22.09.09) „Wir sind zum Gespräch geboren“, hat der aus dem badischen Bretten stammende Reformator Philipp Melanchthon einmal gesagt. Ihm war der Dialog sehr wichtig. Oft hat er seinen aufbrausenden Freund Martin Luther beschwichtigt, lieber das Gespräch zu suchen und mit den vermeintlichen Gegnern sachlich und lösungsorientiert zu streiten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1560 hatte sich Melanchthon dafür eingesetzt, einen gemeinsamen Weg zwischen der Kirche und der Reformationsbewegung zu finden.
Vorbild Melanchthon
Melanchthon sollte darin in diesen Tagen ein Vorbild bleiben. Statt den politischen Gegner zu diffamieren, sollten die Kandidierenden für den Bundestag sachlich miteinander ins Gespräch kommen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung, das Ringen um die beste Lösung. Doch sollten dabei nicht parteipolitische Ränkespiele, sondern die Vernunft die Oberhand behalten. Es gibt viele Probleme zu lösen. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, haben wir die Chance, den Weg aus der Krise zu finden. Natürlich werden am Ende Parteien und deren Kandidaten gewinnen. Aber meine Bitte an die Unterlegenen ist, die Regierungsparteien dann nicht mit Besserwisserei zu überschütten, sondern mit ihnen zusammen nach Lösungen für die anstehenden Probleme zu suchen.
"Ich halte es für die Pflicht der Bürger in einer Demokratie, ihr Recht zur Wahl auch auszuüben."
Dafür tragen wir alle Verantwortung, nicht nur die Politiker. Zum einen benötigt der Bundestag unsere Unterstützung dadurch, dass wir uns an der Wahl beteiligen. Ich halte es für die Pflicht der Bürger in einer Demokratie, ihr Recht zur Wahl auch auszuüben. Zum anderen sollten auch die Bürger über politische Fragen ins Gespräch kommen und sich mit den Kandidaten für den Bundestag austauschen. Häufig bieten für solche Diskussionsrunden die örtlichen Kirchengemeinden Plattformen. Meine Bitte ist: Nehmen Sie solche Angebote des Dialogs an, suchen Sie das Gespräch mit Politikern und anderen Bürgern. Und bringen Sie dabei die Fragen ein, die Sie persönlich bewegen.
"Es wäre schön, könnte der Wahlspruch Melanchthons auch den Wahlkampf 2009 prägen."
Melanchthon hat den Wert der Streitkultur deutlich hervorgehoben. Sein Bekenntnis zu Offenheit und Dialog hat eigene Positionen aber nie vermissen lassen. Im Gegenteil: Im Gespräch und im Austausch formten sich seine Gedanken und letztlich die Grundlagen der evangelischen Kirche.
Wir sind zum Gespräch geboren. Es wäre schön, könnte der Wahlspruch Melanchthons auch den Wahlkampf 2009 prägen.
Landesbischof Dr. Ulrich Fischer
Aus einer Kolumne im Offenburger Tageblatt
