Klaus Engelhardt
„Motor der kirchlichen Einheit“

Er war der erste EKD-Ratsvorsitzende aus Baden: Landesbischof Klaus Engelhardt (1980 bis 1998).
"Mit seiner ausgleichenden Art und seiner Fähigkeit zur Integration ist es ihm fast immer gelungen, konfliktreiche Situationen zu befrieden", sagte sein Nachfolger Ulrich Fischer mit Blick auf den Streit um den Bau der Daimler-Benz-Teststrecke zu Beginn von Engelhardts Amtszeit Anfang der 80er Jahre, wo es im damaligen Kirchenbezirk Boxberg zu nahezu bürgerkriegsähnlichen Zuständen gekommen war.
Zudem bewegten Engelhardt in den 80er Jahren Themen wie die Friedensfrage und Nachrüstung oder das Kirchenasyl. «Wir haben damals gute Erfahrungen mit dem Kirchenasyl gemacht,» sagte der Altbischof einmal. Er erinnere sich an harte Gespräche mit der Landesregierung über die Aufnahme von Flüchtlingen.
Als EKD-Ratsvorsitzender moderierte der Theologe in den 90er Jahren den Konflikt über die Militärseelsorge im wiedervereinigten Deutschland oder die Kontroverse über das Frauenforschungszentrum Gelnhausen. „Die Militärseelsorge, der Religionsunterricht sowie die Stasi-Belastung kirchlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“, benannte er die damals größten Streitpunkte zwischen Ost und West. Engelhardt bemühte sich, evangelische Christen in den alten und neuen Bundesländern zusammen zu bringen und wurde dafür als «Motor der kirchlichen Einheit zwischen Ost und West» gelobt. „Die Zeit war eine der spannendsten, die ich erlebt habe. Ich war beglückt darüber, wie der (EKD-)Rat in den sechs Jahren bis 1997 zusammengefunden hat“, erinnerte er sich.
Engelhardt, der aus einer badischen Pfarrersfamilie stammt, wurde am 11. Mai 1932 in Schillingstadt (Main-Tauber-Kreis) geboren. Er studierte Theologie in Göttingen, Basel und Heidelberg und promovierte 1960 beim Kirchenhistoriker Hans von Campenhausen zum Dr. theol. Nach seinem Vikariat im Schwarzwald arbeitete Engelhardt vier Jahre als Studentenpfarrer in Karlsruhe. Von 1966 bis 1980 lehrte er als Professor für Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg, deren Rektor er zeitweise war.
Im Oktober 1980 wählte ihn die Synode der Landeskirche zum Nachfolger des scheidenden Landesbischofs Hans-Wolfgang Heidland. Ab 1985 war der Theologe Mitglied im Rat der EKD, den er von 1991 bis 1997 als Vorsitzender leitete. In diese Zeit fiel das Zusammenwachsen der Kirchen in Ost- und Westdeutschland. 1998 trat Engelhardt in den Ruhestand.
Der Theologe, der heute in Karlsruhe lebt, ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Schwager ist der Schriftsteller und Jurist Bernhard Schlink.
