Liebe Festgemeinde, liebe Angehörige!
"Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern." (Ps 66,5). Mit dem Vers dieser Woche möchte ich Sie, liebe Frau Schneider-Cimbal, heute in den Ruhestand verabschieden.
Er trifft nach meinem Eindruck gut, wie Sie Ihren Auftrag als Pfarrerin und Dekanin verstanden haben: Sie haben Menschen eingeladen „Kommt her!“ und ihnen gezeigt, wie gut Gottes es mit uns meint, wie wunderbar Gottes Wirken an uns Menschenkindern ist.
I
Viele sollten die Einladung hören, nicht nur die, die schon da sind. Menschen in Klinken und Heimen, an den Tischen der Vesperkirche, in den Beratungsstellen der Diakonie sollten erleben, dass Gott für sie da ist und mit ihnen geht, so wie Jesus gerufen hat: „Kommt her, ihr, die ihr mühselig und beladen seid!“ Eine öffentliche Einladung ist das: „Kommt her“, die ihr Orientierung sucht, kommt her, die ihr etwas gestalten oder Neues ausprobieren wollt: jung oder alt, Mann oder Frau, gut situiert oder in schwieriger sozialer Lage, traurig oder voller Lebenslust! Kommt her, seht und erlebt, wie gut der Glaube tut; wie er uns trägt und uns Kraft und Mut gibt, Verantwortung füreinander zu übernehmen.
In diesem Geist haben Sie schwungvoll, laut und deutlich und öffentlich eingeladen in eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, die etwas zu sagen hat und Verantwortung für diese wunderbare Region am See übernimmt.
II
Sie haben immer gewusst, was Sie wollen, liebe Frau Schneider-Cimbal. Aber Sie wussten auch, wie wichtig das Miteinander und die geteilte Verantwortung in der Kirche ist: die Gespräche mit denen, die sich beruflich oder ehrenamtlich engagieren, die Offenheit, die Vertrautheit und die Verbindlichkeit, mit der wir in der Kirche miteinander umgehen. Ob Synodale, Mitarbeitende in den Gemeinden, Pfarrerinnen, Diakone …, sie haben darauf geachtet – und auch uns als Landeskirche gemahnt, nicht immer mehr drauf zu packen und immer neue Forderungen zu stellen. Wer ausstrahlen will, wie wunderbar Gottes Wirken ist, der muss auch selbst die Freude an all dem Wunderbaren erleben, das Gott uns schenkt.
Ich erinnere mich genau, wie Sie mir begeistert erzählt haben, wie Sie manchmal für die anderen kochen, weil Christi Liebe den ganzen Menschen erfreuen will, seinen Geist, seinen Leib und seine Seele. Weil die Werke Gottes uns zusammenführen, so wie im Abendmahl. Da sitzen sehr unterschiedliche Menschen mit Jesus am Tisch, sie lachen und weinen, sie hören einander zu und widersprechen sich, sie feiern, sie teilen Brot und Wein, sie gehören zusammen.
III
Als Dekanin trugen Sie eine besondere Verantwortung für die Rahmenbedingungen, in denen Kirche vor Ort lebendig und leibhaftig gestaltet werden konnte. Sie achteten darauf, dass dabei der Horizont weit offenblieb: für die bunte Vielfalt des christlichen Lebens in anderen Gemeinden, Einrichtungen und Bezirken, für einen respektvollen Umgang mit dem Gewachsenen und einer Offenheit für Neues, für den Zusammenhalt in der Landeskirche, in der EKD und mit den Geschwistern in der Ökumene weltweit.
Sie haben das kirchliche Leben gefördert und gepflegt, aber zugleich gewusst, wie wichtig Strukturen sind. Für Sie war klar: Wir brauchen als Kirche um der Arbeit vor Ort willen gute Abläufe, klare Prozesse, eine effektive Verwaltung. Deshalb waren Sie dankenswerter vor drei Jahren auch bereit, die Verantwortung für das hiesige VSA zu übernehmen. Für all das und noch viel mehr, was ich jetzt nicht alles nennen konnte, danke ich Ihnen im Namen der Landeskirche sehr!
IV
"Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern." (Ps 66,5). Liebe Frau Scheider-Cimbal, Sie haben aus dem Vertrauen auf diese wunderbaren Werke Gottes Ihren Dienst getan und viel Energie darauf verwendet, andere einzuladen und in diese Erfahrung mithineinzunehmen. Ab heute lädt Sie der Vers vor allem selbst zur Freude und zum Genießen: „Kommt her und schaut!“ Freuen Sie sich an allem, was Gottes Schöpfung Ihnen zu bieten hat; freuen Sie sich an der neuen Freiheit, an der Zeit für Begegnungen, mit ihren Kindern, Freundinnen und Freunden. Ich wünsche Ihnen für diese neuen Wege Gottes Segen und in diesem Segen viele Begegnungen und Momente, in denen Sie erleben, wie wunderbar Gottes Werke sind.
Liebe Frau Schneider-Cimbal, wir verabschieden Sie mit großem Dank und mit der Bitte um den Segen des dreieinigen Gottes für Ihren weiteren Weg. Wir entpflichten Sie als Dekanin des Kirchenbezirks Konstanz. Sie bleiben als Ordinierte berufen zu predigen, zu taufen und die Feier des Abendmahls zu leiten. Aber Sie sind nun frei von den dienstlichen Pflichten ihres bisherigen Amtes.
Lasst uns beten:
Wir danken dir, Gott, dass du deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt hast. Mit der Taufe hat er uns einen Weg in das Leben geöffnet, einen Raum für vielfältige Begegnungen in deinem Geist der Freiheit und der Liebe.
Du sendest uns Menschen, die mit ihren Begabungen in deiner Kirche wirken. Wir danken dir für den Dienst von Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal und für den Segen, den du auf ihre Arbeit gelegt hast. Schenke ihr und den Menschen und Gemeinden im Bezirk Freude an allem, was gelungen ist. Wandle in Segen, was offengeblieben ist. Vergib uns, was wir einander schuldig geblieben sind.
Schenke Hiltrud Schneider-Cimbal Freude am Ruhestand und sende ihr Menschen, die mit ihr gehen auf den neuen Wegen, die vor ihr liegen. Segne sie und ihre Familie. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder in Zeit und Ewigkeit.
G: Amen
Gott komme gnädig auf dich zu und segne deinen Blick zurück. Gott begleite dich auf den Wegen, die vor dir liegen. So segne dich der barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.
