Wonnemonat Mai

Blumenwiese im Frühjahr mit Bäumen

Axel Ebert

Impuls

Nun hat also der Wonnemonat Mai begonnen. Der Frühling hat sich endgültig durchgesetzt.
 
Ich habe mal im Wörterbuch nachgeschlagen und gelesen, dass Wonne ein altes deutsches Wort für Freude oder Glück ist. Der Wonnemonat Mai ist also der Freudenmonat. Und tatsächlich freuen sich im Mai fast alle am Frühling, der seine volle Pracht entfaltet, an blühenden Bäumen und Rapsfeldern und maigrünen Wiesen. Und bei so manchem verliebten Pärchen erwachen im Mai auch die Frühlingsgefühle. Früher war der Mai ein bevorzugter Hochzeitsmonat.
 
Es kann aber auch sein – so habe ich gelesen – dass das Wort Wonnemonat ursprünglich von Weidemonat kommt. Der Mai war früher nämlich der Monat, an dem die Bauern das letzte Vieh aus den Ställen wieder auf die Weide getrieben haben. Und das war für die Tiere natürlich auch eine Freude: endlich wieder aus dem Stall herauszukommen und nach Monaten mit trockenem Heu wieder das frische Gras auf der Weide fressen zu dürfen.
 
In der Bibel wird das Bild von der Weide und dem frischen Gras auch als Vergleich dafür verwendet, wie gut Gott es mit uns Menschen meint. Im Psalm 23 heißt es zum Beispiel: „Der Herr ist mein Hirte. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ So wie die Tiere im Weidemonat Mai endlich wieder das frische grüne Gras fressen dürfen, so erlebt der Dichter des Psalms 23 auch Gott. Endlich wieder frische und köstliche Nahrung schmecken, nachdem so lange nichts gewachsen ist. Endlich herrlich kühles und frisches Wasser auf den Lippen. Der Dichter des Psalms hat erlebt, dass Gott den Frühling in sein Leben und sein Herz gebracht hat. Er hat die Erfahrung gemacht, dass nach schweren Zeiten voller Not und Entbehrung Gott ihm wieder gute Zeiten geschenkt hat. Er freut sich daran, dass er erleben darf, wie Gott ihn immer wieder mit dem versorgt, was er zum Leben braucht. - Darauf will ich auch vertrauen, wenn ich einmal in einer schwierigen Zeit bin. Ich will dann an dem Glauben festhalten, dass Gott mich durch mein Leben leitet und auch mir wieder gute Zeiten voller Freude und Wonne schenken wird. Und so bete ich immer wieder: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.“