Michael Starck: „Öffentliche Güter wie Wasser, Bildung und Gesundheit müssen für alle zugänglich bleiben“
Badischer Pfarrer vertritt „Brot für die Welt“ auf UN-Konferenz in Sevilla
Sevilla/Karlsruhe, (29.08.2025). Wie kann die Weltgemeinschaft die UN-Nachhaltigkeitsziele bis 2030 noch erreichen? Diese Frage stand im Zentrum der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung, die vom 29. Juni bis 3. Juli in Sevilla stattfand. Vertreter*innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft diskutierten fünf Tage lang über Wege aus der globalen Finanzierungskrise – mit klaren Appellen an die Industrieländer. Einer von ihnen war Pfarrer Michael Starck von der landeskirchlichen Arbeitsstelle „Kirchlicher Entwicklungsdienst“, der als Teil der Delegation von „Brot für die Welt“ nach Spanien gereist ist.

Vor der jüngsten UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla hat ein Forum der Zivilgesellschaft (Civil Society Forum) stattgefunden. Mit einer Abschlusskundgebung am Vorabend des UN-Konferenzbeginn haben die Teilnehmer noch einmal auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht.
„Die Konferenz machte deutlich: Ohne eine deutliche Aufstockung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit sind die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele kaum zu erreichen“, betont Michael Stark. „Hunger, Armut, mangelnde Bildung und Gesundheitsversorgung – all das bleibt Realität in vielen Ländern des Globalen Südens. Die UN-Zielmarke von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe wird von vielen Industriestaaten weiterhin verfehlt. In Sevilla wurde daher eindringlich an die Staaten appelliert, ihre Haushalte entsprechend anzupassen.“
Schuldenlast erdrückt Entwicklung
Ein zentrales Thema der Konferenz war die Schuldenkrise: Laut UNCTAD, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, geben 48 Länder des Globalen Südens mehr für Schuldendienst aus als für Bildung und Gesundheit. „Spanien brachte Initiativen wie ‚Debt Swaps‘ und ‚Debt Pause Clauses‘ ein, um Schulden in nachhaltige Investitionen umzuwandeln oder Rückzahlungen auszusetzen. Auch die Forderung nach einem internationalen Insolvenzverfahren für Staaten wurde erneut laut – unterstützt von Organisationen wie erlassjahr.de“, erzählt Michael Starck.
Steuergerechtigkeit als Schlüssel
Ein weiteres zentrales Thema: Steuergerechtigkeit. Steuerflucht und Steueroasen entziehen dem Globalen Süden dringend benötigte Einnahmen. „Die Konferenz unterstützte die geplante UN-Steuerkonvention, die ab diesem Monat in New York verhandelt werden soll. Kirchen weltweit engagieren sich seit Jahren für faire Besteuerung – etwa mit der ‚Zachäus-Kampagne‘ im Rahmen der NIFEA-Initiative“, so der badische Pfarrer.
Handel fair gestalten
Auch der Welthandel stand laut Starck bei der Konferenz in Sevilla im Fokus. Unfaire Handelsabkommen, Zölle und mangelnde Umwelt- und Menschenrechtsstandards behindern die Entwicklung vieler Länder. Die Zivilgesellschaft setze sich für verbindliche Regeln ein – etwa im Rahmen von Lobbyarbeit für ein deutsches Lieferkettengesetz und die EU-Richtlinie zur Unternehmensverantwortung. „In Baden engagiert sich hier besonders die ‚Werkstatt Ökonomie‘ in Heidelberg“, berichtet Michael Starck.
Privatkapital – Chance oder Risiko?
Der zunehmende Einfluss der Privatwirtschaft wurde ebenfalls kritisch diskutiert. Zwar könne privates Kapital zur Entwicklung beitragen, doch dürfe es nicht staatliche Verantwortung ersetzen. „Öffentliche Güter wie Wasser, Bildung und Gesundheit müssen für alle zugänglich bleiben“, betont Michael Starck. Das parallel stattfindende „Business Forum“ wurde daher von einem „Civil Society Forum“ begleitet, das alternative Perspektiven einbrachte.
Fazit: Brücken bauen für globale Gerechtigkeit
„Die Konferenz in Sevilla zeigte: Entwicklungsfinanzierung ist ein komplexes, aber zentrales Thema für die Zukunft der Menschheit“, sagt Michael Starck und fügt hinzu: „Der Austausch zwischen staatlichen, zivilgesellschaftlichen, kirchlichen und wirtschaftlichen Akteur*innen war ein wichtiger Schritt – doch nun müssen den Worten Taten folgen.“
Bei Fragen zum entwicklungspolitischen Engagement der Evangelischen Landeskirche in Baden steht Michael Starck per E-Mail an Michael.Starck@ekiba.de als Ansprechpartner zur Verfügung.