Die Stadtkirche in Karlsruhe
Bischofskirche der Evangelischen Landeskirche in Baden



Weinbrenner, dessen sterbliche Überreste sich in der Krypta der Stadtkirche befinden, gestaltete sie in Anlehnung an einen antiken griechischen Tempel. Damit fügt sie sich vorzüglich in die sie umgebende Fassadenkulisse am Karlsruher Marktplatz ein, der mit seinen zahlreichen Bauten im „Weinbrenner-Stil“ zu den markantesten klassizistischen Platzanlagen in Europa zählt. Auf dem über 60 Meter hohen Glockenturm hatte der städtebaulich sehr engagierte badische Großherzog Karl Friedrich höchstselbst bestanden.
Der Großherzog war es auch, der der Stadtkirche die Orgel der Villinger Stiftskirche von Johann Andreas und Johann Daniel Silbermann von 1751 schenkte. Das Instrument wurde mehrfach umgebaut und erweitert, bis es der Zerstörung im 2. Weltkrieg zum Opfer fiel.
Die Einweihung der Stadtkirche erfolgte am Pfingstsonntag, 2. Juni, des Jahres 1816. Ihren ersten „großen Auftritt“ hatte sie fünf Jahre später, als Schauplatz der Verabschiedung der Unionsurkunde für die Evangelische Landeskirche in Baden.
Auferstanden …
Am 27. Mai 1944 wurde die Karlsruher Stadtkirche bei Fliegerangriffen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte innerhalb von sieben Jahren nach den Plänen des damaligen Leiters des Staatlichen Hochbauamtes, Horst Linde. Eine neue Orgel mit 72 Registern in vier Manualen und etwa 4500 Pfeifen kam von der Firma Steinmeyer in Oettingen. Eingeweiht wurde die neu errichtete Kirche am 30. November 1958 vom damaligen Landesbischof Julius Bender. Entsprechend der Tradition ist der Bauherr das Land Baden-Württemberg, Betrieb und Inneneinrichtung obliegen der Kirchengemeinde.
Während man sich bei der Rekonstruktion von Außenfassade, Glockenturm und Turmengel am ursprünglichen, klassizistischen Erscheindungsbild orientiert hatte, war der Innenraum entsprechend dem Baustil der 1950er Jahre neu gestaltet worden – lichter, weiter, mit einem Durchbruch der Stirnwand, in der heute der Altar steht, und mit leichten Säulen statt der ursprünglichen korinthischen Säulen. Die Decke ist gewölbt statt der ursprünglichen Kassettendecke. Moderne Materialien wie Stein, Beton, Holz, Stahl und Leder kamen zur Verwendung.
Ein Ort für Spiritualität – und Kultur
In der Stadtkirche versammeln sich die evangelischen Gemeinden aus der Karlsruher Alt- und Mittelstadt. Einmal im Monat predigt hier Landesbischof. Daneben bietet die Stadtkirche ein reiches Kulturprogramm. Die Krypta, ursprünglich Grablege der Großherzoglichen Familie (die Särge wurden 1946 in das Mausoleum im Fasanengarten überführt), wurde 1991 zum Ausstellungsraum umgebaut. Regelmäßig finden hier Kunstschauen und Ausstellungen statt – seit einigen Jahren sind dort immer in der Adventszeit Krippenausstellung zu sehen.
Mit der Steinmeyer- und der elsässischen Rémy-Mahler-Orgel sowie mit ihren ausgezeichneten Chorgruppen unter Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser gilt die Stadtkirche außerdem als bedeutendes kirchenmusikalisches Zentrum der Region. Besondere Gottesdienstkonzerte und nicht zuletzt der Internationale Orgelsommer Karlsruhe (jedes Jahr im Juli und August) locken regelmäßig zahlreiche Kirchenmusikfreunde von Nah und Fern in die Fächerstadt.
Und auch für die kleinen Kirchgänger hat die Karlsruher Stadtkirche einiges zu bieten – das Programm reicht vom Kindergottesdienst über verschiedene spannende Freizeit-Angebote bis hin zur Hausaufgabenbetreuung.
(Judith Weidermann)
www.stadtkirche-karlsruhe.de
de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Stadtkirche_Karlsruhe