Im Fokus: Pfingsten - Bedeutung, Ursprung und der Geburtstag der Kirche

Rotes Parament in der evangelischen Kirche in Bühl

Glaube und Spiritualität

Nach Weihnachten und Ostern ist Pfingsten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Es ist ein Fest der Hoffnung, der Gemeinschaft und der Kraft des Heiligen Geistes und wird als der „Geburtstag der Kirche“ bezeichnet.

Was an Pfingsten gefeiert wird

Die biblische Erzählung zum Pfingstfest steht im 2. Kapitel der Apostelgeschichte.
Nach dem Tod von Jesus und seiner Auferstehung, wissen die Jünger zunächst nicht, wie es weitergehen soll. 50 Tage nach seinem Tod kommen sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem zusammen. Zunächst bleiben sie unter sich im Haus. Aber dann geschieht etwas Unerwartetes: plötzlich fegt ein Sturm durch das Haus und der Heilige Geist senkt sich in Gestalt von Feuerzungen auf die Jünger. Sie sind nun erfüllt von neuer Kraft, gehen sie nach draußen, mischen sich unter die Menschen und können fremde Sprachen verstehen bzw. sprechen.
 
Der Wind weht die Jünger hinaus auf die Straße, mitten hinein zu den Menschen und ins Leben. Wie Feuer sollen sie gebrannt und leidenschaftlich von all dem geredet haben, was sie in den letzten Monaten erlebt hatten. In all ihrer Unterschiedlichkeit spüren sie: dieser Geist verbindet, macht Fremde zu Freund*innen.
So wurde Pfingsten das Geburtsfest jener Gemeinschaft, die wir Kirche nennen.  

Warum das Datum von Pfingsten jedes Jahr wechselt

Pfingsten ist wie Ostern ein sogenannter beweglicher Feiertag und wird immer 50 Tage nach Ostern gefeiert. Mit dem Pfingstfest endet die Osterzeit.  
Bis ins 4. Jahrhundert wurde an Pfingsten auch die Himmelfahrt Christi gefeiert. Dann entwickelte sich dafür allmählich ein eigener Feiertag, der immer 40 Tage nach dem Osterfest und damit stets an einem Donnerstag gefeiert wird.

Woher der Name „Pfingsten“ kommt

Der Name Pfingsten geht auf das griechische Wort "pentekosté" („der Fünfzigste“) zurück.  

Wie Pfingsten in der Kirche gefeiert wird

Die Gottesdienste an Pfingsten werden oft unter freiem Himmel gefeiert, an manchen Orten ökumenisch.
Die liturgische Farbe ist rot. Sie steht für Feuer, Blut, Liebe, Leidenschaft und den Heiligen Geist.

Pfingstbräuche und ihre Bedeutung

Ein bekanntes Symbol ist die weiße Taube als Zeichen für den Heiligen Geist – auch wenn sie in der biblischen Pfingstgeschichte selbst nicht vorkommt.
 
Historisch was Pfingsten war eng mit dem ländlichen Leben bzw. der Landwirtschaft verbunden. Nach dem langen Winter wurde das Vieh wieder auf die Weiden getrieben. Dazu wurde in vielen Dörfern ein Ochse mit bunten Bändern, Blumen oder Kränzen geschmückt. Dieser „Pfingstochse“ wurde durch das Dorf geführt und zur Kirche gebracht.
 
In der Jahreszeit, in der das Pfingstfest gefeiert wird, blühen die Pfingstrosen. Diese „Rose ohne Dornen“ steht für Liebe und Geborgenheit.

Die Bedeutung von Pfingsten heute

Pfarrer David Reichert beschreibt, welche Bedeutung Pfingsten für ihn hat: "Pfingsten gibt mir die unbändige Hoffnung, dass bei Gott alle Dinge möglich sind. Die Kraft des Heiligen Geistes, die wir an Pfingsten feiern, kann befreien, trösten, versöhnen und ermutigen. Und sie kann - daran glaube ich ganz fest - Zustände ändern und Menschen zum Guten antreiben. Wer Pfingsten feiert, muss nicht resignieren, denn Gottes Kraft wirkt noch immer mächtig unter uns und in dieser Welt."

Pfingsten persönlich erleben

In der biblischen Pfingstgeschichte spielt der Wind eine zentrale Rolle. Auch damals sorgt er für frische Luft zum tief durchatmen.
 
Vielleicht tut es dir gut, nach draußen zu gehen und dich bewusst in den Wind zu stellen,
zu spüren, woher er kommt und wohin er geht,
ihn mal als Rückenwind, mal als Gegenwind zu erleben,
dich treiben und durchpusten zu lassen.
Schon ein kleiner Moment der Aufmerksamkeit kann dich daran erinnern: Gottes Geist ist da, mitten im Leben.
 
Gebet:
Gott,
wenn Gegenwind mich zweifeln lässt,
wenn Rückenwind mich beflügelt,
wenn ein frischer Lufthauch mich erfrischt,
lass mich spüren, dass du das bist
mit deinem Geist.
 
Das Bild zeigt das Parament der evangelischen Kirche Bühl. Künstlerin: Christel Holl & Fotograf: Friedemann Günther