Gurus und Sekten – Wie die Fachstelle für Weltanschauungsfragen hilft

Mann mit ausgebreiteten Armen im Abendlicht

Lebensfragen & Lebensformen

In Zeiten von Klimawandel, Corona-Pandemie, Kriegen und gesellschaftlichen Umbrüchen, sind viele Menschen verunsichert. Manch eine*n führt die Suche nach Sicherheit und Halt direkt in die Arme eines Gurus oder einer heilsversprechenden Gemeinschaft. Was tun, wenn sich das eigene Kind einer Sekte anschließt? Die Fachstelle für Weltanschauungsfragen hilft weiter. 

Rund 400 Anfragen erhalten Sandra Kemp und ihr Kollege Pfarrer Dr. Gernot Meier in der Fachstelle für Weltanschauungen pro Jahr – von Privatpersonen, von Presse oder Regierungsstellen und von Kolleginnen und Kollegen. „Viele Anfragen kommen von Menschen, die sich um Freunde oder Familienmitglieder sorgen, die unter den Einfluss einer Gemeinschaft oder Sekte geraten sind“ sagt Sandra Kemp. „Hier können wir beraten und Tipps geben, wie man sich dem oder der Betreffenden eventuell wieder annähern, was man sagen – oder was man besser nicht sagen soll“. 
Auf Konfrontationskurs zu gehen, sei beispielsweise verkehrt und verhärte meist nur die Fronten. Besser sei es, zuzuhören, Fragen zu stellen – und die Person bestenfalls zum kritischen Nachdenken zu bringen. Manchmal stelle sich eine religiöse Gemeinschaft auch als harmlos heraus. „Wenn aber zum Beispiel die Mitglieder zunehmend vereinnahmt werden, ihnen das selbstständige Denken verboten wird, sie isoliert werden und ihnen vorgeschrieben wird, mit wem sie noch Kontakt haben dürfen und mit wem nicht, dann wird es gefährlich.“ Wenn notwendig, vermittelt die Fachstelle an weiterführende psychologische oder seelsorgliche Beratungsstellen, verweist an die Polizei oder vermittelt professionelle therapeutische Hilfe.

Krisen machen empfänglich

„In der Arbeit unserer Fachstelle spiegelt sich auch immer die jeweilige Zeit wider“, stellt Sandra Kemp fest. Politische Umbrüche, Krisen und gesellschaftliche Unsicherheit führten Menschen nicht selten in die Nähe von heilsversprechenden Sekten, manipulativen Gurus oder machten sie besonders anfällig für Verschwörungsmythen. Belastende Veränderungen im eigenen Leben wie ein Umzug, Krankheit, Trennung vom Lebenspartner o.ä. wecken häufig das Bedürfnis nach Neuorientierung und neuer Gemeinschaft: „Wenn die Not groß ist, suchen die Menschen häufig nach etwas noch Größerem, das ihnen hilft, damit fertigzuwerden. Was besagte Gruppen oder Kreise so gefährlich macht, ist, dass sie vermeintlich einfache Antworten auf die komplexen Fragen haben und schnelle Lösungen für schwierige Probleme versprechen. Erst einmal kann das für eine Person sehr entlastend sein – aber irgendwann kommt dann meist das böse Erwachen.“

Wieder selbst denken lernen

„Mich einer Sekte oder einem zweifelhaften Guru anzuschließen oder einem Verschwörungsmythos anzuhängen, das hat auch immer ein bisschen was damit zu tun, dass ich die Verantwortung für mein Leben im Moment nicht mehr selbst tragen will oder kann“, so Sandra Kemp. „Unsere Aufgabe als Fachstelle ist es, hier zu unterstützen und zu beraten und die Menschen stark dafür zu machen, dass sie wieder selbstbestimmt denken und leben können.“
Sandra Kemps und Gernot Meiers Beratungsarbeit beschränkt sich nicht nur auf Gespräche am Telefon oder per E-Mail: „Wir begleiten Menschen auf Wunsch auch vor Ort, wirken bei Fortbildungen mit, stellen Informationsmaterial zur Verfügung und machen Aufklärungsarbeit in Gemeinden, Erwachsenenbildungs-Gruppen oder Schulen.“ Die telefonische Beratung unter 0721 9175-359 steht Anruferinnen und Anrufern kostenfrei und auf Wunsch anonym zur Verfügung, auch abends und am Wochenende.

Weitere Informationen

Die Fachstelle für Weltanschauungsfragen in der Evangelischen Landeskirche in Baden feiert ihren 100. Geburtstag im Rahmen einer Fachtagung zum Thema „Rechtes Christentum“ mit Expertenvorträgen und Diskussionsforen rund um den Themenkomplex rechtsideologischen Christentums. Die Fachtagung mit Festakt findet statt von 6. bis.8. September 2024 im Haus der Kirche in Bad Herrenalb. 
Mehr Informationen dazu zur Arbeit der Fachstelle finden Sie unter 
 
  

Diakonin Sandra Kemp

Beauftragte der Evangelischen Landeskirche in Baden für Weltanschauungsfragen