Neujahrs-Botschaft 2013: Die Schöpfung befreien – Sich jetzt der Verantwortung stellen (28.12.12)

Die Energiewende mit mutigen Entscheidungen retten - Neujahrs-Botschaft 2013 von Landesbischof Ulrich Fischer

Die Energiewende, die im Jahr 2011 in einem gesellschaftlichen Konsens ausgerufen wurde, steht auf der Kippe. Die Chance, dass bis 2015 ein Nachfolge-Abkommen zum Kyoto-Protokoll von der Welt-Staatengemeinschaft verabschiedet wird, ist gering. Zu stark sind die Partikularinteressen vieler Staaten. Die Welt gleitet willentlich in eine Klima-Katastrophe.

Deshalb braucht es in Deutschland mutige und langfristig tragende Entscheidungen auf allen Ebenen, die nicht im Klein-Klein der Legislaturen und Einzelinteressen zerrieben werden dürfen. Eine gelungene Energiewende wird zu einer nachhaltigen Wirtschaft führen, die Blaupause für andere Industrienationen sein kann und so maßgeblich zum Klimaschutz beiträgt. Gelingen wird dies nur, wenn wir alle dazu beitragen. Wir dürfen in Deutschland diese Chance zur Transformation nicht vergeben.

Schere zwischen Handeln und Wissen
Der Zusammenhang zwischen Wetterkatastrophen und Klimawandel ist inzwischen nachweisbar. Und dennoch geht die Schere zwischen Handeln und Wissen immer weiter auf. Leidtragende dieser Entwicklung sind jedoch weniger wir selbst als historische Mit-Verursacher, sondern vor allem die Entwicklungsländer. Dort wirkt sich der Klimawandel nicht nur unmittelbarer und schneller aus, zudem hat die Bevölkerung auch kaum die Möglichkeiten, sich vor den Folgen zu schützen.

"Es geht um nicht weniger, als einen neuen Lebensstil zu entwickeln, der unseren Enkeln die gleichen Chancen lässt, wie wir sie haben"

Wir müssen als Kirche immer wieder darauf aufmerksam machen, welchen Anteil wir im reichen Deutschland daran haben, wenn zum Beispiel unser hoher Fleischkonsum und unser Bedarf an Energiepflanzen den Anbau von Grundnahrungsmittel zurückdrängen. Es bleibt eine Wahrheit, die Verantwortung fängt bei jedem von uns an. Es geht um nicht weniger, als einen neuen Lebensstil zu entwickeln, der unseren Enkeln die gleichen Chancen lässt, wie wir sie haben. Es geht um eine Ethik des Genug, um ein Wirtschaften im Dienst des Lebens.

Wir sehen unser Engagement stets auch im weltweiten Zusammenhang und in der Verantwortung für die kommenden Generationen. Wir als Evangelische Landeskirche in Baden stehen zur Energiewende. Die weltweite Wachstumsspirale steigert den Energieverbrauch und die politischen Entscheidungsträger scheuen sich, mutig Rahmenbedingungen für ein Umschwenken zu einer echten „green economy“ zu definieren, die eine gerechte Teilhabe aller ermöglicht.

Die Schöpfung befreien
Wir haben weitreichende Entscheidungen getroffen, uns ambitionierte Einsparziele gesetzt und die Weichen für den Klimaschutz in der Kirche gestellt. Wir wollen 2013 nicht nachlassen, kritisch unser eigenes Handeln zu prüfen. Wir müssen aber auch unserer Stimme erheben gegenüber den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft, um mit aller Kraft dem Klimawandel zu begegnen und die Energiewende ein Erfolgsmodell werden zu lassen.

Es geht nicht mehr darum, die Schöpfung zu bewahren, sondern sie zu befreien.

Landesbischof Ulrich Fischer