Predigttext: Römer 10, 9-17
9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10 Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. 11 Denn die Schrift spricht (Jesaja 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«
12 Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. 13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).
14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? 15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
16 Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« 17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
Liebe Ordinationsgemeinde, vor allem: liebe Ordinandinnen und Ordinanden,
heute ist es so weit! Nach einer langen Ausbildung im Studium und im Vikariat lassen Sie sich heute ordinieren. „Pfarrer wirst Du? Pfarrerin?“ Die Fragen haben einige von Ihnen bestimmt nicht nur von Gleichaltrigen gehört. „Ach, du bist nicht katholisch! Dann darfst Du ja wenigstens heiraten?!“ Was haben Sie geantwortet, wenn es dann hieß: „Und was macht man da?“
I
Die Antwort von Paulus finde ich großartig und mutig: „Ihr sollt Freudenboten und Freudenbotinnen sein, die das Gute verkündigen!“ Was für eine Aufforderung in einer Zeit, in der viele Menschen verunsichert sind. Im Wahlkampf waren die persönlichen Ängste angesichts von Corona, aber auch die großen Verunsicherungen durch den Klimawandel und seine Folgen, die Fragen nach einer wachsenden Spaltung unserer Gesellschaft oder auch der sozialen und globalen Gerechtigkeit überall Thema. „Es gibt so viel zu tun; alles muss endlich anders werden.“
Wie werden Sie in dieser Situation Freudenbotinnen und Freudenboten werden? Wie werden Sie Glaubensgeschichten erzählen, die Menschen Mut machen und sie überzeugen: Wenn ihr auf diesen Jesus Christus vertraut, werdet ihr gerettet und nicht zuschanden werden?
II
Seine Kraft gewinnt der Glaube aus Erfahrungen und Geschichten. Damit fängt alles an. Mit den Geschichten mit denen ihre Eltern oder Großeltern sie in ihr Gottvertrauen mit hineingenommen haben. Aus dem Kindergottesdienst, dem Religions- oder Konfirmationsunterricht. Mit Menschen, bei denen Sie gespürt haben, wie Sie getragen sind und aus ihrem Glauben frei, mutig und gelassen leben.
Alles fängt mit dem Hören und Erleben an und nicht mit dem, was ich oder was Sie tun. Mit dem, was sich über das Ohr und alle Sinnesorgane in uns festsetzt; worauf wir so in unserem Herzen vertrauen, dass wir es dann auch laut weitersagen und mit dem Munde bekennen.
Was haben Sie für Geschichten im Ohr – und im Herzen, die Sie selbst tragen und die sie weitergeben wollen? Das heutige Evangelium, die Geschichte von der kanaanäischen Frau, die mit Jesus über die Kraft des Glaubens streitet? Oder die Jesusgeschichten: Jesus vertraut darauf, dass zwei Fische und fünf Brote reichen – für alle, die gekommen sind. Er führt Menschen zusammen, so dass die Unterschiede nicht mehr trennen, sondern das Miteinander gelingt: zwischen Juden und Griechen, Alt und Jung, Kranken und Gesunden, den verschiedenen Geschlechtern, Armen und Reichen, auch zwischen Mensch und Tier. Alles, was lebt, alles, was Odem, lebt aus der Kraft der Liebe, mit der Gott die Welt umfängt und erfüllt.
Die wichtigste Geschichte für Paulus ist die Ostergeschichte. Mit ihr steht und fällt für ihn der Glaube: Der Stein ist weggerollt. Die Höhle ist leer. Die Soldaten, die das Grab bewachen, stürzen zur Seite. Der Tod, der doch für alle: reich wie arm, fromm wie säkular das Sicherste im Leben überhaupt zu sein scheint; der Tod verliert seine Macht. „Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.“
Das ist die Grundgeschichte der Freude. In ihr steckt die tiefste Kraft des Glaubens. Sie öffnet Spielräume für das Leben, wo die Angst herrscht. Sie schenkt Freiheit, auch wenn alles vernagelt oder ein Weg wie ein Tunnel schien. Sie macht Mut zur Begegnung, sie überwindet Grenzen und versöhnt, wo Verletzungen oder Hass unüberbrückbar schienen.
III
Freudenbotin sein beginnt mit dem Hinhören! Achten Sie deshalb auf sich und ihr geistliches Leben. Hören Sie auf die Bibel, aber auch auf die Bekenntnisse, Fragen und Antworten der Menschen, die mit ihnen unterwegs sind im Leib Christi. Sie sind von heute an in besonderer Weise dafür verantwortlich, dass die Freudenbotschaft laut wird; aber alle anderen in den Leib Christi Getauften sind auch mit dieser Freudenbotschaft unterwegs: die Ältesten, die vielen engagierten Ehrenamtlichen – und manchmal gerade auch die, die nicht oft in der Kirche sind, aber doch ein tiefes Vertrauen haben, dass Christus unsere Ängste, Sorgen und Trauer in Freude verwandeln kann. Und natürlich sind da die Kolleginnen und Kollegen, wie Sie das jetzt schon in Ihrem Kurs erlebt haben, aber auch die Dekanin, der Dekan als Vorgesetzte.
Sie alle begleiten Sie und tragen Sie in diesem Amt. Deswegen ordinieren wir in der evangelischen Kirche in und mit der Gemeinde, mit der Synode, weil wir einander brauchen, wenn wir die Freudenbotschaft in die Welt tragen.
IV
Das redet nicht klein, dass sie besonders herausgefordert sind, verlässlich und öffentlich vom Glauben zu reden. „Wie sollen die Menschen sonst glauben, wenn sie nichts davon hören?“
Sie sind durch ihre Ausbildung gut auf die Aufgabe vorbereitet. Sie haben gelernt, auch mit den Zweifelnden im Gespräch zu sein, mit Menschen gemeinsam um den Glauben zu ringen. Deswegen brauchen Sie das Glaubensgespräch, die Rückmeldung auf Gottesdienste und Predigten, auf Veranstaltungen und Unterricht: Könnt Ihr damit etwas anfangen? Was stärkt Euer Gottvertrauen?
Die Gemeinden, aber auch die Menschen in der Kommune, im Krankenhaus oder in der Schule trauen ihnen viel zu. Sie erwarten aber auch von Ihnen, dass Sie da sind mit der Freudenbotschaft, gerade auch wenn es schwer ist, wie es jetzt die Kolleginnen und Kollegen im Ahrtal erlebt haben. Alle wissen, dass Sie nicht jede Erwartung an eine Freudenbotin, einen Freudenboten erfüllen können. Sie werden trotzdem Vertrauen finden, wenn die Menschen spüren, dass Sie selbst nicht nur mit dem Ohr, sondern auch mit dem Herzen hinhören, dass Ihr Bekennen um den Glauben im Hier und Jetzt ringt, dass Sie mit ihnen gemeinsam unterwegs sind.
V
„Wie lieblich sind die Füße deiner Freudenboten, die das Gute verkündigen!“ Wir freuen uns auf Sie, die neuen Freudenbotinnen und Freudenboten in unserer Landeskirche. Wir trauen Ihnen viel zu, jeder und jedem einzelnen von Ihnen: dass Sie gut hören, dass Sie bekennen, was in Ihrem Herzen von dem Gehörten angekommen ist, dass Ihr Mund die richtigen Worte findet.
Paulus schaut am Ende wie der Prophet Jesaja auf die Füße der Freudenbotinnen und Freudenboten. Weil es beim Verkündigen nicht nur um ein Kopfgeschehen geht, sondern wer verkündigt als ganze Person gefragt ist: von Kopf bis Fuß, mit Ihrem ganzen Körper, mit Ihrem Auftreten, mit Ihrem Stehen und Gehen. Was Sie als Freudenbotschaft weitergeben, wie Sie davon reden, das ist so persönlich wie Ihre Füße unterschiedlich sind. So wie einige von Ihnen das heute mit ihren silbernen, roten, goldenen, … Schuhen zeigen.
Wer einem Freudenboten, einer Freudenbotin begegnet, hofft auf eine Botschaft, die fest und kraftvoll mit beiden Füßen mitten aus dem Leben kommt und mitten ins Leben wirkt: Das große Ja Gottes, die Liebe Christi ist stärker als alle Angst, stärker als der Tod!
Viel Segen, viel Kraft und viel Freude auf Ihrem Weg mit dieser Freudenbotschaft!
