Die Schlosskirche in Mahlberg
Eine Kirche mit acht Ecken
Sie hat acht Ecken. Acht war damals die Super-Zahl: Friedrich II., der große Stauferkaiser, der am 23.11.1218 in Mahlberg war - vielleicht auch in unserer Kirche - war ein Achtzahl-Fan.
Die Acht-Gestalt (Oktogon) bedeutet symbolisch: Ewigkeit oder auch Auferstehung. Wer sich in ihr befindet, steht an der Schwelle von Zeit und Ewigkeit. Er nimmt teil an der Auferstehung, am ewigen Leben Christi.
Im Zeitalter der Reformation, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, wurde Mahlberg evangelisch, hatte eigene Pfarrer (Altenmahlberg) und war ab 1624 im Nachbarort Kippenheim eingepfarrt, ebenfalls die Schlosskapelle, die der Besatzung und Beamtenschaft der Burg zugeordnet war. 1629 – im dreißigjährigen Krieg kam die Stadt unter die katholische Herrschaft des Hauses Baden-Baden, dessen Amtmänner nun auf dem Mahlberger Schloss residierten. In den folgenden Jahren hatten Stadt und Kapelle immer wieder unter Zerstörungen und Brandschatzungen zu leiden. Erst nach dem Krieg, 1687 konnten die Schäden beseitigt werden.
1734 erhielt die Kirche ihre heutige barocke Gestalt. Ihre Mauern wurden aufgestockt, die Fassade stuckiert, Scheingewölbe eingezogen, eine neue Orgel von dem Orgelbauer Merkel aus Straßburg angeschafft, der schmucke Uhrengiebel errichtet. Drei Heilige - Josef, Katharina, Jakobus - umgeben das Zifferblatt und erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens und die Kostbarkeit der geschenkten Zeit.
Die jetzige, innere Raumschale entstand 1762 und wurde am Hof des Markgrafen in Rastatt geplant: Die strenge mittelalterliche Oktogonkirche wurde geliftet, in die Ecken virtuelle Säulen gestellt. Eine weite, offene Säulenhalle entstand, mit lichten Farben, wertvollen Stuckaturen, einer prächtigen Kanzel, engelbestückt, mit einem – leider verlorenen –Hauptaltar, mit acht Bildern aus dem Leben der Heiligen Katharina von Alexandrien des Tiroler Malers Johann Pfunner, einem großen Deckengemälde mit der Himmelfahrt Katharinas, das schon früh zerstört wurde und 1994 ersetzt wurde durch die Darstellung eines dämmernden Morgens, als Bild für unsere Existenz zwischen Dunkel und dem Licht der Gnadensonne Christus.
Über dem Chor das mächtige Allianzwappen des Hauses Baden-Baden, dessen Regierungszeit in Mahlberg allerdings nur noch wenige Jahre dauern sollte.
Denn schon 1771 ging das Reichslehen Mahlberg von den katholischen Markgrafen per Erbvertrag von 1765 an den evangelischen Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach über. 1803 wurden durch Napoleon und Karl Friedrich kirchliche Güter säkularisiert. Ein gewaltiger Ruck ging durch die damalige Gesellschaft. Politische Reformen, die auch die Kirchen umfassten, wurden angedacht und umgesetzt.
Mahlbergs Bürger, die seither allzusehr im Schatten des Burgbergs gelebt hatten, wollten selbständiger werden und auch in Glaubensdingen eigene Verantwortung übernehmen: Beide Konfessionen richteten an die staatlichen Behörden das Gesuch, eigene Gemeinden zu bilden, was schließlich auch genehmigt wurde. An Silvester 1803 erhielten die Evangelischen von der badischen Regierung die Schlosskirche - aus einer badischen Staatskapelle war nun die evangelische Gemeindekirche geworden. Die staatlichen Fassadenfarben Gelb-Rot-Gelb blieben allerdings noch für längere Zeit badisch - und sind es heute wieder.


