Am 3. Advent habe ich mir am Karlsruher Hauptbahnhof das Friedenslicht geholt. Wie in jedem Jahr haben die Pfadfinderinnen und Pfadfinder es in Bethlehem entzündet und es gut gehütet nach Deutschland und Europa gebracht.
Das Licht aus Bethlehem und die sorgsam weitergegebene Flamme zieht eine Spur des Friedens direkt aus Bethlehem über die Welt. Dass ausgerechnet in Bethlehem der Erlöser der Welt, der Friedensbringer, Jesus Christus zur Welt kam, das berührt mich in diesem Jahr besonders.
In den letzten Monaten nach dem Terrorangriff auf Israel und dem darauf entfesselten Krieg denke ich mit Sorge an die Menschen in Bethlehem, in Jerusalem, in Tel Aviv und in Gaza. Weder lieblich noch prächtig geht es dort in diesen Tagen zu.
In der Weihnachtskirche in Bethlehem – direkt neben der Geburtskirche Jesu – hat der Pfarrer eine besondere Krippe aufgebaut. Ein Haufen Trümmersteine, auf denen am Rand Holzfiguren stehen. In der Mitte liegt das Jesuskind, schutzlos zwischen den Trümmern. Es erinnert an all die Kinder und Erwachsenen, die unter den Trümmern des Krieges verschüttet sind, an so vielen Orten der Welt. Wo vor mehr als 2000 Jahren Jesus zur Welt kam, liegt heute die Welt und das Leben von unzähligen Menschen in Trümmern.
Ausgerechnet aus Bethlehem kommt das Licht der Welt. Der Friedensbringer. Dass es die kleine Stadt Bethlehem war, aus der der Retter der Welt kommt – darüber haben schon die Menschen in biblischen Zeiten gestaunt.
Doch für mich ist das ein besonderes Zeichen: Gott kommt dort zur Welt, wo die Welt in Trümmern liegt, wo es kalt und zugig ist. Das Friedenslicht kommt aus den Trümmern, es scheint in die Nächte, in denen Sirenen heulen und die Sorge den Schlaf raubt.
Weihnachten nährt die Hoffnung, dass ein Friedensstrahl auch dorthin leuchtet, wo es dunkel ist, auch bei uns: in verzweifelte und enttäuschte Herzen, in einsame Wohnungen, in zerrüttete Beziehungen. Das Licht des Friedens ist eine leise flackernde Flamme, zerbrechlich und schutzbedürftig. Die Verheißung und die Hoffnung dieses Weihnachtsfestes ist es, dass sich das Licht des Friedens nicht von den Trümmern begraben lässt.
Hüten wir das Licht – und bleiben wir beharrlich beim Beten und bei unserem Einsatz für den Frieden. Stimmen wir mit den Engeln wie beim allerersten Weihnachtsfest ein: Friede auf Erden!
