Leonore Preis für feministische Theologie

- 11.11.2025 - 

Badische Theologin Christine Wenona Hoffmann erhält einen der beiden Hauptpreise.

Frankfurt, (11.11.2025). Drei Frauen haben am vergangenen Wochenende in der Evangelischen Akademie Frankfurt den „Leonore-Preis“ für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Feministischen Theologie oder Gender Studies in der Theologie erhalten: Zu gleichen Teilen ging die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung an Christine Wenona Hoffmann, Juniorprofessorin in Frankfurt am Main, und an Christiane Nagel, Privatdozentin in Marburg. Mit dem Nachwuchspreis wurde die in Marburg eingereichte Magisterarbeit von Nasreen Sarah Shah geehrt, verknüpft ist diese Auszeichnung mit 500 Euro.
Die Auszeichnung, die nach der früheren Direktorin der Evangelischen Akademie in Hessen und Nassau, Leonore Siegele-Wenschkewitz, benannt ist, wird alle zwei Jahre vom Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre in Zusammenarbeit mit den Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau, der Evangelischen Akademie Frankfurt und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vergeben.

Leonore Preisverleihung November 2025
Die badische Theologin Christine Wenona Hoffmann hatte für den Preis die Dokumentation einer Lehrveranstaltung zu „Identität und Diversität als Thema von Gottesdienst und Predigt“ eingereicht. Die Jury lobte die Vernetzung mit den Fächern Soziologie, Ethnologie, Islamische Studien, Katholische Theologie und den Gender-Studies des Cornelia-Goethe-Zentrums.
Viel zu sehr seien Gottesdienst und Predigt an „weißen, männlichen Normen orientiert“, attestierte Prof. Renate Jost, Vorsitzende des Vereins zur Förderung Feministischer Theologie. Hoffmanns Wirken im Fach Praktische Theologie an der Goethe-Universität stehe für einen sensiblen Umgang mit Diversität in Gottesdiensten, der Predigt und der universitären Lehre. Zudem bewege sie sich „wissenschaftstheoretisch auf hohem Niveau“.
Die Habilitation Hoffmanns entstand aufgrund ihrer Erfahrungen als Pfarrerin in der Seelsorgepraxis in der Mannheimer Vesperkirche. Bei dem Versuch, diese zu reflektieren, habe sie erlebt, dass es zur Seelsorge für sozial schwache Menschen wissenschaftlich nahezu nichts gebe. Dagegen habe sie etwas unternehmen wollen. Gegenwärtig ist Christine Wenona Hoffmann mit ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin dabei, „strukturiert zu erarbeiten, welche Stimmen im Kanon der Praktischen Theologie bisher eigentlich kaum vorkommen oder schlicht überhört werden“.
 
Die zweite Hauptpreisträgerin Christiane Nagel, Privatdozentin in Marburg, hat sich für ihre Studie zu „Guter Theologie“ von der Harvardprofessorin Mayra Riveras inspirieren lassen. Helge Bezold, Theologischer Studienleiter der Evangelischen Akademie in Frankfurt, lobte sie als eine  kritische Denkerin. Die Preisträgerin kommt aus der Wissenschaftstheorie. „Wir brauchen starke Forschung, die sich komplizierten Themen widmet“, sagt die in Bautzen geborene Theologin. „Wir müssen als Kirche Diskursräume schaffen“.
 
Nasreen Sarah Shah (M.A.) bekam den Nachwuchspreis. Beeindruckt habe sie die Eigeninitiative und das Engagement, mit dem Shah an sie herangetreten sei, sagte Professorin Christl Maier, Marburg, in ihrem Grußwort. Eine herausragende, „absolut preiswürdige Arbeit“ habe sie als Zweitkorrektorin zu lesen bekommen. Die Arbeit befasst sich mit dem Thema „Intersektionalität und interracial Ehen. Die fremde Frau im literarischen Diskurs“ am Beispiel von Esra 9-10.
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin