Sehr herzlich möchte ich die jüdischen Gemeinden in Baden wieder zu Rosch Haschana grüßen und Ihnen auch im Namen unserer Landeskirche ein gesegnetes neues Jahr wünschen.
Gerne denke ich zurück an die Woche der Brüderlichkeit, die wir im März in Mannheim unter dem Motto „Redet Wahrheit!“ eröffnet haben. Dieses Motto kann uns in jedem Jahr neu begleiten. Es spricht ein Grundthema menschlichen Lebens an, das sich in der Beziehung zu unseren Nächsten und zu Gott bewähren muss; das haben die Begegnungen und Veranstaltungen der Woche der Brüderlichkeit eindrucksvoll gezeigt. „Redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten“: Wo wir dies wagen, gibt es weniger Halbwahrheiten und Vorurteile. Da können wir einander von Angesicht zu Angesicht sagen, was uns auffällt und wo wir unsere Anfragen haben. Und unser Gegenüber hat die Möglichkeit, darauf zu reagieren und uns für manches die Augen zu öffnen.
Möge unser Miteinander in Baden von diesem Motto inspiriert bleiben, damit wir, mit dem Propheten Sacharja gesprochen, dazu beitragen, Frieden zu schaffen in unseren Toren. Mögen wir den Mut haben, in unseren christlich-jüdischen Glaubensgesprächen einander die jeweilige Wahrheit des Glaubens zuzumuten. Denn wenn wir wissen, wo wir selber stehen, dann sehen wir klarer, wo wir einander entgegenkommen können und wo Gemeinsamkeiten zu suchen sind. Mögen wir den Mut haben, die Wahrheit der Vergangenheit den Nachkommenden zu erzählen, damit wir neuen Vorurteilen, Intoleranz und Hass wehren. Und mögen wir die Kraft haben, die Wahrheit des jüdischen und christlichen Gottes für unser Leben und die Welt, für Gerechtigkeit in unserem Land und für die Bewahrung der Schöpfung fruchtbar zu machen.
In herzlicher Verbundenheit
Schana tova!
Landesbischof Dr. Ulrich Fischer,
Karlsruhe am 10.09.2007
