Die Totenkirche und Stadtkirche in Neckarbischofsheim
Ritterstadt im Kraichgau



Die Totenkirche
Die Totenkirche wurde im Jahr 1329 zum ersten Mal in Zusammenhang mit Raban I. von Helmstatt urkundlich erwähnt. In diesem Jahr tauschte er sein Patronatsrecht an der damals als Pfarrkirche genutzten kleinen Kirche gegen fünf Höfe in der Nachbarschaft ein. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Pfarrkirche St. Johann zur Grablege der Adligen. Innerhalb der umfangreichen Umbauarbeiten wurden Gruft und Langhaus erweitert, eine Empore eingebaut und an der neuen Decke folgende Inschrift angebracht: "O Mensch bedenck die Stuntt wenn du auff dissen Gottesacker kumest so gedenck nit das du wirst gewis hinabkomest dan es stet alles in Gottes Willen dan Gottes Wort bleibt ewig stehn." Nach diesem Umbau nannten die Bewohner von Neckarbischofsheim die Kirche nunmehr schlicht "Todtenkirch".
Viele der in der Außenwand eingelassenen mittelalterlichen Epitaphien sind inzwischen durch Wind und Wetter stark angegriffen. Die in den 70er Jahren durch die Denkmalpflege noch abgelehnten Dachrinnen sind inzwischen genehmigt und werden in der Zukunft den Schlagregen von den wertvollen Grabplatten fernhalten. Die älteste Grabplatte von Raban II. aus dem Jahr 1343 ist im Inneren der Kirche zu bewundern. Eindrucksoll ist auch die alte Empore aus massiven Eichenprofilen, ebenso wie die vielen Malereien an den Wänden, welche teilweise noch in recht gutem Zustand sind. Wunderschön sind die Chormalereien mit verschiedenen biblischen Motiven, die Heiligendarstellungen in den Fensternischen und eine überlebensgroße Christopherusfigur auf der Nordwand. Dass es adlige Stifter gegeben haben muss, lässt sich an der außerordentlichen Qualität der Malereien und der Verwendung von sehr teuren Farbpigmenten ablesen. So wurde der Edelstein Lapislazuli zu kobaltblauem Pulver verrieben.
Da eine Heizung fehlt, wird die Kirche nur in den Sommermonaten für Gottesdienste genutzt. Wer sie im Winter besichtigen möchte, sollte sich an die Evangelische Kirchengemeinde wenden.
Die Stadtkirche
In Sichtweite der Totenkirche steht die Stadtkirche auf den Fundamenten der ehemaligen Marienkapelle, welche 1386 durch Wiprecht den Alten gestiftet wurde. Da spätere Generationen die Kapelle als nicht mehr zeitgemäß empfanden, ließen sie das Langhaus abreißen. Vielleicht ist das kleine Weihwasserbecken, welches bei der letzten Renovierung im Bereich des Kreuzes gefunden wurde, ein letzter Zeuge aus der Erbauungszeit?
Mit dem Neubau des Langhauses und der Umgestaltung der Türme wurde 1610 der Baumeister Jacob Müller beauftragt, welcher sich hauptsächlich im Kreis Heilbronn einen Namen machen konnte. Dieser Künstler, der Steinmetz gelernt hatte, verzichtete auf ein eigenes Steinmetzzeichen, da dieses offensichtlich schon zu seinen Lebzeiten zu oft kopiert wurde. Stattdessen verzierte er als Erkennungszeichen viele seiner Werke mit üppigen Früchtebündeln aus Stein. Die Kirche ist ein Gesamtkunstwerk der Spätrenaissance, Inneres und Äußeres bilden eine künstlerische Einheit. Als Verneigung vor seinen "altvorderen" Baumeistern sind zwei strenge gotische Fenster in die ansonsten verspielte Fassade eingelassen.
Mit ihrem Langhaus-Turm-Konzept ist die "Erlöserkirche", wie sie nach ihrer Einweihung genannt wurde, eine der ältesten typisch evangelischen Kirchen. Wunderschön ist die Predigt-Kanzel, welche auf einem schlanken Fuß aus Sandstein ruht. In ihre Brüstung aus Alabaster sind acht Mädchenfiguren eingelassen, welche die christlichen und weltlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Mäßigung, Stärke und Klugheit verkörpern. Dazwischen Evangelisten und Apostel, wer genauer hinsieht, erkennt das Antlitz Martin Luthers in der Lukasdarstellung.
Während der Restaurierung im Jahr 1984 traten Funde aus verschiedenen Bauzeiten zutage: Abschlusssteine, Kreuzkuppelgewölbebögen, Taufbecken, Altar und Fresken. Die Fresken an den Wänden waren so bruchstückhaft, dass auf eine Rekonstruktion verzichtet wurde. Als "Fenster in die Vergangenheit" sind sie jedoch teilweise auf den Wänden erhalten. Ein weiteres Fenster in die Vergangenheit ist am Fuß der Kanzel zu finden, welcher durch die vielen Umbauten und neuen Fußbodenbeläge schon längst im Boden versunken wäre, hätte man nicht einen kleinen Graben um ihn freigelegt, der den Blick auf die verschiedenen Bodenaufbauten der Jahrhunderte freigibt.
Die Zehntscheune
Haben Sie noch Ausdauer für mehr "Kleinodien"? Dann besuchen Sie doch das neue Evangelische Gemeindehaus in der Zehntscheune aus dem Jahr 1570, die direkt neben der Stadtkirche steht. Vom Schlussstein des Portals wird der Besucher vom Wappentier der Neckarbischofsheimer, einem schwarzen Raben, beäugt. Vom großen Saal kann man auf den Vorplatz des Neuen Schlosses blicken.
Das Alte Schloss
In dem Park dahinter ist das Alte Schloss eingebettet. Dort sind die Ausstellung "Ritter im Kraichgau" und eine Dokumentation über die ehemalige jüdische Gemeinde von Neckarbischofsheim untergebracht, die durch den "Verein für Heimatpflege" mit großem Engagement betreut werden.
(Dipl.-Ing. Annabel Rogge, Kirchenbauamt)
www.ev-kirche-neckarbischofsheim.de
de.wikipedia.org/wiki/Stadtkirche_St._Salvator_(Neckarbischofsheim)
de.wikipedia.org/wiki/Totenkirche_(Neckarbischofsheim)