Der „Heidelberger“ und das Gustav-Adolf Werk

Der Historiker Dr. Albert de Lange referiert beim traditionellen Heringsessen des Gustav-Adolf-Werkes in Lörrach im Rahmen des 450 Jubiläums zur Bedeu

In einem großen, lebendigen Bogen verdeutlichte de Lange Geschichte und Tradition des „Heidelbergers“. „ Das Verfassen von Katechismen war eine der wichtigsten Erneuerungen der Reformation, oder besser gesagt: Die Reformation nahm wieder eine altchristliche Tradition auf – in der Alten Kirche gab es sehr viele Erwachsenentaufen und die ‚Heiden‘ mussten sich vorher erst die christliche Lehre aneignen.“ Die Reformation stand vor demselben Problem: Erwachsene Katholiken in den Grundlagen des Protestantismus zu unterrichten.

Dennoch habe der Heidelberger Katechismus schnell weite Verbreitung gewonnen. Noch in seinem ersten Jahr wurde er in zwei verschiedenen niederländischen und in einer »sächsischen«
Übersetzung gedruckt. Innerhalb von 100 Jahren war der „Heidelberger“ überall in Europa verbreitet, und setzte Anfang des 18. Jahrhunderts „zum Sprung“ nach Amerika, Asien und nach Afrika an. De Lange verdeutlichte, dass der „Heidelberger“ vielerorts nicht nur Lehrbuch, sondern auch Bekenntnisschrift wurde. So hatte der Katechismus in den reformierten Kirchen und in der
reformierten Theologie, im Unterricht, mit Predigtauslegungen sowie als theologische Glaubenslehre eine reiche Geschichte.

Erst in der Aufklärungszeit, als man meinte, man könne nur noch solchen Lehren der Bibel glauben, die vor der menschlichen Vernunft Bestand hätten, wurde der Katechismus als überholt angesehen. In der Erweckungsbewegung des frühen 19. Jahrhunderts, so der Referent, kehrte man zum biblischen Christenglauben und zum ursprünglichen Evangeliumsverständnis der Reformation zurück. Der „Heidelberger“ wurde in diesem Zusammenhang wieder entdeckt,  verdrängte seine Konkurrenten und kam zu neuer Wirkung. In der Zeit des Kirchenkampfes im Dritten Reich bewährte er sich demnach als ein klarer Wegweiser zum rechten Verständnis des Evangeliums.

Der Heidelberger Katechismus sei auch 450 Jahre nach seinem ersten Erscheinen kein Buch, das man nach zwei Jahren Unterricht beiseite legen könne, meint de Lange: „Er ist ein Gemeindebuch, das in Glaubenserkenntnis und Lebensgrundsätzen dem mündigen Christen dient und, wie die Bibel, zu lebenslangem Gebrauch bestimmt ist. Seine besondere Stärke ist sein nahes Verhältnis zur Bibel.“