"Wir lassen uns nicht trennen!"

- 21.12.2023 - 

Erstes gemeinsames Treffen der Leitungsebene von Israelitischer Religionsgemeinschaft Baden, Evangelischer Landeskirche in Baden und Erzdiözese Freiburg

Gruppenfoto mit Oberratsvorsitzendem Rami Suliman, Landesbischöfin Heike Springhart, Landesrabbiner Moshe Flomenmann und Erzbischof Stephan Burger
von links nach rechts: Oberratsvorsitzender Rami Suliman, Landesbischöfin Heike Springhart, Landesrabbiner Moshe Flomenmann und Erzbischof Stephan Burger
Pforzheim, (21.12.2023). Am 20.12. fand in der Israelitischen Kultusgemeinde Pforzheim ein erstes gemeinsames Gespräch zwischen Landesbischöfin Heike Springhart, Landesrabbiner Moshe Flomenmann, Oberratsvorsitzendem Rami Suliman und Erzbischof Stephan Burger statt.  Inhaltlich wurde zunächst die gegenwärtige Situation der Jüdischen Gemeinden in Baden angesichts rapide ansteigender antisemitischer Übergriffe in Deutschland nach den terroristischen Attacken der Hamas thematisiert.
 
Landesrabbiner Flomenmann gab einen Einblick in die Ängste und Sorgen vieler Gemeindemitglieder, von Eltern und Kinder ins Wort: „Uns geht es darum, die Sorgen der Juden in Deutschland mit Blick auf die antisemitischen Parolen, die Jüdinnen und Juden in Deutschland stark verängstigen, deutlich zu machen. Wir fühlen uns gerade nicht sicher. Es gibt viele Eltern, die ihre Kinder aus Angst nicht zum jüdischen Religionsunterricht schicken."
Gerade die christlichen Kirchen in Baden sehen aufgrund dieser faktischen Einschränkung der Religionsfreiheit und der antisemitischen Hetze ihren Platz an der Seite der jüdischen Menschen in Deutschland. Erzbischof Stephan betonte: „Wer jüdisches Leben in Deutschland angreift, greift auch uns Christinnen und Christen an. Diesem Hass, dieser Ausgrenzung stellen wir uns entschieden entgegen."

Das Gespräch diente vor allem auch dazu, die gemeinsamen Schritte im interreligiösen Gespräch zu vertiefen und Veranstaltungen im neuen Jahr zu planen. Es wurde grundsätzlich über die Bedeutung des gegenseitigen Vertrauens gesprochen. „Dieser Dialog erfolgt auf Augenhöhe. Es geht uns nicht um eine Vereinnahmung, sondern eine Zusammenarbeit, ohne die Unterschiede zu verschweigen", führte Landesbischöfin Heike Springhart aus. „Das bedeutet auch, Kritik äußern zu dürfen. Aber letztlich geht es uns darum, dass sich alle Menschen, egal welcher Religion sie angehören, in Deutschland sicher fühlen. Dafür brauchen wir den Austausch, die gegenseitige Solidarität und das Vertrauen", ergänzte Rami Suliman.
 
(Dr. Mark Mudrak, www.ebfr.de)