„Vesperkirchen sind Orte gelebter Nächstenliebe“

- 04.11.2026 - 

Von praktischen Hilfen bis zu Gemeinschaftsangeboten: Vesperkirchen-Saison 2026/2027 ist gestartet

Stuttgart/Karlsruhe, (04.11.2026). In Baden-Württemberg hat die Vesperkirchen-Saison 2026/27 bereits mit ersten Angeboten in Böblingen und Emmendingen begonnen. Am kommenden Sonntag (08.11.) eröffnen die Vesperkirchen in Ellwangen und Schwäbisch Gmünd. Bisher sind in Baden-Württemberg an insgesamt 47 Orten Vesperkirchen und ähnliche Angebote geplant, davon zwölf im badischen Landesteil. Fünf Vesperkirchen feiern ein rundes Jubiläum: Die Vesperkirche in Schwäbisch Gmünd findet zum zehnten Mal statt, die Vesperkirchen in Giengen an der Brenz und in Nürtingen zum 20. Mal sowie die Vesperkirchen in Reutlingen und in Mannheim zum 30. Mal.

Vesperkirche Mannheim

Quelle: ekma / Alexander Kästel

Auch in dieser Saison machen die Vesperkirchen ihren Gästen ein breites Angebot: An einigen Standorten sind Sozial- und Rechtsberatungen, medizinische Betreuung und praktische Hilfen (Näh- und Flickservice, Foodsharing) zu finden. In einigen Gemeinden können Bedürftige Kleidung günstig erwerben, tauschen oder kostenlos beziehen. Auch ein Gratis-Haarschnitt, eine Handmassage oder Fußpflege werden mancherorts angeboten. Allen Vesperkirchen gemeinsam sind geistliche Impulse, etwa mit Andachten, Tischgebeten, Gottesdiensten und seelsorgerlicher Begleitung.

Zudem gibt es häufig kulturelle Rahmenprogramme und Bildungsangebote, etwa Konzerte, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Aufführungen, Kinoabende oder eine Straßenuni. Großen Wert legen die Veranstalter auf das Zuhören und die Gemeinschaft – etwa beim gemeinsamen Liedersingen, bei Lebensberatungen, Gesprächskreisen, Gesellschafts- und Kartenspielen sowie bei Angeboten für Kinder.

Die Schirmherrin der Vesperkirchen in Baden-Württemberg, Gerlinde Kretschmann, sagt in ihrer Grußbotschaft: „Die Einrichtung der Vesperkirchen ist mittlerweile fester Bestandteil im winterlichen Leben vieler Gemeinden. Nicht nur die Gäste, sondern auch die Helferinnen und Helfer fiebern dem Tag der Eröffnung entgegen. Das zeigt mir doch, dass die Vesperkirchen eine Leerstelle in unserer Gesellschaft ausfüllen. Hier können sich in nahezu zwangloser Form große Teile der Gesellschaft treffen. Dazu ist es besonders schön, gemeinschaftlich Essen einzunehmen. Für mich war und bleibt die Vesperkirche ein wichtiger Termin im Winter. Besonderer Dank gilt dem Organisationsteam, den Helfenden und Spendenden.“

In ihrem gemeinsamen Wort zum Vesperkirchen-Auftakt heben Landesbischof ErnstWilhelm Gohl, Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart sowie die Vorstandsvorsitzenden der Diakonischen Werke Baden und Württemberg, Oberkirchenrätin Sabine Jung und Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller, die Bedeutung der Vesperkirchen als Orte gelebter Nächstenliebe hervor, da sie Zuspruch konkret machten: „Hier wird niemand allein gelassen.“ Zugleich seien Vesperkirchen Seismografen der Gesellschaft: Hier begegneten sich Menschen, die von Armut, Einsamkeit und sozialer Ausgrenzung betroffen seien. Diesen Herausforderungen stellten sich Kirche und Diakonie, auch indem sie Vesperkirchen als Begegnungsorte ermöglichten. Der Einsatz der vielen Ehrenamtlichen zeige, „dass eine solidarische Gesellschaft keine Utopie ist. Sie beginnt dort, wo Menschen einander sehen, stärken und füreinander einstehen.“ Mit der biblischen Zusage „Ich stärke dich, ich helfe dir.“ (Jesaja 41,10) verknüpfen Gohl, Springhart, Jung und Noller den Wunsch, „dass dieser Zuspruch in unseren Vesperkirchen erfahrbar wird – für alle, die kommen, und für alle, die sich engagieren oder die Vesperkirchen auf andere Art unterstützen.“
 
Viele Vesperkirchen werden ökumenisch veranstaltet und vor allem von Ehrenamtlichen durchgeführt, darunter Schülerinnen und Schüler sowie Konfirmandinnen und Konfirmanden.
 
 
Das Wort zum Vesperkirchen-Auftakt im Wortlaut:
 
Vesperkirchen laden ein
 
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir.“ (Jesaja 41,10)
 
Es tut gut, wenn uns jemand Mut zuspricht. Vesperkirchen machen diesen Zuspruch konkret: Hier wird niemand allein gelassen. Menschen teilen Zeit, Essen, Aufmerksamkeit und Hoffnung. So werden Vesperkirchen zu Orten gelebter Nächstenliebe. Und zugleich sind sie Seismografen unserer Gesellschaft. Armut, Einsamkeit und soziale Ausgrenzung sind nicht nur persönliche Schicksale, sondern Herausforderungen, denen wir uns stellen. Unsere Kirchen und Diakonien ermöglichen diese Begegnungsorte und wir danken allen, die sich dort engagieren. Sie zeigen durch ihren Einsatz: Eine solidarische Gesellschaft ist keine Utopie. Sie beginnt dort, wo Menschen einander sehen, stärken und füreinander einstehen.
„Ich stärke dich, ich helfe dir.“ Wir wünschen uns, dass dieser Zuspruch in unseren Vesperkirchen erfahrbar wird – für alle, die kommen, und für alle, die sich engagieren oder die Vesperkirchen auf andere Art unterstützen.
 
 
Eine Übersicht über die Vesperkirchen in Baden und Württemberg 2026/2027 finden Sie hier.
 
  

Frau Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin