Amt der Versöhnung

Gottesdienst zur Einführung von Dekan Axel Ebert am 26. Oktober 2008 in Göbrichen

Ansprache von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer über 2. Kor 5,20

Liebe Gemeinde, lieber Herr Ebert,
würden wir Menschen befragen, in was für ein Amt Sie heute eingeführt werden, dann würden die Antworten ganz verschieden ausfallen: „Ein Leitungsamt der Kirche“, würden die einen sagen, die anderen vielleicht: „Ein Pfarramt.“ Manche würden fragen: „Was ist denn das – ein Dekan?“, andere würden meinen: „anspruchsvolles Amt.“ Was sage ich? Wir führen Sie heute ein in das Amt eines Botschafters und in ein Amt der Versöhnung. Wie das? Ja, wer die Einladung zur heutigen Einführung genau gelesen hat, der hat auch das Bibelwort lesen können, das auf der Einladungskarte stand, ein Wort aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth: „Wir sind Botschafter an Christi statt und bitten: Lasst euch versöhnen mit Gott!“

Das ist das Bibelwort, mit dem Sie einst zum Dienst als Pfarrer ordiniert wurden. Und seitdem ist Ihnen dies auf den Kopf zugesagt: Sie haben als Pfarrer ein Botschafteramt inne und ein Amt der Versöhnung. Um sogleich ein Missverständnis auszuschließen: Sie werden als Dekan des Kirchenbezirks Pforzheim-Land nicht Botschafter des Evangelischen Oberkirchenrats. Natürlich meine ich, dass es sinnvoll und gut ist, wenn ein Dekan auch jene Botschaften vermittelt, die die Kirchenleitung an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben will. Aber nicht als Botschafter der Kirchenleitung sind Sie berufen, sondern „als Botschafter an Christi statt“.

Hoher Anspruch

Das ist ein sehr hoher Anspruch. Alles, was Sie in Ihrem Amt tun und sagen, das sagen Sie nicht als Privatperson. Das sagen Sie nicht nur im Auftrag Ihrer Kirche. Das sagen Sie „an Christi statt“, also als Botschafter Christi. Als einer, der das Wort Christi weiterzusagen hat an die vielen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden der Kirche ebenso wie an die nichtkirchliche Öffentlichkeit, die in Ihnen das Gesicht der Kirche in dieser Region unserer Landeskirche sieht und aus Ihrem Mund hören will, was Auftrag der Kirche in der Nachfolge Christi ist. Als Pfarrer dieser Gemeinde und als Dekan dieses Kirchenbezirks
werden Sie im Namen Christi, Menschen Vergebung ihrer Sünden zusprechen
werden Sie Menschen, die am Ende sind, im Namen Christi trösten, indem Sie ihnen Gottes Wort verkündigen,
werden Sie im Namen Christi Menschen auf den Weg der Nachfolge rufen,
werden Sie im Namen Christi Menschen zum fröhlichen Glauben einladen.

Amt der Versöhnung

Vor allem aber werden Sie das Botschafteramt Christi so wahrnehmen, wie Paulus es versteht - als Amt der Versöhnung. Sie selbst wissen genau, was es bedeutet, versöhnt mit Gott leben zu dürfen. Aus der von Gott in Jesus Christus gestifteten Versöhnung schöpfen Sie Kraft für Ihren Dienst als Pfarrer und Dekan. Schöpfen Sie Kraft für Ihre Aufgaben als Familienvater und Ehemann. Schöpfen Sie Kraft für Ihr Leben als Christenmensch. Sie sind versöhnt mit Gott. Das ist Ihnen in der Taufe zugesagt und bezeugt worden. Das konnten Sie im Glauben für sich annehmen. Das erfahren Sie immer neu, wenn Sie das Abendmahl empfangen und selbst Gottes Wort hören. Als mit Gott Versöhnter haben Sie ein Amt der Versöhnung wahrzunehmen. Haben Sie in Ihrem Amt Gottes große Versöhnungstat in kleiner Münze auszuzahlen.

"Vielmehr darum, dass Versöhnung gelingt. Dass Gottes Versöhnung mit uns Menschen wirksam wird in der Versöhnung, die Menschen einander stiften."

Sie werden gewiss als Dekan mit manchen Konflikten in Gemeinden und im Bezirk konfrontiert werden. Nie wird es bei Konfliktschlichtung darum gehen dürfen, dass Sie als Dekan gut dastehen. Vielmehr darum, dass Versöhnung gelingt. Dass Gottes Versöhnung mit uns Menschen wirksam wird in der Versöhnung, die Menschen einander stiften. Versöhnung kann gelingen, indem Sie die Ihnen Anvertrauten daran erinnern, was Gott für Sie zu ihrer Versöhnung getan hat. Das kann im Gespräch unter vier Augen ebenso geschehen wie in der Moderation von Konflikten, im Verkündigungsdienst, den Sie in Gemeinden dieses Bezirks wahrnehmen werden, ebenso wie in der Seelsorge an den Ihnen Anbefohlenen. Dabei müssen Sie wissen: Zwangsmittel der Versöhnung stehen Ihnen nicht zur Verfügung. Oft werden Sie nur das tun können, was Paulus benennt: inständig um Versöhnung bitten. Natürlich ist solch ein Bitten nicht immer nur ein freundliches Zureden. Es kann auch die Form des Zurechtweisens und Mahnens annehmen. Aber immer ist solch ein Bitten angewiesen auf die Zustimmung des anderen, der sich versöhnen lassen will. Insofern ist das Dekansamt ein Amt ohne Macht, da es angewiesen ist darauf, dass Menschen das Wort der Versöhnung für sich gelten lassen. Zugleich aber ist das Dekansamt ein Amt mit großer Vollmacht, mit der Vollmacht des Redens an Christ statt, das Versöhnung wirkt, wo und wann Gott will. Gott schenke Ihnen in Ihrem Amt Kraft zum versöhnenden Wort, das zurecht bringt und heilt. Amen.