Humor hilft heilen

Klinikclown in der Uniklinik Mainz

Engagement & Freizeit

Er ist Deutschlands wohl bekanntester Fernsehmediziner: Dr. Eckart von Hirschhausen. In der TV-Sendung  „Hirschhausens Quiz des Menschen“ erklärt er Millionen von Zuschauern, wie der menschliche Organismus funktioniert. Früh hat er erkannt, dass auch Humor wichtig für die Gesundheit und das Gesund-Werden ist. 2008 hat der Mediziner und Kabarettist  die Stiftung „Humor Hilft Heilen“ gegründet. Im Interview mit der ekiba erläutert er, was es damit auf sich hat und was ihm besonders am Herzen liegt.
 

Für seinen engagierten Einsatz für Gesundheit und Klimaschutz erhielt Dr. Eckart von Hirschhausen im September 2022 den Evangelischen Stifter*innen-Preis. Im Interview erzählt er wie er zum Stiftungsgründer wurde, was in seinen Augen die größte Gesundheitsgefahr im 21. Jahrhundert ist, und wie wir ihr gemeinsam begegnen können.
 
Wie entstand die Idee, Ihre Stiftung „Humor Hilft Heilen“ (HHH) zu gründen?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Ich habe ein Wunder gesehen, 1997 als junger Arzt und Zauberkünstler auf einer Tour durch Kinderkrankenhäuser. Alle kamen in der Turnhalle zusammen, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. In der Gruppe war ein Junge mit selektivem Mutismus, einer seelischen Störung, bei der Kinder aufhören zu sprechen. Wie mir ein befreundeter Arzt im Nachhinein schilderte, vergaß der Junge angesteckt durch das Miteinander seine Störung und machte munter mit. Das war der Moment, an dem ich entschied, die Rolle von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen, uns zu verzaubern, in ihrer Bedeutung für die Heilung viel ernsterzunehmen.
 
Portrait von Dr. Eckart von Hirschhausen
Dr. Eckart von Hirschhausen

Quelle: Steffen Jänicke

Und „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ (GEGM)?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Auch hierzu brauchte es einen Aha-Moment. Mitten im Interview fragte mich die charismatische Schimpansenforscherin Jane Goodall: "Wenn wir Menschen immer betonen, dass wir die intelligenteste Art auf diesem Planeten sind – warum zerstören wir dann unser Zuhause?" - Da wurde mir klar, dass dies die zentrale Frage im 21. Jahrhundert ist. Unser aller Leben steht auf dem Spiel. Die Klimakrise ist die größte Gesundheitsgefahr, und keine Pille wird uns schützen, sondern nur wirksame Klimapolitik, sinnvolle Anpassung und auch eine gerechtere globale Verteilung von Ressourcen, Nahrung und Bildung. Da die Gesundheitsberufe in der Öffentlichkeit hohes Vertrauen genießen, müssen sie viel stärker als bislang Alarm schlagen und Teil der Lösung werden. Dafür braucht es neue Narrative, Netzwerke zwischen Politik, Zivilgesellschaft und medialer Öffentlichkeit. Genau da setzen mein Team und ich an. Die Kirchen sind dabei ein wichtiger Partner, denn die Bewahrung der Schöpfung hat mit den Kernthemen Frieden, Gerechtigkeit und dem Glauben an einen generationenübergreifenden Sinn und Über-Nächstenliebe zu tun!
 
Was wird mit den Stiftungsgeldern konkret bewirkt?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Sowohl die Klinik-Clown-Besuche als auch die Seminare für Pflegeteams und Pflegeschüler werden von professionell ausgebildeten Klinik-Clowns und Trainern durchgeführt. Bundesweit arbeiten bei HHH zurzeit ca. 28 Klinik-Clowns und 26 Trainer. Mit den Stiftungsgeldern werden die Honorare der Künstler und Trainer finanziert sowie regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen. Bei GEGM schaffen wir eine positive Vision, wo wir als Gesellschaft hinwollen. Dafür erstellen wir Filme und Social-Media-Material. Die dunkle Seite der Macht ist leider sehr viel besser organisiert und finanziert als die helle. Umso wichtiger ist die Sichtbarkeit von all den engagierten Menschen, von guten Beispielen und Projekten, Auftritten, die Gemeinschaft stiften, wie zum Beispiel bei den Kirchentagen.
 
Warum haben Sie sich nicht für andere Möglichkeiten entschieden, beispielsweise Spendensammlungen?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Stiftungen setzen ein Zeichen, dass ein Anliegen so wichtig ist, da sie über einen hinausweisen und -wirken. Wir sprechen in der Klimakatastrophe und der Transformation von einer Jahrhundertaufgabe, für die wir aber kein Jahrhundert, sondern maximal ein Jahrzehnt Zeit haben, bevor wir uns durch Überschreiten von Kipppunkten das Leben auf der Erde zur Hölle machen. Da glaube ich als Protestant auch mal an das Fegefeuer (lacht). Durch meine Arbeit als Wissenschaftsjournalist, Autor und Bühnenkünstler durfte ich in den letzten Jahren ein großes, diverses Netzwerk aufbauen. Das, und darüber hinaus möchte ich mit meiner Stiftungsarbeit für Klimaschutz aktivieren.
 
   
 
 
Sie stehen dafür ein, dass Lachen und Humor beim Gesundwerden helfen können. Woran machen Sie das fest?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Einer der Pioniere der Humortherapie war der Österreicher Viktor Emil Frankl. Wegen seiner jüdischen Herkunft kam er 1942 ins KZ. Er überlebte und legte mit seinem Buch "Trotzdem Ja zum Leben sagen" die Grundlage für die moderne Resilienzforschung. Frankl verabredete mit anderen Häftlingen, sich jeden Tag einen Witz zu erzählen und sagte im Nachhinein, dass die gezielte Beschäftigung mit Humor ihn davor gerettet habe, aufzugeben und zu zerbrechen. Was Frankl damals herausfand, ist heute wissenschaftlich bewiesen: Humor beflügelt die Kreativität, verbessert die soziale Interaktion, erhöht die Lebenszufriedenheit und reduziert negative Emotionen, Stress, Angst und Depressivität.
 
Kirchlich Mitarbeitende haben in der seelsorglichen Praxis auch oft mit Menschen zu tun, die das Lachen verlernt haben. Wie kann man Humor und eine positive Grundhaltung wiederfinden?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Das ist nicht einfach. Je tiefer man sich mit der Materie unserer Selbstverbrennung beschäftigt, desto tiefer bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Es gibt sogar ein neues Wort für die Trauer um die vertraute Heimat, um die Traumatisierung durch Flucht, Waldbrände, zerstörerischen Kohleabbau, oder Extremwetterereignisse, die einem die Grundfesten erschüttern: Solastalgie. Diesen Schmerz zu spüren und zu artikulieren, ist wichtig, wenn es nicht in Resignation, sondern zu Handeln und Selbstwirksamkeit führt. Bei Angststörungen besteht seelsorgerische Haltung darin, zu erklären, warum eine Angst übertrieben und unbegründet ist.
 
Wann und worüber konnten Sie selbst zuletzt herzhaft lachen?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Über den Film "Don't look up". Und als mir aus gegebenem Anlass eine Analogie einfiel: Unser Verhalten in der Klimakrise erinnert an die Situation, nachts mit einer vollen Blase aufzuwachen. Du weißt, was zu tun ist. Aber du meinst, wenn du dich umdrehst, dich schlafend stellst und die Augen nicht aufmachst, geht es von allein vorbei. Nein. Es wird nur schlimmer. Also, Augen auf. Und Mund auf. Das wichtigste, was ein Einzelner heute machen kann, ist kein Einzelner zu bleiben.
 
Was sagen Sie denen, die meinen, es gäbe Wichtigeres als Klimaschutz?
 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Dass sich niemand eine eigene Außentemperatur kaufen kann. Noch nicht mal ein Privatversicherter. Und dass wir es gemeinsam schaffen oder gar nicht. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind. Und dass Gesundheit nur global zu verstehen und zu erhalten ist. Ein Virus braucht kein Visum, um Ländergrenzen zu überschreiten. So wenig, wie ein CO2-Molekül fragt, aus welchem Land es kam. Wir haben einen Himmel. Eine Erde. Ein Zuhause. Und für Treibhausgase gilt auch der Satz im Vaterunser: Wie im Himmel, so auf Erden. Alles, was wir über uns an Tonnen Dreck deponieren, fällt uns auf die Füße. Wir können es schöner haben auf Erden. Und gesünder. 
 
 
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