Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu“ - Die Jahreslosungfahne 2026 in Langensteinbach

Jahreslosungsfahne 2026
Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“ Diese Jahreslosung aus Offenbarung 21,5 wird uns das nächste Jahr vom Kirchturm in Langensteinbach herab grüßen.
Christian Oehler aus Langensteinbach hat die Jahreslosung in dieses Bild umgesetzt.
 
Die Jahreslosungsfahne ist ein echter Hingucker. Wir nehmen zuerst diesen Kontrast wahr: Dunkelheit auf der einen Seite; Farbenfreude (mit nachträglich von Hand aufgetragener Goldfarbe!) auf der anderen Seite. Da ist die dunkle Seite des Gesichtes: die Haut grau, wie ein ausgetrockneter, aufgesprungener Boden; salzige Tränen aus dem geschlossenen Auge, das nicht mehr die Kraft hat, noch mehr von all dem Unheil zu sehen, das sich auf der linken Seite ereignet: klagende, graue Menschen, eine vom Sturm gepeitschte Palme, Blitze, eine brennende Stadt, davor die vier apokalytischen Reiter aus dem Buch der Offenbarung Kapitel 6 (weiß = der Antichrist; rot = Krieg; schwarz = Hunger; fahl = Tod). Es sind die Schrecken der Endzeit.

„Siehe, ich mache alles neu.“
 
Auf der rechten Seite ist Gottes neue Schöpfung. Bunt, fröhlich, ein klarer, ernster und zugleich freundlicher Blick einer Frau, verspielte, z.T. mosaikartige Ornamente, viel Gold, und ganz oben in der rechten Mitte das neue, goldene Jerusalem, das vom Himmel gekommen ist, der Ort, wo Gott selbst bei den Menschen wohnen will.
Das Auge ist bereit, zu sehen. Das Ohr ist bereit, zu hören. Der Mund (der sich über beide Gesichtshälften rot zieht) ist bereit, zu reden. Das geteilte Gesicht gibt mir auch eine Ahnung davon, dass in jedem von uns eine dunkle und ein helle Seite steckt.
 
Dieses Bild macht deutlich: das Neue hat eine ganz andere, heile Qualität, auch wenn eine Verbindung zum Alten besteht. Wenn in unserem menschlichen Tun etwas neu ist, wir z.B. ein neues Haus bauen, so ist doch dieses Neue immer auch von Anfang an der Vergänglichkeit unterworfen; in ein paar Jahren werden wir anfangen müssen, zu renovieren; und irgendwann wird das zunächst neue Haus alt sein und abgerissen werden, damit etwas anderes an seiner Stelle entstehen kann.
Gottes neue Zukunft dagegen hat kein Verfallsdatum. Diese neue Welt, die neue Schöpfung, auf die wir hoffen, dieses unbedingte Sein bei Gott, kennt nicht unsere beschränkte Zeitdimension. Wir erleben das manchmal in Momenten, die uns zutiefst freudig berühren oder erschüttern - da scheint die Zeit stillzustehen, aufgehoben zu sein. Aber meist läuft die Zeit im Sauseschritt und wir laufen mit - oder rennen ihr atemlos hinterher.
 
Unmittelbar vor unserem Vers der Jahreslosung steht die tröstliche Zusage: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.“
Erst in Zukunft wird das Weinen aufhören und der Tod nicht mehr sein. Doch dann im nächsten Vers, in unserer Jahreslosung, wechselt die Zeitform überraschend. Da steht in der Gegenwartsform: „Siehe, ich mache alles neu!“ – das wird also nicht erst in ferner Zukunft sein, irgendwann, sondern schon jetzt, heute. Gottes neue Welt hat also schon in unserer Vergänglichkeit begonnen. Gottes neue Welt wirft aus der uns versprochenen Zukunft schon sein helles Licht in unsere Zeit. Gott wirkt heilend und tröstend schon hier und jetzt - dann, in der Zukunft, wird es umfassend und von einer Qualität sein, bei der das Neue nicht mehr veralten wird.
Wir kennen ähnliches aus dem Korintherbrief 5,17: Dort schreibt Paulus: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, etwas Neues ist geworden.“
 
Auch hier: „Siehe!“. Dieses „Siehe!“ finden wir öfters in der Bibel. Wir sollen unsere Aufmerksamkeit auf Gottes Wirken lenken - nur dann können wir es wirklich wahrnehmen und uns davon beschenken lassen.
 
„Siehe, ich mache alles neu.“
 
Die Offenbarung ist um das Jahr 100 n.Chr. herum geschrieben worden und spricht in eine Zeit hinein, in der das Römische Reich seinen ewigen Bestand beanspruchte, der Kaiser als Gott verehrt werden musste und in der die Christen vielen Schrecken ausgesetzt waren. Da hat der Seher Johannes diese Vision der Hoffnung: Unsere zerrüttete Welt ist nicht die ganze Wahrheit. Es wartet eine andere Zukunft auf uns. „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde… die heilige Stadt, das neue Jerusalem.“ (Offb. 21,1-2).
 
Diese Vision der Hoffnung übersteigt unser Denkvermögen. Es ist eine Sehnsucht, die über alles Menschenmögliche hinaus denkt und hofft. Sie tut das nicht ohne Grund. Denn in ihrem Mittelpunkt steht nicht nur das himmlische Jerusalem, sondern Gott selbst, der bei seinem Volk wohnen wird, nicht mehr nur unsichtbar, sondern sichtbar und nahbar (er wird den Weinenden selbst die Tränen abwischen).
Wenn in den Evangelien vom Kommen Gottes in diese Welt durch die Geburt Jesu berichtet wird und davon, dass Jesus Macht über Sünde, Krankheit und Tod hat, so wird deutlich, dass durch Jesus schon etwas von der zukünftigen neuen Welt bei uns Gestalt angenommen hat. (Bei unserer Fahne sehen wir, dass an manchen Stellen die bunten Farben bereits in den dunklen Teil des Bildes hineinreichen.)
Diese Hoffnung auf Gottes neue gute Welt ist ein besonderer Schatz unseres christlichen Glaubens.

„Gott spricht: ‚Siehe, ich mache alles neu!‘“
 
Reinhild Prautzsch, Langensteinbach