Landesbischof zu Jom Kippur
Brief des Landesbischofs Cornelius Bundschuh an die jüdischen Gemeinden
Anlässlich des Beginns des jüdischen neuen Jahres und mit Blick auf den großen Versöhnungstag Jom Kippur am 28. September 2020 wendet sich der Landesbischof in einem Schreiben an die jüdischen Gemeinden im Land.
Liebe Geschwister in den jüdischen Gemeinden in Baden,
zu Beginn des jüdischen neuen Jahres und wenige Tage vor dem Großen Versöhnungstag Jom Kippur denken wir mit Bangen zurück an den brutalen und unmenschlichen Überfall auf die Synagoge in Halle vor einem Jahr. Wir können uns vorstellen, dass Sie in diesem Jahr in den „ehrfurchtsvollen Tagen“ zwischen Rosch ha Schana und Jom Kippur Angst und große Sorge empfinden. Ein Jahr „danach“ sind auch wir immer noch entsetzt, was am letztjährigen Jom Kippur in Halle geschehen ist. Es hat uns einmal mehr gezeigt, wie fragil das Zusammenleben in unserem Land immer noch ist und welchen Gefahren sich gerade jüdische Menschen in ihren Gemeinden nach wie vor ausgesetzt sehen. Wir können angesichts der Gewalt und des Hasses gegen alles Jüdische nur noch einmal zum Ausdruck bringen: „Wir gehören zusammen und wir stehen zusammen gegen alle menschenverachtenden Kräfte!“
Wir sind als christliche Gemeinden betroffen und verletzt, wenn jüdisches Leben in unserem Land bedroht wird. Wir wollen und werden uns nicht damit abfinden, dass jüdische Menschen unter uns in Gefahr leben müssen. Gerade in diesen Tagen bekräftigen wir erneut unsere Freundschaft und Verbundenheit mit Ihnen.
So grüße ich Sie an Jom Kippur mit dem traditionellen Wunsch, der allem Bösen trotzig widersteht und unsere Hoffnung stärkt: gmar chatima tova – mögen wir im Buch des Lebens eingeschrieben sein zu einem guten Ende.
Mit den besten Wünschen und herzlichen Grüßen
Ihr
