„The same procedure as every year?"

Brennende Wunderkerze

Glaube & Spiritualität

Die einen feiern ausgelassen, genießen die große Party mit Riesen-Feuerwerk am besonderen Ort. Die anderen es mögen es besinnlich, lassen das zu Ende gehende Jahr für sich Revue passieren. Ob laut oder leise - Rituale und Bräuche gehören zum Jahreswechsel. Für Sie auch?

Ein Dinner für vier Freunde. Da die aber schon verstorben sind, nimmt der Butler ihre Rolle ein. Er ahmt sie nach, nimmt Drink um Drink zu sich, stolpert immer wieder über den Kopf eines Tigerfells.  Wer kennt sie nicht? Miss Sophie, die ihren 90. Geburtstag feiert, und Butler James, der nicht nur serviert, sondern auch die Rolle der vier Gäste einnimmt? Und das alles, damit seine Chefin das Gefühl hat, dass alles wie immer ist. Eben „same procedure as every year.“ Seit 60 Jahren läuft der Sketsch „Dinner for One“ im deutschen Fernsehen, seit 1972 ausschließlich an Silvester. Auch für mich gehört er seit vielen Jahren fest zum Jahreswechsel. Lachen kann ich dabei immer noch.  
 
Ein Jahreswechsel ohne Feuerwerk, ohne Raketen und Böller ist für viele kaum vorstellbar. Der Ursprung der Feuerwerkskunst wird in China vermutet. Im 14. Jahrhundert brachten Händler das Feuerwerk nach Europa. Es war zunächst den Reichen und Adligen vorbehalten. Um böse Geister zu vertreiben, haben die Menschen aber schon im Mittelalter mit allem, was laute Geräusche erzeugt, Lärm gemacht: mit Töpfen, Rasseln, Trommeln und Trompeten. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Feuerwerk zum öffentlichen Vergnügen und als eigene Kunst immer weiter entwickelt. In den freien Verkauf kamen erste Feuerwerkskörper zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Heute scheiden sich am Feuerwerk die Geister: es ist faszinierend, zieht die Menschen auf die Straße, zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht, aber belastend für Umwelt und Tiere. Umweltorganisationen fordern ein privates Böllerverbot. Andere halten die Böllerei gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kriege für unangemessen.  
 
Pünktlich um 0.00 Uhr wird auch in unserer privaten Silvesterrunde auf ein „frohes neues Jahr“ angestoßen. Schon oft habe ich mir für das neue Jahr etwas vorgenommen: mehr Bewegung und Sport, mehr Zeit für Familie, Freundinnen und Freunde, gesünder essen. Damit reihe ich mich in die Top Ten der Neujahrsvorsätze der Deutschen ein. Laut Umfragen nehmen sich gut ein Drittel der Deutschen gezielt etwas vor. Im Internet stoße ich auf jede Menge Vorschläge für „gute“ Vorsätze. Zahlreich sind auch die Hilfestellungen von Psychologinnen und Psychologen, um die Vorsätze dieses Mal auch wirklich durchzuhalten.
 
Worum geht es bei meinen Vorsätzen für das neue Jahr eigentlich? Will ich mir etwas Gutes tun oder hoffe ich auf mehr Beachtung und Anerkennung von anderen? Das fragt sich Diakon Josef John aus Konstanz und stößt dabei auf eine tiefere Sehnsucht. Sehen Sie hier seine Gedanken zu den Neujahrsvorsätzen.
 
Bewegte (W)Orte: Neujahrsvorsätze
 
Silvester und Neujahr sind weltliche Feste. An beiden Tagen finden aber auch Gottesdienste statt. Der Gottesdienstbesuch zum Jahreswechsel ist mein „same procedure as every year.“ Denn hier kann ich zurückzublicken, mich erinnern, mich stärken und segnen lassen für das, was kommt.