des Weihnachtsoratoriums gedichtet hat) den Kern der Weihnachtsgeschichte ein. Dieses Kind rettet die Welt und macht uns alle zu Kindern Gottes!
Obwohl zu Jesu Zeiten wie zu Bachs Zeit und bis heute, die Kinder diejenigen sind, die am stärksten gefährdet sind. Bach hat das mit seinen eigenen Kindern erlitten!
Es ist eben noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Noch sind die Kinder die ersten Opfer in den Kriegen und Bürgerkriegen unserer Tage. Sie sind können sich kuam wehren gegen Gewalt und Missbrauch. Sie können nicht weg, wenn das Klima die Lebensbedingungen so verändert, dass Dürre oder Überschwemmungen drohen. Sie leiden am stärksten unter Wirtschaftskrisen. Selbst in so einem reichen Land wie Deutschland ist die Kinderarmut erschreckend hoch. Deshalb brauchen wir in Mannheim eine Kindervesperkirche und eigentlich wohl auch in Karlsruhe.
So wird die Zusage: Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder!“ zugleich zu einem Auftrag. Was müssen wir tun, damit Kinder in Frieden aufwachsen und aufblühen können. Damit sie erleben: Wir sind Kinder Gottes! Wir sind Gott wichtig, wir gehören zu Christus! Was einem unter diesem Kleinen geschieht, das geschieht Gott.
Deshalb gehören die Kinder in die Mitte des Weihnachtsfestes. Da geht es nicht um Kitsch; im Gegenteil. Da geht es darum, dass wir ernst nehmen, wie schwer es für viele Kinder weltweit, aber auch bei uns, ist gut zu leben, groß zu werden, sich zu entwickeln. Die Welt verändert sich, wenn wir in jedem Kind Christus erkennen, das eine besondere Kind in der Krippe, die Hoffnung für diese Welt.
IV
Das Gottvertrauen der Hirten ist gewachsen, mit Freude und Anmut laufen sie, eilen sie, um Herz und Sinnen an der Krippe zu laben. „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch!“
Als sie am Stall ankommen, loben sie Gott und das Kind, ihren Bruder. Aber wie wird das sein, wenn die drei Weisen dazu kommen? Werden sie sich vertragen? Was wird passieren, wenn ein Ackerbauer kommt, mit dem die Hirten sich sonst immer ums Weideland streiten? Oder wenn ihre Herren dazu kommen, die sie knechten? Da lassen sich schöne Szenen ausdenken in der Krippenlandschaft unter dem Weihnachtsbaum oder in den Krippenspielen.
Wer zu Christus in die Krippe schaut, erkennt sich selbst als Kind Gottes, aber auch den dunkelhäutigen Weisen aus dem Morgenland, der neben ihm steht. Wir sind Kinder Gottes, in all unserer Unterschiedlichkeit; wir gehören zusammen als Brüder und Schwestern.
Der erste Mord in der Bibel ist ein Brudermord. Soll ich meines Bruders Hüter sein? Ja, schau in die Krippe, du sollst! Und du kannst es auch, denn du bist Gottes Kind und der oder die neben dir auch. Und seine Familie, die noch in Syrien festsitzt, auch. Also lasst die Familien doch bitte wieder zusammenkommen.
Als sie am Stall ankommen, loben sie Gott und das Kind, ihren Bruder. Aber wie wird das sein, wenn die drei Weisen dazu kommen? Werden sie sich vertragen? Was wird passieren, wenn ein Ackerbauer kommt, mit dem die Hirten sich sonst immer ums Weideland streiten? Oder wenn ihre Herren dazu kommen, die sie knechten? Da lassen sich schöne Szenen ausdenken in der Krippenlandschaft unter dem Weihnachtsbaum oder in den Krippenspielen.
Wer zu Christus in die Krippe schaut, erkennt sich selbst als Kind Gottes, aber auch den dunkelhäutigen Weisen aus dem Morgenland, der neben ihm steht. Wir sind Kinder Gottes, in all unserer Unterschiedlichkeit; wir gehören zusammen als Brüder und Schwestern.
Der erste Mord in der Bibel ist ein Brudermord. Soll ich meines Bruders Hüter sein? Ja, schau in die Krippe, du sollst! Und du kannst es auch, denn du bist Gottes Kind und der oder die neben dir auch. Und seine Familie, die noch in Syrien festsitzt, auch. Also lasst die Familien doch bitte wieder zusammenkommen.
V
„Wir sind Kinder Gottes.“ Die Hirten haben die Zusage gehört. Sie freuen sich über den kleinen Bruder! Aber sie ahnen auch, wie gefährdet gerade dieses Kind sein wird, das der Welt einen neuen Glanz gibt. Gott wird Mensch, ein Kind in der Krippe und liefert sich damit auch all den Anfeindungen und Bosheiten aus, die Menschen bedrohen. Was können wir, seine Geschwister für ihn tun?
Bach nimmt diese Frage wunderbar am Ende des zweiten Teils auf. Sie werden seine Antwort gleich hören. Es liegt nicht in unserer Macht, Gottes Botschaft durchzusetzen. Aber wir folgen diesem Kind und richten uns an ihm aus. Wir nehmen seine Liebe auf und geben sie einander und anderen weiter. Und sorgen uns um ihn wie große Geschwister, die ihren kleinen Bruder in den Schlaf singen: „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh‘!“
Gott wird Mensch, ein Kind und unser Bruder. Eine neue Zeit beginnt, in der wir in der Kraft des Geistes Christi wie Geschwister miteinander leben und mit allen Engeln und himmlischen Chören singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!“
Bach nimmt diese Frage wunderbar am Ende des zweiten Teils auf. Sie werden seine Antwort gleich hören. Es liegt nicht in unserer Macht, Gottes Botschaft durchzusetzen. Aber wir folgen diesem Kind und richten uns an ihm aus. Wir nehmen seine Liebe auf und geben sie einander und anderen weiter. Und sorgen uns um ihn wie große Geschwister, die ihren kleinen Bruder in den Schlaf singen: „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh‘!“
Gott wird Mensch, ein Kind und unser Bruder. Eine neue Zeit beginnt, in der wir in der Kraft des Geistes Christi wie Geschwister miteinander leben und mit allen Engeln und himmlischen Chören singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!“
