Liebe Gemeinde auf der Landesgartenschau,
was muss das für eine tolle Predigt gewesen sein, die Petrus an jenem ersten Pfingstfest in Jerusalem gehalten hat! Nach dieser Predigt – so vermerkt der Chronist Lukas – hätten sich mehr als 3000 Menschen taufen lassen. Na, diese Erwartung habe ich heute Morgen nicht, zumal wir das heikle ökumenische Problem zu klären hätten, in welche christliche Kirche hinein diese Taufe vollzogen werden sollte. Nein, 3000 sind wir nicht bei diesem Gottesdienst auf der Landesgartenschau, und die allermeisten von Ihnen dürften bereits getauft sein. Also: Die Erwartungen an eine pfingstliche Predigt auf diesem kirchlichen Pavillon bei der Landesgartenschau 2010 sollten realistisch bleiben.
In aller Öffentlichkeit
Aber Erwartungen sollten Sie alle dennoch haben. Und eine pfingstliche Predigt an diesem Ort sollte auch einige dieser Erwartungen erfüllen. Sind wir doch als Kirchen in unserem ökumenischen Miteinander frisch gestärkt durch die gemeinsamen Erfahrungen beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München. Und tut uns doch eine solche ökumenische Stärkung gut in Zeiten, in denen der Wind den Kirchen sehr rau ins Gesicht bläst. Sie, die Sie heute Morgen hierher gekommen sind, haben Erwartungen an Ihre Kirchen hier in Baden-Württemberg, die in einer großartigen Zusammenarbeit der ACKs von Villingen und Schwenningen über Konfessions- und Kirchengrenzen hinweg Präsenz auf dieser Landesgartenschau zeigen. Wir tun dies genau mit der Absicht, mit der einst der Apostel Petrus seine Predigt am ersten Pfingstfest der Christenheit gehalten hat: Wir tun es, weil wir an diesem Ort Menschen auf Jesus Christus hin ansprechen wollen. Menschen, die diese Landesgartenschau aufsuchen, sollen beim Besuch dieses Pavillons erleben: Das Zeugnis von Jesus Christus ist eine Sache von öffentlichem Interesse. Es hat seinen Platz nicht nur in unseren Kirchen. Es gehört auf die Straßen und Plätze dieser Welt. Es gehört an jene Orte, wo Menschen dieses Zeugnis nicht unbedingt erwarten. Petrus hat seine Pfingstpredigt ja nicht in einem geschlossenen Raum vor seinen Mitaposteln gehalten. Nein: Er wendet sich mit seiner Predigt an die „Männer von Israel“ und ganz ausdrücklich betont er: „Ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden.“ Höchst beeindruckend, wie er sich mit seiner Predigt an die Öffentlichkeit wendet. Damit macht er klar, dass jede christliche Predigt einen missionarischen, einen Öffentlichkeitsanspruch hat. Predigt ist öffentliche Rede. Sie soll darauf angelegt sein, dass sie Menschen erreicht, die bisher noch nichts von Jesus Christus gehört haben. So lasse ich mich von Petrus ermutigen, das Predigen als ein freimütiges Reden neu ernst zu nehmen an diesem Ort.
Volkstümliche Predigt
Aber wie sollen wir an öffentlichen Plätzen predigend reden? Von Petrus jedenfalls lerne ich, dass Predigten nicht dazu da sind, die vor Augen liegenden Ereignisse dieser Welt zum xten Male zu kommentieren. Eine Predigt auf der Landesgartenschau bietet die Chance, den Blick zu öffnen für die verborgenen Geheimnisse des Glaubens. Menschen, die sich hier in der Natur ergehen wollen, kann geholfen werden, ein wenig „hinter die Dinge zu schauen“ Petrus macht uns das vor. Er hält eine ganz schlichte Predigt über Jesus Christus, indem er von ihm erzählt. Eine richtig volkstümliche Predigt: Jesus wird als ein großer Wundertäter dargestellt, als ein leidender Gerechter, der verworfen wurde. Und zugleich wird er als der Herr des Lebens und als der Christus verkündigt, zu dem ihn Gott durch die Auferweckung von den Toten, durch seine Erhöhung in der Himmelfahrt und durch den Empfang des Heiligen Geistes gemacht hat. Genau das, liebe Gemeinde, will ich Ihnen an diesem Pfingstmontag verkündigen. Davon will ich predigend Zeugnis ablegen. Ich will Ihnen Jesus Christus als meinen, als unseren Herrn bezeugen. Ich will Ihnen versichern: Dieser Jesus Christus hat höchste Bedeutung für unser Leben. Er, den Gott zum Leben erweckt hat, er ist der Herr unseres Lebens. Als der Lebendige und Auferstandene stärkt er uns durch seinen Geist.
"Und wir wissen ganz genau: Erst wenn uns ein Stich durchs Herz geht, hat es die Kraft, in unserem Leben Veränderungen in Gang zu setzen."
„Als sie aber das hörten, ging‘s ihnen durchs Herz.“ Die Predigt des Petrus wurde von den Menschen nicht nur gehört, sondern diese Predigt traf sie ins Herz. Genauer, sie verursachte in ihren Herzen quälende Schmerzen, Herzstiche. Das kennen wir: Wenn uns jemand ein Wort sagt, das uns ganz persönlich trifft, dann geht es uns wie ein Stich durchs Herz. Und wir wissen ganz genau: Erst wenn uns ein Stich durchs Herz geht, hat es die Kraft, in unserem Leben Veränderungen in Gang zu setzen. Petrus hat offensichtlich seine Hörerinnen und Hörer so persönlich getroffen, dass sie einen quälenden Stich im Herzen spürten. Was nützt unser ganzes Predigen, wenn es nicht zum Herzen vordringt? Nur dann kann es Wirkung entfalten wie jene Pfingstpredigt des Petrus, die 3000 Menschen zur Umkehr trieb. In der Taufe eigneten sich diese Menschen an, was sie zuvor gehört hatten: Jesus Christus wurde für sie zum Herrn des Lebens.
Aber hier muss ich ein gewichtiges pfingstliches „Aber“ einfügen: Genau das gehört zum Geheimnis des Heiligen Geistes, dass es nicht in unserer Hand liegt, das Herz der Menschen zu erreichen. Wo Betroffenheit durch eine Predigt ausgelöst wird, da wirkt Gottes Heiliger Geist. Aber trotzdem muss ich mich fragen, ob ich beim Predigen diesem Heiligen Geist nicht zu oft im Wege stehe durch Gejammer oder auch durch geistloses Gerede. Wie viele Predigten haben Sie schon gehört, die Ihre Ohren gehört, die aber Ihr Herz nicht erreicht haben? Bin ich als Predigender offen, Gottes Geist durch mich wirken zu lassen? Und sind Sie als Hörende wirklich offen genug für Gottes Wirken an Ihnen? Weil Petrus offen war, war das Wunder von Pfingsten möglich. Und so schließe ich meine Pfingstpredigt in der getrosten Gewissheit, dass auch durch diese Predigt der Heilige Geist so wirken kann, dass es Ihnen ins Herz geht. Kräftige Herzstiche wünsche ich Ihnen. Amen.
