Sie gilt als eine der wichtigsten Frauen ihrer Zeit und im Leben Jesu: Maria aus Magdala, meist bekannt als Maria Magdalena. Wer war sie? Warum stellt die Evangelische Frauenarbeit sie 2023 in den Mittelpunkt? Eignet sie sich heute als Vorbild?
Samstagvormittag im Möglichkeitsgarten der Kirche auf der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim. Eine Familie lässt sich von Anja Blänsdorf erklären, wie man Salböl selbst herstellen kann. Drei junge Frauen legen mit großer Begeisterung ein Mandala aus bunten Steinen. Es ist der 22. Juli und die Evangelischen Frauen in Baden haben zu einem Erlebnistag eingeladen. Alles dreht sich um Maria, die aus Magdala stammte.
Mandalas legen aus bunten Steinen
Warum Maria aus Magdala? Was ist das Besondere an ihr?
2016 hat Papst Franziskus Maria aus Magdala als „Apostelin der Apostel“ gewürdigt. Als Apostel bzw. Apostelin gilt, wer von Jesus beauftragt wurde, ihn bei seinem Wirken zu unterstützen, selbst von Gott und seinem Reich zu erzählen, Menschen zu helfen und sie zu heilen. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass sie dem auferstandenen Jesus begegnet sind.
Auch im evangelischen Verständnis hat Maria aus Magdala eine herausgehobene Position. Seit der Einführung der neuen Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder 2018 ist ihr als einziger biblischer Frauengestalt ein Gedenktag gewidmet: der 22. Juli.
Was wissen wir über Maria aus Magdala?
„Sie ist eigentlich die prägende Frau in der ganzen Gruppe der Jüngerinnen und Jünger. Sie war von Anfang an dabei und ist auch die erste Zeugin der Auferstehung“, erklärt Barbara Coors, Ansprechpartnerin der Evangelischen Frauen Baden für den Frauen*Sonntag. „Deshalb ist es mehr als angemessen, ihr diesen Tag zu widmen,“ stimmt ihr ihre Kollegin Anja Blänsdorf zu.
An zwei Stellen wird im Neuen Testament von Maria Magdalena berichtet: Jesus hat sie geheilt und danach gehörte sie zusammen mit anderen jüdischen Frauen zur Gruppe der Jesus Nachfolgenden (Lukas 8,1–3). Und im Johannesevangelium wird erzählt, dass sie als erste den Auferstandenen gesehen hat und in seinem Auftrag davon weitererzählt hat (Johannes 20, 1-18).
Die Bibel verrät also wenig Details über ihr Leben. Das lässt Raum für Spekulationen, Fantasie und Projektionen. Über Jahrhunderte hinweg erscheint Maria aus Magdala in Bildern, Predigten, Romanen und Filmen als der Inbegriff einer weiblichen Sünderin. Sie wird gemalt als eine verführerische Hure mit tiefem Ausschnitt oder als eine mit (sexueller) Schuld beladene Büßerin mit langen Haaren; sie bekommt die Rolle einer Geliebten Jesu und Mutter seiner Kinder zugeschrieben.
Erst neuere Funde von Evangelien und Briefen, die in vielen Gemeinden bis ins 3. Jahrhundert hinein entstanden sind, zeigen, wie vielfältig das frühe Christentum war. Diese Texte lassen auch darauf schließen, dass Maria aus Magdala eine führende Rolle in dieser Zeit innehatte.
Erlebnistag und Frauen*sonntag
Anja Blänsdorf, Renate Baudy als Maria von Magdala, Barbara Coors beim Gottesdienst im Möglichkeitsgarten
Beim Erlebnistag auf der Bundesgartenschau 2023 wird auch Gottesdienst gefeiert. Mit dabei ist Maria aus Magdala. Renate Baudy schlüpft in ihre Rolle und erzählt von ihrer Heimatstadt: „Magdala war eine sehr bedeutende und wohlhabende Stadt am See Genezareth. Die Häuser aus Stein, die Böden mit kostbaren Mosaiken, fast jedes Haus hatte eine eigene Mikwe. Unseren berühmten Fisch verschickten wir bis Gibraltar“. Doch die Stadt wird von den Römern zerstört. Tausende kommen um oder werden als Slaven verkauft.
Maria lernt Jesus kennen und schließt sich ihm an. Sie wird Augenzeugin seines Leidens und Sterbens. Und sie begegnet ihm nach seiner Auferstehung. „Dieser Facettenreichtum gefällt mir besonders an ihr“, sagt Barbara Coors.
Gesprächspartnerin, Augenzeugin, Friedensbotin, Lehrerin, Apostelin - all diese Facetten von Maria aus Magdala werden auch beim Frauen*Sonntag 2023 eine Rolle spielen. Der Frauen*Sonntag wird in Baden in der Regel am dritten Sonntag im September begangen. Seit mehr als 100 Jahren bereiten Frauen aus allen Generationen ihn vor Ort vor und fragen anhand eines biblischen Textes oder einer biblischen Person nach der Lebenswirklichkeit von Frauen damals und heute.
Ist Maria aus Magdala ein Vorbild?
Mutig und Mut machend war Maria aus Magdala. Barbara Coors verbindet mit ihr auch die Frage, welche Rollen Frauen in der Kirche zukommen. „Wie werden wir gesehen? Welche Rolle spielen Frauen in der Kirche überhaupt? Wie ist das Verhältnis zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen? Was tut gut und was schadet? Wo müssen wir die Stimme erheben? Da finde ich Maria aus Magdala ganz passend.“