Die Kreuzkirche in Bretten
Zu Besuch bei Melanchthon

Katholiken und Reformierte hatten sich schon lange Zeit davor die große Stiftskirche geteilt. Leider wurde die Kreuzkirche nicht einmal zwei Jahre alt: im Pfälzischen Erbfolgekrieg brannte sie bis auf die Grundmauern nieder. Erst zehn Jahre später konnte sich die Lutheraner-Gemeinde den Wiederaufbau leisten.
Sehr schön haben die Steinmetze die Renaissance-Fenstergewände der Fassade herausgearbeitet, typisch für die Erbauungszeit sind auch die blumenförmigen kleinen Fenster, Vierpass oder Vierblatt genannt, ein Zitat aus der Gotik. Im Innenraum herrschen warme Braun- und Ockertöne vor.
Auf der umlaufenden Empore aus Holz sind biblische Szenen abgebildet. Am Fuße einer der mächtigen Stützen, welche die Empore tragen, befindet sich ein kleines würfelförmiges Kollekten-Kästchen aus dem Mittelalter. Damit es sich nicht verselbständigen konnte, wurde es zur Sicherheit an die Stütze angeschmiedet und steht somit heute noch an Ort und Stelle. Auf die Empore farblich abgestimmt ist das prächtige Deckengemälde, eine illusorische Architekturmalerei, welche wahrscheinlich das himmlische Jerusalem darstellen soll.
Auch das Tryptichon an der Längsseite des Kirchenraums ist sehr sehenswert, da in seiner Thematik vermutlich einmalig: der Meister hat den berühmten Sohn der Stadt Bretten, Philipp Melanchthon, und Martin Luther an die Seite von Jesus Christus gestellt. Martin Luther hält dabei eine Gans auf dem Arm.
(Dipl.-Ing. Annabel Rogge, Kirchenbauamt)