Gott, Glauben und Gemeinschaft – Konfi-Arbeit im Wandel

vier junge Menschen von hinten, halten sich an den Schultern

Taufe & Konfirmation & Hochzeit & Beerdigung

Über den Glauben spricht man nicht. Schon gar nicht als Teenager. Oder doch? Auf der Suche nach dem, was dem Leben Sinn gibt und auch in schweren Momenten trägt, bietet die Konfi-Arbeit viele Möglichkeiten. 

Im Mai wird in vielen Gemeinden Konfirmation gefeiert. Der Segnung im Gottesdienst und dem Fest geht eine besondere Zeit voraus. Die hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher nannte man diese Vorbereitungszeit „Konfirmationsunterricht“. Heute spricht man von „Konfi-Arbeit“. Ging es früher vor allem um das Lernen von Texten, über die dann auch geredet wurde, geht es heute darum, an die drängenden Fragen von Jugendlichen anzuknüpfen und diese miteinander zu beantworten. Warum bin ich auf der Welt? Gibt es Gott? Wie kann ich ihn erleben? Wo kommen wir her? Wie ist das Verhältnis von Glauben und Naturwissenschaft? 
 
„Wichtig ist, dass die Konfis hier ihre ganz eigenen Fragen einbringen können und keine Pauschalsätze erhalten. Dass wir ihnen Deutungsangebote machen und sie ermutigen, eigene Antworten zu finden“, erklärt Ekkehard Stier. Er ist der Beauftragte der Evangelischen Landeskirche in Baden für die Konfi-Arbeit. Ekkehard Stier erlebt, dass die Jugendlichen heute ganz andere Gründe haben, sich konfirmieren zu lassen, als noch vor zwanzig Jahren. „Meine Konfi-Gruppen in den letzten Jahren waren wirklich motiviert. Die Jugendlichen haben Lust, mitzudenken und die Gemeinschaft und die Konfi-Freizeit mitzuerleben; die wenigsten kommen, weil sie müssen oder weil sie sich große Geldgeschenke zur Konfirmation erhoffen. Die Arbeit mit ihnen macht viel Spaß.“  
 
Konfi-Gruppe bildet Peace-Zeichen, von oben fotografiert
Konfi-Gruppe bildet Peace-Zeichen
Konfi-Freizeiten, gemeinsame Radtouren und Ausflüge, Gruppenspiele, Projektarbeiten und Jugendgottesdienste sorgen dafür, dass Teenager heute die Konfi-Zeit als abwechslungsreich und gewinnbringend erleben können. Und das gilt nicht nur für die Jugendlichen. Ekkehard Stier weiß: „Auch für Eltern ist die Konfirmation eine wichtige Lebensphase. Meist ist es ein letztes großes Fest, das sie für ihre Kinder gestalten. Die Kinder nabeln sich in der Pubertät ab, dadurch verändert sich auch für sie viel. Mir ist es wichtig, dass auch Eltern und deren Begleitung in dieser Zeit im Blick behalten werden.“
 
Ein wichtiger positiver Aspekt ist nach wie vor das Gemeinschaftsgefühl, das in einer Konfi-Gruppe im Laufe der Zeit entsteht – gerade auch nach der Pandemie, in der viele sozialen Bezüge weggebrochen sind. Wichtig sei aber auch, dass Jugendliche die Wahl haben zwischen verschiedenen Formen und Zeiten von Konfi-Arbeit, so Stier. Neben der klassischen wöchentlichen Konfi-Arbeit am Mittwochnachmittag, gibt es z.B. auch monatliche Angebote, meist samstags, und inzwischen auch einige kompakte Konfi-Camps, die in den Ferien stattfinden. Damit Konfis das für sie passende Angebot wählen können, arbeiten Gemeinden daher immer mehr über die Gemeindegrenzen hinweg zusammen.
 
„Man kann heute nicht mehr davon ausgehen, dass die Konfis sowieso kommen. Heute müssen wir fragen, warum Jugendlichen die Konfirmation wichtig ist und auf ihre vielfältigen Lebenswirklichkeiten eingehen“, erklärte Ekkehard Stier. „Die Gesellschaft ist im Wandel, Anlässe zum Feiern kann man auch ohne Konfirmation finden. Aber Konfirmation ist nach wie vor eine Marke, die für etwas steht.“
 
  

Pfarrer Ekkehard Stier

Landeskirchlicher Beauftragter für Konfirmandenarbeit (RPI)