Diese von Brot für die Welt initiierte und durchgeführte Reise verfolgte den Zweck, Folgen des Klimawandels in Bangladesch, einem der ärmsten und gefährdetsten Länder der Welt, zu erkunden sowie Möglichkeiten der Prävention und Hilfe für die von den Folgen des Klimawandels bedrohten Menschen kennen zu lernen.
Bangladesch ist mit einer Fläche von 144.000 km² und 158,5 Millionen Einwohnern - mit Ausnahme der Stadtstaaten - das Land mit der dichtesten Besiedlungsdichte auf der Welt. Zum Vergleich: auf einer Fläche von 377.000 km² leben in der Bundesrepublik ca. 80 Millionen Menschen. Also hat Bangladesch mit über 1000 Personen pro km² eine etwa 4mal so große Bevölkerungsdichte wie die Bundesrepublik Deutschland. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung des Landes beträgt 743 km, die größte Ost-West-Ausdehnung 461 km. Bangladesch liegt im Delta der drei großen Flüsse Ganges, Brahmaputra und Meghna. Ein Geflecht von 240 Flüssen und Nebenflüssen mit einer Gesamtlänge von über 24.000 km durchzieht das Land. 30% Prozent des Landes liegen unter 10 Meter über dem Meeresspiegel, 30 – 80 % des Landes werden alljährlich durch den Monsun mit wertvollem Naturdünger überschwemmt.
Ziel der Reise sind die Sundarbans, ein Sumpfwaldgebiet im Süden Bangladeschs mit einer bis zu 300 km breiten, inselreichen Seichtwasserküste. In den Sundarbans liegen die größten Mangrovenwälder der Erde. Sie stehen in einem tiefgelegenen Mündungs- und Überschwemmungsgebiet von 4 großen Flüssen und umfassen ein Gebiet von etwa 10.000 km². Die Sundarbans, die einem ständigen Gezeitenwechsel unterliegen, bilden für das Binnenland einen natürlichen Schutzwald gegen die regelmäßig vom Süden heranziehenden tropischen Zyklone.
Seit den 70er Jahren wurden Tausende von Hektar Mangrovenwälder gerodet, um Platz für Shrimp-Farmen zu machen mit enormen sozialen und ökologischen Folgen für die Bewohnerschaft. Aufgrund der klimatischen Bedingungen der ständig wechselnden Landschaft sind die Sundarbans für die menschliche Besiedlung sehr unwirtlich und die Bedrohung durch tropische Krankheiten ist hoch. Dennoch gibt es zahlreiche lokale Siedlungen und Dörfer, deren Bewohner sich überwiegend von Fisch- und Garnelen-Fang sowie vom Honigsammeln ernähren. Die Sundarbans werden für 3 Tage den Schwerpunkt der Reise bilden.
Ankunft und erster Tag
Ich selbst starte am Sonntag, dem 4. März um 20:15 Uhr am Frankfurter Flughafen. Der größte Teil der Gruppe ist bereits am Nachmittag geflogen. Nach einem Zwischenhalt in Dubai erreiche ich am Montag, dem 5. März um 15:10 Uhr Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, und treffe gegen 17:15 Uhr im Hotel ein. Dort treffe ich auf die Reisegruppe, die sich folgendermaßen zusammensetzt: Neben der Direktorin von Brot für die Welt, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, und drei weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Brot für die Welt nimmt der Meteorologe Sven Plöger, die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler (SPD) und der persönliche Referent des Bundestagsabgeordnete Hermann Ott (Bündnis 90/Die Grünen) teil, ferner Journalisten und Fotografen der Süddeutschen Zeitung, des Südwestrundfunks und des Evangelischen Pressedienstes, ein Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in Dhaka und eine junge Russin. Mit dieser Zusammensetzung der Reisegruppe soll gewährleistet werden, dass die Folgen des Klimawandels und die entwicklungspolitischen Maßnahmen von Brot für die Welt zur Bekämpfung dieser Folgen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Zu viel Wasser zur falschen Zeit
Das Meeting am ersten Abend in der Hauptstadt Dhaka dient dem Vertrautwerden mit einem der wichtigen Partner von Brot für die Welt, der CCDB (Christian Commission for the Development of Bangladesh) und einer Einführung in die Problemlagen des Landes. Hierzu führt Herr Professor Atiq Rahman ein, und er resümiert, dass Bangladesch ein vielfältiges Wasserproblem hat: Zu viel Wasser zu Zeiten der Zyklone, Wasser zur falschen Zeit durch Veränderung der Monsunzeiten, zu wenig Wasser in Zeiten der Trockenheit und zunehmende Versalzung von Wasser in Folge des Nichtablaufens des Flusswassers in das Meer. Er erläutert, dass Bangladesch umfangreiche nationale Programme zur Bewältigung dieser Wasserprobleme entwickelt hat, unter anderem den Anbau von salzresistentem Reis und die Entwicklung eines flutsicheren Hausbaus im Ganges-Delta. In meiner Tischrunde sitzen noch Vertreter anderer Entwicklungshilfsorganisationen; so erläutert ein Mitarbeiter der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), dass ein großer Erfolg die Vermarktung von kleinen Solarmodulen für Privathaushalte darstellt. Diese Module, die etwa 200 Euro kosten, werden in China oder Japan gefertigt, in Bangladesch montiert, und ihre Finanzierung erfolgt in einem Leasingverfahren, in das unter anderem die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) involviert ist. Weiterhin sei in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit wichtig die Entwicklung von nicht gesundheitsschädlichen Herden, die einerseits weniger Abgase produzieren, andererseits mit einem geringerem Holzverbrauch effizienter heizen.



