„Der Gesellschaft etwas zurückgeben“ – Porträt der Kieber-Weiblen Stiftung
Geld & Spenden
Nochmal an die Uni gehen, eine Fremdsprache oder ein Instrument lernen, Reisen machen oder den Garten neu anlegen – für den Ruhestand nehmen sich viele Menschen Projekte vor, für die zuvor nie genug (Frei-)Zeit blieb. Auch das Ehepaar Waltraud Kieber-Weiblen und Martin Weiblen aus Brühl hat nach der Berufsphase noch einmal etwas ganz Neues begonnen: Sie gründeten eine Stiftung. Und die wurde Anfang Oktober 2023 mit dem Evangelischen Stiftungspreis ausgezeichnet.
Seit 47 Jahren sind Waltraud Kieber-Weiblen und Martin Weiblen verheiratet. Sie haben einen Sohn und eine Tochter und inzwischen auch vier Enkelkinder. 1977 zogen die Diplom-Verwaltungswirtin und der Diplom-Volkswirt aus dem heimatlichen Hohenlohe nach Mannheim. Beide waren stets der Kirche eng verbunden, und Waltraud Kieber-Weiblen engagierte sich viele Jahre ehrenamtlich im Aufbau und der Leitung einer Nachbarschaftshilfe. Auch von dem finanziellen Wohlstand, den sich die Kieber-Weiblens mit der Zeit erarbeitet hatten, wollten sie schließlich der Gesellschaft etwas zurückgeben: „Ich hatte schon längere Zeit mit Interesse verfolgt, wie Paare durch eine Stiftung Gutes taten“, erinnert sich Waltraud Kieber-Weiblen, „und hatte dadurch die Vision entwickelt, dass wir es ihnen gleichtun könnten. So entstand die Idee einer Stiftung als gemeinsame schöne Aufgabe für uns im Alter.“
Gegen soziale Missstände ankämpfen
2016 wurde mit einem Grundstockvermögen von 1 Million Euro die Kieber-Weiblen Stiftung gegründet. Pfarrer Dr. Torsten Sternberg von der Dachstiftung half beratend dabei, die Stiftung auf den Weg zu bringen; inzwischen arbeitet er im Vorstand mit. Die Gelder sind in Anleihen und Aktien angelegt und ermöglichen ein Fördervolumen von etwa 80.000 Euro pro Jahr.
Martin Weiblen und Waltraud Kieber-Weiblen
Besonders am Herzen liegen den Kieber-Weiblens Förderprojekte, die helfen, gesellschaftliche und soziale Missstände zu beheben, vor allem dort, wo Kinder und Frauen betroffen sind. So unterstützt ihre Stiftung die Lifegate-Einrichtung in Beit Jala (Palästina) – eine Einrichtung zur Rehabilitierung von Menschen mit Behinderung –, mehrere Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Afrika, das Kinderhospiz Sterntaler in Mannheim, einen Waldkindergarten in Mosbach für Kinder mit Behinderung und auch Soforthilfemaßnahmen bei Naturkatastrophen auf dem asiatischen und afrikanischen Kontinent. „Viel Herzblut“ von Waltraud Kieber-Weiblen fließt außerdem in die Unterstützung der Mannheimer Beratungsstelle Amalie für Frauen in der Prostitution, denn deren Schicksale „haben mich schon mein ganzes Leben lang bewegt!“
„Wir wollen auch immer dabei sein“
Das Ehepaar bringt sich mit seinen jeweiligen Talenten in seine Stiftung ein: Während sich Prof. Dr. Martin Weiblen hauptsächlich um die finanzielle Seite kümmert, ist Waltraud Kieber-Weiblen für die Beziehungspflege zuständig, hält engen Kontakt zu den Förderpartnern/-innen, ist Ansprechperson und Netzwerkerin: „Wir wollen es nicht nur bei finanzieller Hilfe belassen, sondern immer auch den persönlichen Bezug haben. Wir bleiben dran, möchten wissen, was vor Ort passiert und versuchen immer, dabei zu sein“, betont sie. Das ist mit ein Grund dafür, dass die Kieber-Weiblen Stiftung in diesem Jahr Stiftungspreisträgerin geworden ist: „Die Stiftung fällt einerseits durch ein Geldanlagenkonzept auf, das auch in Niedrigzinszeiten gute Erträge abwirft, andererseits unterstützt das Stifterehepaar Projekte nicht nur finanziell, sondern auch durch sehr persönliche Beziehungen zu den Projektverantwortlichen“, lobte die Jury um Luise Bröther (Vorstand Stiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden).
Lifegate fördert die Ausbildung von Frauen
„Mitzuerleben, was unsere Hilfe für die Menschen bewirken kann, gibt uns mehr zurück als wir geben“, ist Waltraud Kieber-Weiblen überzeugt. Für die Zukunft der Stiftung haben sie und ihr Mann ebenfalls bereits vorgesorgt, indem vorausschauend und verantwortlich schon heute Nachfolgeregelungen im Stiftungsvorstand über Generationen getroffen worden sind.