Sterne für Alle

Sterne für alle

Thomas Weiß

Wie soll das gehen?

Aha: Sterne für alle. Da hätte ich aber ein paar Fragen! Z.B.: Für alle? Welche „alle“ sind denn da gemeint? Alle Evangelischen, in Baden, oder die Pfälzer und Schwaben auch? Vielleicht alle Deutschen, alle Europäer? Alle Kicker und Kickerinnen, alle Kleber und Kleberinnen, alle Besorgten, Begabten oder Bekloppten? Oder vielleicht sogar: alle alle, wirklich alle: Kleine und Große, Junge und Alte, Frauen, Männer und Diverse, Dicke und Glatzköpfige, Dünne und die mit ihrer Lockenpracht? Und es gibt ja noch mehr alle: Wale und Eisbären, Rotbuchen und Vergissmeinnicht – die ganze Schöpfung.
Sind die alle gemeint? Ja, sind sie.
 
Aber wie soll das gehen? Für alle einen Stern? Alle sind doch viel, sehr viel – reichen die Sterne denn überhaupt aus? Ich konnte die „Weißt du wieviel Sternlein stehen?“-Frage noch nie befriedigend beantworten. Also weiß ich nicht, ob die da oben „an dem blauen Himmelszeit“ ausreichen würden. „Billionen“, „Myriaden“ – mit solchen (ungenauen) Zahlen wird in Sachen Kosmos gezählt – kann ich mir nicht vorstellen. Und wenn ich’s könnte, wenn’s irgendwer kann, wär’s doch keine Hilfe. Denn wie sollen denn die von da oben heruntergebracht werden, damit alle einen kriegen, für die Herzen, für die Hände, für die Lebenslustigkeit?
 
Aber ich merke schon, da sitze ich einem Irrtum auf. Es ist wohl alles viel einfacher. An der Weihnachtsgeschichte ist das abzulesen: Gott will nicht für alle einen (einen je eigenen, einen für dich und einen für mich, einen für jede und jeden ganz persönlichen) Stern, sondern hat einen für alle. Eben: den Weihnachtsstern.
 
Noch eine Frage: Einer ist doch zu wenig … für alle, oder? Nein, ist er nicht. Denn es ist der Stern, dessen Glanz wir teilen können. Das ist das leuchtende Geheimnis von Weihnachten: In diesem Stern, der das ganze Erdenrund erhellt, lässt Gott uns sehen, dass er uns nah ist, hilfreich und heilsam. Darum fällt auf jedes menschliche Leben und die ganze Schöpfung ein großer Glanz.
 
Ein Glanz, in dem wir strahlen. Und den wir weitergeben können, indem wir tun, was Gott tut: Nah sein, menschlich werden, die Herzen öffnen und die Hände, mit denen wir weitergeben, was er uns gibt an Licht und Lachen. Im Ernst (und zum Glück): Wir können einander Sterne sein – und wenn wir alle Sterne sind, alle miteinander, dann haben alle einen Stern.
So geht’s auf!
 
 
Weitere Informationen zur EKIBA-Weihnachtsaktion sind abrufbar unter www.ekiba.de/sterne