"Aufgeblüht"

Predigt über Psalm 92,14-16 zum Festgottesdienst zum Auftakt der „Woche der Diakonie“

14 Die gepflanzt sind im Hause des Herrn,
werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.
15 Und wenn sie auch alt werden,
werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein,
16 dass sie verkündigen, dass der Herr gerecht ist;
er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm.

Liebe Gemeinde,
was für eine Kraft steckt in diesen Bildern! Was für eine Fülle des Lebens!
Bunt und lebendig geht es im Haus Gottes zu. Die Menschen grünen und gedeihen. Sie stehen in einem Blumenmeer oder in einem Wald. Sie tragen Hut oder Kappe, Strickjacke oder bunte Kleider. Sie halten Blumensträuße in der Hand. Nur Willi hat Eichenblätter und Tannenzapfen im Arm. Sie zeigen uns ihr Gesicht: Ihr besonderes Gesicht – das voller Geschichten ist.

„Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.“ Von Lebenskraft und Verletzlichkeit erzählen diese Bilder, von Vertrauen und einer Geborgenheit, die meine Vorstellungskraft übersteigt. In ihrer Warmherzigkeit erweitern sie meine Perspektive auf Älterwerden und auf das Vergessen; sie prägen mir ein, wie liebevoll Gott uns ansieht.

Sie verkündigen, wie Gott gerecht ist. Anders, als ich gedacht habe. Gottes Gerechtigkeit ist keine, die misst, was Roswitha kann. Sie fragt nicht, ob Inge oder Lilo ein Haus malen können, ob sie sagen können, in welcher Straße sie wohnen. Gottes Gerechtigkeit malt das Leben nicht in einem auf- und absteigenden Bogen, bei dem nur wer leistet, oben ist, alle anderen, aber noch nicht oder nicht mehr.

Gottes Gerechtigkeit erkennt in jeder Person, in jedem und jeder von uns, ein Ebenbild Gottes, ein Geschwisterkind Christi, ein Geheimnis für alle anderen. Ob mit Zigarette oder tiefen Falten, mit Kopftuch, Stola oder stylischer Jacke. Sie werden blühen, fruchtbar und frisch sein. Sie verkündigen, wie Gott unsere Würde aufdeckt: egal, wie alt wir sind, wie stark und klug, wie selbstbewusst oder verletzlich.

Jetzt verstehe ich. Gott ist ein Fels, das heißt: Gott lässt sich nicht beeindrucken, von all dem, woran wir einander messen. Gott wahrt unser Geheimnis, mein Geheimnis! Darin liegt eine große Kraft, die uns durch das Leben trägt. Gott ist ein Fels, auf den wir bauen können.

Ich freue mich, dass Traudl Wyss mit ihrem Sohn Ronny Wyss bei uns ist. Sie ist eines der Models; sie werden sie nachher in der Ausstellung in ihrem blauen Kleid mit den Hortensien entdecken. Liebe Frau Wyss, lieber Herr Wyss, haben Sie Lust uns kurz zu erzählen, wie und wo Sie leben?
Sie strahlen auf dem Bild eine große Freundlichkeit und Zufriedenheit aus. Was trägt sie? Wovor sorgen Sie sich? Was wünschen Sie sich?

Wenn ich es richtig verstehe, leben Sie noch immer in dem Haus, in dem Sie geboren wurden. Da sind Sie bestimmt gut verbunden mit ihrer Nachbarschaft. Welche Unterstützung brauchen Sie, um dort gut zu leben?

Ich danke Ihnen sehr! 

14 Die gepflanzt sind im Hause des Herrn,
werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.
15 Und wenn sie auch alt werden,
werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein,
16 dass sie verkündigen, dass der Herr gerecht ist;