Liebe Schwestern und Brüder, eine langjährige badische Tradition führen wir mit dem heutigen ökumenischen Gottesdienst anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen fort. Seit über 25 Jahren nun schon feiern der Erzbischof von Freiburg und der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden diesen Gottesdienst am Donnerstag vor dem Pfingstfest. Ganz herzlich begrüße ich Sie alle zu diesem Gottesdienst und besonders Erzbischof Robert Zollitsch, der uns die Predigt halten wird.
Wichtiges ökumenisches Zeichen
Mit diesem ökumenischen Gottesdienst setzen wir Jahr für Jahr in unserem badischen Land ein wichtiges ökumenisches Zeichen. Ein Zeichen gegen so manche ökumenischen Ermüdungserscheinungen, die nicht zu übersehen sind. Zwar freuen wir uns, dass inzwischen 71 Gemeinden eine ökumenische Partnerschaftsvereinbarung gemäß der Charta Oecumenica unterzeichnet und damit ihre ökumenischen Beziehungen langfristig auf eine tragfähige Basis gestellt haben, aber andererseits ist doch durch die Bildung größerer Seelsorgeeinheiten die Gestaltung von ökumenischen Gottesdiensten auf Gemeindeebene deutlich erschwert. Umso wichtiger ist es, dass wir immer wieder nicht nur zum ökumenischen Gedankenaustausch zusammenkommen und dabei die spezifischen Prägungen der jeweils anderen Konfession besser verstehen lernen, sondern dass wir auch im gemeinsamen Feiern des Gottesdienstes uns der tragenden Basis für ein intensiveres Miteinander vergewissern. Am kommenden Pfingstmontag wird dies an vielen Orten unserer Landeskirche und Diözese wieder der Fall sein, so wie heute hier in Ettlingen.
"Die Taufe ist der Ort, an dem von allen Kirchen anerkannt wird, dass die Zugehörigkeit zu Christus umfassender ist als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfessionskirche."
Hinsichtlich der Gestaltung solcher ökumenischer Gottesdienste wird es vor allem darauf ankommen, uns unserer Taufe zu vergewissern, die über alle konfessionellen Grenzen hinweg ein sakramentales Band der Einheit bildet. Mit der Taufe werden wir nicht auf Paulus, nicht auf Martin Luther, nicht auf den Papst und somit auch nicht auf eine bestimmte Konfession getauft, sondern auf den Namen des dreieinigen Gottes. Die Taufe ist der Ort, an dem von allen Kirchen anerkannt wird, dass die Zugehörigkeit zu Christus umfassender ist als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfessionskirche. Den Reichtum der Taufe neu schätzen lernen - darin liegt für mich eine der Kraftquellen für das weitere ökumenische Miteinander der Kirchen. Bei allen Irritationen, die wir im ökumenischen Miteinander in den letzten Jahren erlebt haben, im Blick auf das gemeinsame Verständnis der Taufe gibt es einen breiten, unumstößlichen Konsens.
Gemeinsame Aufgabe für die katholische Kirche und den Protestantismus
Daran möchte ich besonders erinnern in einer Zeit, in der wir als evangelische Kirche einen längeren Prozess der Vorbereitung auf das große Reformationsjubiläum im Jahr 2017 in Wittenberg begonnen haben. Mit einer so genannten Reformationsdekade werden wir in den Jahren 2008-2017 in allen Gliedkirchen der EKD jeweils spezifische inhaltliche Akzentsetzungen vornehmen. So etwa werden wir im kommenden Jahr, in dem wir des 450. Todestages von Philipp Melanchthon gedenken, das Thema „Reformation und Bildung“ in besonderer Weise akzentuieren. Ich freue mich, dass ich dieses Melanchthon- und Bildungsjahr am 31. Oktober gemeinsam mit Erzbischof Zollitsch mit einem ökumenischen Gottesdienst in Bretten eröffnen kann. Wir können nämlich eine Reformationsdekade oder auch ein Reformationsjubiläum nicht so begehen, dass wir Evangelischen uns selbst feiern. So sehr das zu betonen ist, was durch die Reformation an Neuem in der Gestaltung von Kirche und Gesellschaft möglich wurde, so sehr müssen wir uns immer wieder vergegenwärtigen, dass mit der Einführung der Reformation zugleich auch die Spaltung der europäischen Kirche begann. Diese zu überwinden bleibt eine gemeinsame Aufgabe für die katholische Kirche und den Protestantismus. Und so können wir eine solche Reformationsdekade nicht begehen, ohne uns des Schmerzes der Trennung unserer Konfessionen bewusst zu werden. Unter dieser Perspektive feiern wir auch diesen Gottesdienst in der Hoffnung, die der Prophet in anderem Zusammenhang so ausgesprochen hat, „damit sie eins werden in deiner Hand.“
In der Vergewisserung der uns durch die Taufe vorgegebenen Einheit und in der Hoffnung auf die Vollendung dieser Einheit feiern wir diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
