Die ehemalige Klosterkirche St. Cyriak in Sulzburg
Tausend Jahre Frömmigkeit
Romanische Schlichtheit fasziniert noch heute
Obwohl über 1000 Jahre wechselvoller Geschichte mit Zerstörung und zahlreichen Umbauten ihre Spuren an St. Cyriak hinterlassen haben, spiegelt sie eindrucksvoll ihre ursprüngliche, romanische Schlichtheit wider, bei der – wohl aus Kostengründen – vollkommen auf Steinmetzarbeit verzichtet und lediglich auf Maurerarbeit gesetzt wurde: Die dreischiffige Basilika – die Urform romanischen Kirchenbaus – wird von einer flachen Kassettendecke und zwei massiven Pfeilerreihen dominiert, die die Seitenschiffe vom Mittelschiff abtrennen. Zwar stammt die heutige Holzdecke aus dem 16. Jahrhundert, lehnt sich aber stilistisch an die ursprüngliche Form an. Bis auf drei in späterer Zeit gotisierte Fenster zeigen alle Fenster in St. Cyriak die typisch romanische Rundbogenform.
Unter dem deutlich erhöhten Chor befindet sich die Krypta, die von nur einer einzigen Mittelsäule getragen wird. Sie wurde erst nachträglich eingebaut, diente aber offenbar nie als Grablege.
Im reizvollen Gegensatz zu der massiven Architektur des Gebäudes stehen der helle Putz und die Reste zarter spätmittelalterlicher Fresken in der Krypta sowie an den Wänden des Kircheninnenraums. Auch die Rundbögen der Pfeilerreihen sowie der Fenster zieren umlaufende gelb-blau-rote Bänder, unterhalb der Decke verläuft ein optisch interessantes geometrisches Fries. Die fragmentarische Erhaltung der Bemalung zeugt nicht zuletzt davon, dass St. Cyriak im dreißigjährigen Krieg stark gelitten hat, zeitweise als landwirtschaftlicher Speicherraum dienen musste – und im 19. Jahrhundert nur noch als verfallenes Mittelschiff mit Apsis und Turm existierte. In den 1960er Jahren erhielt die Kirche nebst einer ersten Renovierung ihre beiden Seitenschiffe wieder. Im Zuge der letzten aufwändigen Kirchenrestaurierung im Jahr 2009, die insgesamt 1, 4 Millionen Euro verschlang, wurden unter anderem Putz und Bilder sorgfältig gereinigt und konserviert.
Aus dieser Zeit stammen auch das Altarkreuz, der Taufstein und die Kanzel aus der Werkstatt des Bildhauers Rolf Bodenseh, die nahezu einzigen modernen Ausstattungsstücke von St. Cyriak. Mehrere Grabtafeln aus dem 16. und 17. Jahrhundert befinden sich an den Wänden der Seitenschiffe, waren ursprünglich aber wohl an den Außenseiten der Kirche angebracht. Von der Südwand blickt eine Statue der Heiligen Katharina ins Mittelschiff.
Ein Denkmal mit höchstem Schutzstatus
Nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) wurde St. Cyriak ausschließlich evangelische Pfarrkirche. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, als der komplette ehemalige Klosteranbau einem Brand zum Opfer fiel, steht das Gebäude für sich allein. Ein segnender Christus empfängt den Kirchgänger oberhalb des Eingangs aus einer Nische in der Außenwand des Turms.
St. Cyriak steht unter besonderem Denkmalschutz und wurde 2009 in die höchste Kategorie der schützenswerten nationalen Baudenkmäler Deutschlands erhoben. Ein Besuch ist jedoch nicht nur aus kulturhistorischer Sicht lohnenswert: Die gesamte Anlage, schön und ruhig gelegen, direkt an den sanften Hängen des Markgräflerlands und umgeben von einem licht angelegten Friedhof ist in ihrer idyllisch-spirituellen Erhabenheit wohl einmalig.


