Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde, liebe Tauffamilie Köpp-Linsel!
„Gott liebt diese Welt“ - so haben wir eben vor der Taufe des kleinen Josias gesungen. Damit haben wir unseren Glauben bekannt. „Gott liebt diese Welt“ - kürzer kann der zentrale Inhalt unseres christlichen Glaubens nicht ausgesprochen werden. „Gott liebt diese Welt“ - das glauben wir und davon haben wir anderen zu erzählen.
„Gott liebt diese Welt“. Wir können davon erzählen, wie wir diese Liebe Gottes erfahren, wenn wir die Schönheit seiner Schöpfung wahrnehmen. Wenn wir uns morgens wecken lassen von den Strahlen der Sonne. Wenn wir dankbar sind für neues Leben, das uns geschenkt wird.
„Gott liebt diese Welt“. Wir können davon erzählen, wie Gott sein geliebtes Volk einst befreit hat aus der Knechtschaft in Ägypten, begleitet hat in Feuerschein und Wolke auf dem Weg durch die Wüste. Wie er immer wieder seinem Volk Erfahrungen der Freiheit schenkt, wie auch unserem Volk im Jahr 1989.
„Gott liebt diese Welt“. Wir können davon erzählen, dass Gott diese Welt nicht sich selbst überlassen hat. Dass er ihre Dunkelheiten erhellt hat, indem er Jesus Christus in diese Welt sandte, um Armen das Evangelium zu verkündigen, Gefangene frei zu machen und Zerschlagenen eine neue Zukunft zu eröffnen.
„Gott liebt diese Welt“. Wir können davon erzählen, dass er durch das Sterben und Auferstehen Christi unserem Leben eine neue Zukunft in seinem Reich eröffnet hat. Er hat uns in seiner Liebe neue Hoffnung geschenkt und dieser Welt neues Leben in der Perspektive auf seine Ewigkeit.
„Gott liebt diese Welt“. Wir können davon erzählen, dass Gott mit seiner Liebe noch nicht am Ende ist. Dass er wiederkommen wird, um zurecht zu bringen, was in dieser Welt und in meinem Leben in Unordnung geraten ist.
„Gott liebt diese Welt“. Mit diesen Worten können wir unseren Glauben bekennen, können wir von Gottes Liebe singen und erzählen. Dabei dürfen wir wissen: „Wir sind sein eigen.“ Und dabei werden wir daran erinnert, dass uns dieses Wissen verpflichtet, allen glaubend zu bezeugen: „Gott liebt diese Welt.“
Die Liebe - wichtigste Lernschule des Glaubens
Liebe Gemeinde, wenn wir darüber nachdenken, wie wir unseren christlichen Glauben an die nachwachsenden Generationen weitergeben können, dann ist es ganz gewiss wichtig auch die Inhalte dieses Glaubens zu benennen, die sich Kinder und Jugendliche lernend aneignen sollten. Die wichtigste Lernschule des Glaubens aber ist die Liebe. Gottes Liebe wahrnehmen - im Geschenk seiner Schöpfung, in den Wohltaten, die er uns in Jesus Christus erwiesen hat und in der Gemeinschaft jener, die sich durch Gottes Heiligen Geist von seiner Liebe haben anstecken lassen, - darauf kommt es vor allem an bei der Weitergabe des Glaubens. Wunderbar hat dies der Verfasser des 1. Johannesbriefes zum Ausdruck gebracht, wenn er im 4. Kapitel seines Briefes schreibt:
„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie Jesus so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“
Alles beginnt damit, dass wir uns Gottes Liebe auf den Kopf zusagen lassen. Sonntag für Sonntag in unseren Gottesdiensten. Tag für Tag im Alltag der Welt: Gott liebt uns. Er hat Sehnsucht nach uns Menschen. Er will nicht für sich sein. Er begehrt uns - wie ein Liebhaber seine Frau. Er liebt uns zuerst, ehe wir seine Liebe erwidern können. Das wird uns verkündigt. Aber nicht nur das: Das können wir in unseren Gottesdiensten auch sehen, spüren, fühlen. In den Sakramenten des Abendmahls und der Taufe. Im Abendmahl schmecken wir die Liebe Gottes in der Gabe von Brot und Wein. In der Taufe ergießt Gott seine Liebe mit dem Zeichen des Wassers über den Täufling. Durch die Taufe eines kleinen Kindes werden wir an Gottes Liebe zu uns erinnert und zugleich an unseren Auftrag, Zeuginnen und Zeugen seiner Liebe in der Welt zu sein. So erwächst aus der Botschaft von Gottes Liebe der Auftrag, diese Liebe im Alltag zu bewähren. Aus der Erfahrung mit der Liebe Gottes erwächst der Auftrag, Menschen diese Liebe in Wort und Tat zu bezeugen. Genau das ist dann auch der Auftrag an Eltern und Paten, den wir vorhin mit den Worten Lothar Zenettis gehört haben: „Segne dieses Kind und hilf uns ihm zu helfen, dass es lieben lernt mit seinem ganzen Herzen.“ Erziehung zur Liebesfähigkeit, das ist zuerst und zuletzt Erziehung zum Glauben an den Gott, der uns zuerst geliebt hat, ehe wir ihm mit unserer Liebe antworten können.
Gottes Geliebte
Angesteckt werden von der Liebe Gottes, das bleibt in unserem Leben nicht ohne Wirkung: Wer sich geliebt weiß, möchte gern beim Geliebten bleiben. Bleiben bei Gott, das gibt unserem Leben Stabilität. Das schenkt Selbstbewusstsein: das Selbstbewusstsein des um seinen Wert wissenden Menschen. Wenn wir als von Gott Geliebte bei und in ihm bleiben, dann bleiben wir in seiner Liebe. Und damit werden wir dem Bilde Jesu ähnlich, der ganz aus der Liebe Gottes lebte, ja, der selbst die Liebe war. Und wie in einer Liebesbeziehung zwischen Menschen die Furcht voreinander immer mehr schwindet, je intensiver die Liebe zueinander wird, desto mehr kommt auch unsere Liebe zu Gott zur Vollendung, indem jede Furcht schwindet. Leben in der Liebe Gottes macht frei zu einem furchtlosen Leben. Wenn ich mich geliebt weiß, unbezweifelbar geliebt weiß, wenn ich glauben kann, dass Gott mich liebt, dann überwinde ich die Furcht. Indem ich in Gottes Liebe bleibe und Gott in mir, hat die Furcht keinen Raum mehr in meinem Herzen. Weder die Furcht vor Gott, noch die Furcht vor Menschen noch die Furcht vor der Zukunft. Auch vor Gottes Gericht über mein Leben muss ich mich nicht fürchten, denn ich weiß: In diesem Gericht wird er mich mit Augen der Liebe anschauen.
Furcht durch Liebe überwinden
Furcht ist nicht das letzte Wort, sondern Gottes liebendes „Fürchte dich nicht.“ Gesprochen hinein in die Dunkelheiten meines Lebens. Gesprochen zu den furchtsamen Hirten auf den dunklen Feldern von Bethlehem. Gesprochen zu den Frauen am Grab, die das Bild vom Kreuz von Golgatha in Schmerz erstarren ließ. Gesprochen zu unzähligen Glaubenszeugen und -zeuginnen, die für ihren Glauben einstanden bis in den Tod. Gesprochen zu vielen, vielen Menschen, die sich große Sorge machen mussten angesichts schweren Leids oder einer unheilbaren Krankheit. Um unsere Furcht zu überwinden, ist es wichtig, dass wir uns einlassen auf die Gemeinschaft der Glaubenden in der Kirche, die von der in Jesus Christus erwiesenen Liebe Gottes erzählen und diese Liebe Gottes durch ihr eigenes Leben bezeugen. Ihr Zeugnis ist es, das unserem Bekenntnis Grundlage und Halt bietet. Begründen können und müssen wir unser Bekenntnis „Gott ist die Liebe“ nicht vorrangig mit unseren eigenen Erfahrungen. Wohl aber können wir mit der Liebe Gottes Erfahrungen machen, wenn wir uns auf die vielen Glaubenserfahrungen von Menschen vor uns und um uns herum einlassen. Dann werden wir ermutigt Gottes „Fürchte dich nicht“ auch für uns gelten zu lassen, wenn wir wieder einmal zweifeln an Gottes Liebe angesichts all dessen, was uns in dieser Welt Furcht einflößt. „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ Von Gott geliebte Menschen können furchtlos leben, denn sie wissen um die Verlässlichkeit der Liebe Gottes, die sie hält auch über den Abgründen des Lebens.
Spüren andere uns ab, dass die Kraftquelle unseres Lebens die Liebe Gottes ist? Darauf kommt es vor allem an bei der Weitergabe des Glaubens an kommende Generationen. Angesteckt von der Liebe Gottes können wir bleiben in der Liebe Gottes. Dadurch erhält unser Leben eine Ausrichtung, die ausstrahlt. Und damit bleibt unser Bekenntnis zu Gott, der die Liebe ist, kein Lippenbekenntnis. Es bekommt eine Bodenhaftung in unserem Tun. Aus unserem Bekenntnis zum liebenden Gott ergibt sich unser Tun der Liebe. Die uns in der Taufe zugesagte Gottesliebe leitet uns an zur Liebe zum nahen und fernen Nächsten. Denn „dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Davon lasst uns singen. Amen.
