Die Evangelische Kirche in Hohensachsen

Über fünf Ecken zu Gott

Für die ausgesprochen harmonische Wirkung ihres Innenraumes wurde die Evangelische Kirche von Hohensachsen nach ihrer letzten Renovierung in den 1990er Jahren ausgezeichnet. Noch etwas macht das Gotteshaus des kleinen Ortes, kurz vor Weinheim an der Bergstraße gelegen, zu etwas Besonderem: sein fünfeckiger Grundriss.

Quelle: team360 / businesspano / baden360

Schon 1730 stand an gleicher Stelle eine Kirche. Daran erinnert ein alter Torbogen mit dieser Jahreszahl im Inneren der Kirche. Dieser Torbogen wurde auch in der Kirche von 1792 mit verbaut, die etwa 150 Jahre das Ortsbild des damaligen Dorfes Hohensachsen prägte. Im Laufe der Zeit wurde die alte Kirche immer wieder restauriert und renoviert. Die letzte Renovierung von 1954 war gerade abgeschlossen, da geschah am 9.7.1956 das Unfassbare: Die alte evangelische Kirche von Hohensachsen wurde ein Raub der Flammen. Orgel und Glocken wurden vernichtet und es blieb nur eine Ruine übrig.


Nach längeren Überlegungen entstand die heutige Kirche an alter Stelle. Statt der vormaligen Längsausrichtung wählte der Architekt, Kirchenoberbaurat Hermann Hampe (1904 – 1970), eine Querausrichtung der Kirche. Die Grundfläche ist ein Fünfeck und in der sich öffnenden Ecke des Fünfecks wurde der Altarraum gestaltet. Links und rechts davon wurden Taufstein und Kanzel positioniert. Die vier großen Kirchenfenster über dem Altarraum zeigen die fünf Hauptstücke des lutherischen Katechismus: Die 10 Gebote, das Glaubensbekenntnis, Taufe und Abendmahl und das Vaterunser. Die Kirchenfenster wurden gestaltet durch den Heidelberger Künstler Harry Mac Lean. Bemerkenswert ist das Ziegelmauerwerk in den Tönen gelb über rot und orange. Auf dem Fußboden wurden ebenfalls rote Fliesen verlegt. Dunkles Holz an den Geländern und an Kanzel und auch Bänke im dunklen Holz vermittelten eine warme und bergende Atmosphäre. Am 17. Dezember 1960 konnte die neue evangelische Kirche in Hohensachsen feierlich eingeweiht werden. Zu erwähnen sind noch die Steinreliefs in den beiden Eingangsbereichen die vom Bildhauer Edzard Hobbing gestaltet wurden.

Nach 45 Jahren traten einige funktionale Mängel auf. Vor allem die elektrische Heizanlage war veraltet. Da die Erneuerung der Heizanlage wesentlich den Fußboden betraf, wurde eine Gesamtinnenrenovierung der Kirche ins Auge gefasst. Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau, die guttatsweise baupflichtig ist, beteiligte sich mit einer hohen Summe an der Renovierung, ebenso bekam die Kirchengemeinde Mittel vom Evangelischen Oberkirchenrat zur Bausanierung und -unterhaltung zugewiesen. Das Heidelberger Architekturbüro Kessler de Jonge war ein idealer Partner des Kirchengemeinderates und der Pflege Schönau. Gemeinsam konnte eine zeitgemäße Gestaltung der Kirche im Jahr 2008 realisiert werden. Von der Architektenkammer Baden-Württemberg wurde die durchgeführte Renovierung mit der Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen im Rhein-Neckar-Kreis 1999 – 2009“ ausgezeichnet. Im Begründungstext dazu heißt es: „Die Renovierung der Kirche ist mit einer harmonischen Materialkomposition sehr gelungen. Durch die Beschränkung auf wenige Materialien sowie durch kaum wahrnehmbare fließende Übergänge zwischen Alt und Neu entstand ein würdiger Kirchenraum, in dem sich die Bausubstanz der 1950er Jahre mit dem jüngsten Eingriffen in hervorragender Weise verbindet.“

Mit der Renovierung ist ein besonders heller und freundlicher Kirchenraum entstanden, der einen sehr einladenden Charakter in sich trägt. Die Kirche stellt sich als ein „Haus mit offenen Türen“ dar, in dem die Menschen, die hier Besinnung und Stärkung suchen, einen schönen und ansprechenden Raum finden.

Ein Nebenraum zur Kirche wurde ebenfalls grundlegend saniert und dient als Gemeinderaum für die Kirchengemeinde.

 

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