Die Stiftskirche in Mosbach

Eine geöffnete Kirchentür ist ein deutliches Zeichen

Sie lädt ein hineinzukommen, sich umzuschauen, vielleicht auch Neues oder gar Fremdes wahrzunehmen und kennen zu lernen. Eine offene Tür zeigt mir: Ich bin willkommen! Ganz egal, wer ich bin, ganz egal, woher ich komme und wie es mir geht. Eine offene Tür macht auch neugierig auf das, was sich hinter ihr verbergen mag: neue Eindrücke, neue Begegnungen, vielleicht auch neue Erfahrungen.

Quelle: team360 / businesspano / baden360

So unterschiedlich wie die Interessen, eine Kirche zu besuchen, so unterschiedlich sind die Kirchen selbst. Seit mehr als 10 Jahren ist die Tür der Stiftskirche im Sommerhalbjahr (Mai – Oktober) an den Werktagen (Montag- Freitag) für 4 Stunden (13 Uhr – 17 Uhr) geöffnet und lädt Menschen aller Generationen dazu ein, sich mitten im Alltag eine „Auszeit“ zu nehmen und einfach einmal „auf einen Sprung“ hereinzukommen: vor dem Einkauf, nach der Arbeit, in der Mittagspause. Ein Angebot, das gern von Einheimischen und Gästen aus der Nähe und Ferne wahrgenommen wird. Der Kirchenraum der Stiftskirche wird in seiner klaren Gestaltung und Ruhe als einzigartig empfunden. Er lädt ein zur Begegnung mit Gott und regt zum Nachdenken über den Glauben an.

Geschichte der Stiftskirche

Die Kirche am Markt- bzw. Kirchplatz entstand in mehreren Bauabschnitten zur Zeit der Gotik. Sie steht auf dem Platz eines früheren Benediktinerklosters, das im Jahre 976 urkundlich erwähnt wird und sicher auch schon zu dieser Zeit eine Kirche besaß. Die jetzige Teilung der Kirche durch eine Trennwand in einen evangelischen und einen katholischen Teil wurde 1708 von dem damaligen Kurfürsten angeordnet, so dass wir heute noch eine getrennte Simultankirche haben.

Besonders erwähnenswert in der Stiftskirche sind die spätgotische Kanzel und der Opferstock, sowie verschiedene Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Kirchengeschichtlich interessant sind weiterhin verschiedene Grabplatten, von denen die älteste gleich rechts an der Eingangstür aus dem Jahr 1312 stammt. Bei der Renovierung 1994/1995 wurde eine Grab freigelegt, dessen Besitzer identifiziert werden konnte. Unter den Grabplatten nimmt die bronzeüberzogene Grabplatte der Pfalzgräfin Johanna (gest. 1444) kunstgeschichtlich einen besonderen Platz ein. Sie ist im katholischen Chorteil neben der spätgotischen Kanzel aufgestellt. Die katholische Kirche St. Juliana wurde in den Jahren 2001/2002 grundlegend renoviert. Sie erhält ihr Licht durch die 7 hohen gotischen Maßwerkfenster. Sehenswert sind auch die spätgotischen Schnitzaltäre und die Pieta, die teilweise aus dem 1808 aufgelösten Franziskanerkloster stammen. Die Kirche besitzt eine romantische Orgel aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ebenfalls restauriert wurde.

Die ehemalige Stiftskirche St. Juliana in Mosbach - die katholische Seite

Wenn heute zum katholischen Gottesdienst in St. Juliana die evangelischen Glocken der Stiftskirche läuten, so ist das für die Mosbacher Bevölkerung Alltag. Doch die Kirche am Mosbacher Marktplatz in der Innenstadt wurde erst durch die Reformation in der Kurpfalz 1564 ihrer ursprünglichen Funktion als kath. Stiftskirche enthoben und 1708 durch einen "Mauerbau", der den katholischen Teil vom evangelischen Teil der Kirche trennte, in ihre heutige Form mit zwei Konfessionen unter einem Dach gebracht.

Als 1698 eine simultane Nutzung des Kirchenraums durch Protestanten und Katholiken eingeführt wurde, sorgte dies für Unmut. Kurfürst Wilhelm verfügte am 30.05.1706, dass die Katholiken den Chor nutzen durften und den Protestanten das Kirchenschiff zugesprochen wurde. 1708 wurde eine Trennmauer auf dem Lettner errichtet, so dass der protestantische vom katholischen Teil definitiv seit dieser Zeit getrennt ist und ein neuer kath. Eingang notwendig wurde.

Die vor über 300 Jahren errichtete Trennwand zwischen Katholiken und Protestanten ist heute ein Denkmal kurpfälzischer Vergangenheit, zugleich aber auch die dauernde Mahnung, aus dem konfessionellen Gegeneinander ein christliches Miteinander werden zu lassen.
Beide Kirchen bieten durch ihre Bestuhlung flexible Möglichkeiten, Gottesdienste zu feiern, doch zeigen sich zwei völlig unterschiedliche Kirchenräume bei einer Besichtigung.

Getrennte Räume – gemeinsam getragene Aktionen

Zwei Konfessionen unter einem Dach: Da kann es passieren, dass im evangelische Teil der Posaunenchor den Gottesdienst gestaltet und im kath. Teil zur gleichen Zeit eine Orchestermesse gefeiert wird, so z.B. bei der Altarweihe in St. Juliana 2003. Doch dies ist möglich, da die Trennwand zwischen den Kirchen gut (Schall-)isoliert ist. Doch diese Isolierung bezieht sich nicht auf das Miteinander der beiden Konfessionen.

Nach 300 Jahren haben die evangelische und katholsche Gemeinde ein bundesweit beachtetes ökumenisches Zeichen gesetzt und eine Tür in die Trennmauer der Stiftskirche-St.Julaina gebrochen. Die Zeit war reif dafür und am 27. Juli 2008 ist die "Tür der Ökumene" erstmals aufgegangen. Die beiden Gemeinden sind jetzt herausgefordert, ökumenische Anlässe zu finden, um ihre ökumenische Tür für Gottesdienste, Vorträge und Ausstellungen zu öffnen.



www.evang-stiftsgemeinde-mosbach.de
de.wikipedia.org/wiki/Stiftskirche_St._Juliana_(Mosbach)

 
 

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74821 Mosbach