Lesung Lk 15,1-10
151 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.
Suchen und Finden und die Freude, gefunden zu werden: Lukas 15, 1-10
Stiftungsgottesdienst in Lützelsachsen am 20. Juni 2021
VOM VERLORENEN SCHAF
3Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
VOM VERLORENEN GROSCHEN
8Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Liebe Gemeinde,
suchen und finden! Meine Enkel, drei und sechs Jahre alt, lieben es, sich zu verstecken. „Such uns, Opa!“ Wenn ich zu lange brauche, hält vor allem der kleinere Bruder es oft gar nicht mehr aus; der große muss ihn festhalten, damit er nicht von selbst aus dem Versteck kommt. Wenn ich sie dann finde, ist das Jauchzen groß. Finden und Gefunden werden – beides ist eine Riesenfreude!
8Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Liebe Gemeinde,
suchen und finden! Meine Enkel, drei und sechs Jahre alt, lieben es, sich zu verstecken. „Such uns, Opa!“ Wenn ich zu lange brauche, hält vor allem der kleinere Bruder es oft gar nicht mehr aus; der große muss ihn festhalten, damit er nicht von selbst aus dem Versteck kommt. Wenn ich sie dann finde, ist das Jauchzen groß. Finden und Gefunden werden – beides ist eine Riesenfreude!
Jesus erzählt auch vom Suchen und Finden und von der Freude, zu finden und gefunden zu werden: Der Hirte vermisst eines seiner 100 Schafe; die Frau einen von zehn Silbergroschen. Der Hirte lässt die übrigen 99 Schafe allein in der Wüste, um das eine zu suchen. Die Frau stellt das ganze Haus auf den Kopf und kehrt jede Ecke aus, um den einen Groschen zu finden. Sie finden beide, was sie suchen, und freuen sich so sehr darüber, dass sie ihren Freundinnen und Freunden und der Nachbarschaft begeistert davon erzählen: „Ich habe mein Schaf wieder; mein Silbergroschen ist wieder da! Kommt, freut euch mit mir!“
I
Ich frage mich: War das eigentlich vernünftig, dass der Hirte die 99 Schafe allein in der Wüste gelassen hat, um das eine zu finden? Würde ich das machen? Was passiert denn, wenn ein Raubtier kommt und alle 99 Schafe rasen in der Wüste auseinander? Das wäre ein viel größerer wirtschaftlicher Schaden.
Aber Jesus folgt bei seiner Suche keiner wirtschaftlichen Logik. Er fragt nicht: Lohnt sich das? Er berechnet nicht das Risiko und seine Arbeitszeit, wenn er hinterherläuft. „Auf eines mehr oder weniger kommt es doch nicht an; dann schreibe ich das Schaf doch lieber ab.“
Nein, Jesus ist jedes einzelne Schaf wichtig. Jeder und jede von uns. Da wird nicht erst sortiert, wer wie wichtig ist und was sich lohnt. Jesus geht jedem einzelnen Schaf nach. Er weiß, wie sehr dieses eine verlorene Schaf ihn braucht, wie sehr es jetzt da draußen auf ihn wartet. Vielleicht genauso wie mein kleiner Enkel ganz aufgeregt darauf wartet, gefunden zu werden.
Als er es gefunden hat, legt der Hirte sich das Schaf über die Schultern und trägt es zurück. Ein wunderbares Bild, das es früher oft auf Konfirmationsurkunden gab und das dann sogar in manchem Wohnzimmer hing: „Der Herr ist mein Hirte!“ Darauf kannst du dich verlassen! Du bist nicht eine oder einer unter vielen, für dich geht Jesus los und sucht nach dir!
II
So ist es auch mit der Münze. Ein Silbergroschen ist wenig. Wahrscheinlich war die Frau arm, denn ihr Haus hatte nicht einmal ein Fenster. Sie musste ein Licht anzünden, um zu suchen. Wie lange würde ich meine Wohnung durchsuchen, um fünf Cent zu finden? Ab welcher Summe würden Sie suchen? Jesus ist jeder Mensch, jedes Lebewesen so wichtig, dass er sich aufmacht, es zu suchen!
Gott sucht nach uns, egal wie hoch andere oder auch wir selbst unseren Wert einschätzen. „Du bist Gott wichtig!“ Das ist die Botschaft der beiden Gleichnisse. Das wollen wir in der Kirche weitersagen. Dafür engagieren Sie sich hier in Ihrer Gemeinde, in der Stiftung, im Gemeindebauverein, im Frauenverein und in den vielen anderen Gruppen und Kreisen, die diese gute Nachricht in Wort und Tat in den Ort und unter die Leute bringen wollen. Das feiern wir heute, dafür danke ich Ihnen. „Gott gibt niemanden verloren; Jesus lässt dich nicht aus den Augen. Er geht dir nach, bis er dich findet; er dreht jeden Stein um und putzt jede Wohnung so sauber wie noch nie, nur um dich zu finden.“
Auch wenn wir mal in die Irre gehen: Gott geht uns nach und findet uns. Und wir, Gefundenen, gehen suchen und finden gemeinsam dankbar große Freude.
III
Jesus erzählt die Geschichte Menschen, die um ihn herumstehen. Das sind zwei Gruppen:
Einmal seine Freundinnen und Freunde: Menschen, die sich für den Glauben interessieren, Menschen, die sich darum bemühen, ihren Glauben im Alltag zu leben; Menschen, die sich engagieren; Menschen, die Jesus als Gerechte bezeichnet, an denen er sich freut, für die wir Gott dankbar sind.
Und dann sind da Zöllner und Sünder. Heute würden wir sagen: Menschen, die eigentlich nicht dazu gehören. Außenseiter, aus welchen Gründen auch immer.
Sie stören diejenigen, die gut befreundet sind mit Jesus: Warum gibt der sich mit denen ab? Warum isst der sogar mit denen? Mit diesem Zachäus, der allen im Ort das Geld aus der Tasche zieht. Mit dieser Frau, die ihr Geld auf der Straße verdient. Mit diesem Menschen, dessen Wohnung voller Müll ist und der immer betrunken ist.
Jesus spürt die Spannung zwischen den beiden Gruppen und macht sich auf die Suche nach beiden. Wie kann er sie beide an den Tisch Gottes holen, der für uns alle gedeckt ist? Dass beide Gruppen die große Freude erleben beim gemeinsamen Festmahl.
Die einen, die es schwer mit sich und ihrem Leben haben, spüren, wie Jesus sich freut, dass sie sich finden lassen. Ihnen verspricht Jesus, ihnen nachzugehen, wenn die Niedergeschlagenheit, die Wut, der Zweifel, die Einsamkeit, die Sucht sie in Besitz nehmen wollen. Das Jugendwort des Jahres 2020 war „lost“. In ihm steckt das Gefühl, verloren zu sein, unsicher, wie es weitergeht, abgeschrieben zu sein und nicht gebraucht. Diesem lost stellt Jesus sein „found“ entgegen, so wie es in dem berühmten Gospel „Amazing Grace“ heißt: „I once was lost, but now I'm found.“ Einst war ich verloren, aber jetzt bin ich wieder gefunden worden – und kann mich nun selbst auf die Suche machen.
Auch die anderen, die erst unzufrieden waren, mit wem Jesus sich abgibt, sucht und findet Jesus. Sie entdecken, wie schön es ist, sich miteinander zu freuen, auch mit denen, die ganz anders sind und die wir manchmal als eine Zumutung erleben. Das kennen Sie aus Ihren Gruppen und schon die Kinder aus dem Kindergarten: Wie gut es allen tut, wenn wir wieder zusammenfinden, wenn wir Trauer oder Freude miteinander teilen konnten, wenn ein Mensch den Kopf hebt und voller Freude und Zuversicht aufbricht. „Was für eine Freude für alle, im Himmelreich und auch schon jetzt hier, wenn eine neuen Mut schöpft, wenn einer spürt: Das Leben ist gut!“
Das gilt im Nahen und im Fernen, gerade auch in der Begegnung mit unseren Partnergemeinden: Wir gehören zusammen. Wir leben aus der Freude, gemeinsam nach Gott zu suchen und Sinn in unserem Leben zu finden. Am Ende sind das Jauchzen und die Freude groß und die Glocken läuten unsere Freude und Dankbarkeit hinaus in das Land: „Gott hat uns gefunden!“
