Die Evangelische Kirche in Sulzfeld

Kirchenrenovierung in Eigenleistung

An der Sulzfelder Kirche nagte der Zahn der Zeit. 2011 ist sie 125 Jahre alt geworden – und diese Jahre hatten, wie das eben so üblich ist, ihre Spuren hinterlassen. „Zum Beispiel hatten die Wände Risse und der Boden war an manchen Stellen feucht“, erinnert sich Pfarrer Jürgen Fränkle an die notwendig gewordenen Renovierungsarbeiten. Bevor aber mit der Innenraumsanierung begonnen werden konnte, musste die Kirche zunächst ein neues Dach sowie einen frischen Außenputz bekommen. Das war im Jahr 2010. Schon damals war die ehrenamtliche Unterstützung durch fleißige Helfer und großzügige Geldspenden aus der Gemeinde bemerkenswert. Was die Gemeindemitglieder im Jahr darauf bei der Innenraumsanierung geleistet haben, hat das jedoch noch weit übertroffen.

Ehrenamt, das sich selbst übertrifft

„2011 stand unser großes Jubiläum an, und da wir gerade so ein engagiertes Team beisammen hatten, haben wir beschlossen, die Innenraumsanierung nicht auf die lange Bank zu schieben“, berichtet Rolf Krüger, Inhaber einer Zimmerei und stellvertretender Kirchengemeinderatsvorsitzender.

Was die kleine Kraichgau-Gemeinde in den darauf folgenden vier Monaten geleistet hat, kann sich sehen lassen: Über 60 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – darunter Handwerker vor Ort, rüstige Rentner, Mitglieder von Kirchen- und Posaunenchor und die Konfigruppe – renovierten „ihre“ Kirche von Grund auf: Sämtliche Bodenbeläge wurden erneuert, die Wände gestrichen und die Deckenornamente restauriert; „ein Ruheständler hat quasi im Alleingang alle 48 Kirchenbänke grundiert und in der ursprünglichen Kammzugtechnik frisch bemalt“, berichtet Rolf Krüger.

Zwischen Mai und September 2011 wurde in der Sulzfelder Kirche jeden Samstag gehämmert, gefliest, gegipst und gestrichen. Die Handwerksbetriebe brachten nicht nur ihre „Manpower“ ein, sondern stifteten auch Baumaterialien. Das Vesper wurde nicht selten vom örtlichen Bäcker, Metzger und dem Getränkehändler gestiftet – und einmal auch gemeinsam am „Tisch des Herrn“ eingenommen. „Den Kirchenraum mal so unmittelbar zu erleben, anstatt immer nur heilig und entfernt, das war schon was Besonderes“, erinnert sich Rolf Krüger. „Außerdem sind viele neue Kontakte für die Arbeit in unserer Gemeinde entstanden.“

Eine Welle der Gemeinschaft kommt ins Rollen

Frei von Zweifeln war das Projekt „Kirchenrenovierung“ natürlich nicht. Würde alles rechtzeitig zur Jubiläumsfeier am 25. September fertig werden? – Würde das Budget ausreichen? – Würde das Engagement der Helferinnen und Helfer auch nicht nachlassen? Aber es wurde schnell klar, dass sich die Sulzfelder keinerlei Sorgen machen mussten, im Gegenteil: „Einmal mobilisiert, kamen die Leute immer wieder – und brachten ihrerseits oft sogar neue Helfer mit“, sagt Rolf Krüger, der viele seiner Handwerker-Kollegen für die ehrenamtliche Aktion gewinnen konnte. Zahlreiche Kirchenferne hätten außerdem das Team verstärkt, „sogar“ Katholiken. Im Kielwasser solch sichtbaren Engagements unterstützten nicht nur private Spender, sondern auch die örtliche Sparkasse und die politische Gemeinde die Arbeiten an der Kirche mit großzügigen Geldspenden.

Rund 400.000 Euro hat die Innenraumsanierung der Sulzfelder Kirche verschlungen. Ein gutes Drittel davon konnte durch freiwillige Spenden – und vor allem dank der ehrenamtlichen Arbeit gedeckt werden, so Jürgen Fränkle. „Es gibt wahrscheinlich außer uns nicht viele Gemeinden, die nach der Kirchensanierung keine roten Zahlen schreiben“, schätzt der Pfarrer.

Die eindrücklichste Erfahrung des Projekts ist aber nicht das gesparte Geld. „Die Leute hier sind so stolz auf das, was wir geschafft haben“, beschreibt es Fränkle, „dadurch ist hier eine ganz neuen Art von gemeindlicher Gemeinschaft entstanden.

(Judith Weidermann)
 
 
 
 
 

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