Die Lukaskirche in Karlsruhe

Oktogon und Campanile

  
Lukaskirche - Karlsruhe_Blick auf Gebäude ohne Turm
Lukaskirche - Karlsruhe_Blick auf Altar und Kanzel
Lukaskirche - Karlsruhe_Blick in die Kirche
Lukaskirche - Karlsruhe_Blick_Eingang_Orgelempore
Lukaskirche Karlsruhe
Schon von weitem sieht man den Turm der Lukaskirche an der Ecke Seldeneckstraße/Hagenstraße in Karlsruhe. Das Niveau ist um zwei Stufen erhöht und dadurch aus dem Straßenraum herausgehoben. Der Glockenturm steht als Campanile getrennt vom Kirchengebäude an der Straßenecke, der Grundriss des Gebäudes aus Stahlbeton ist ein regelmäßiges Achteck.

„Die Lukaskirche ist in ihrer modernen Sachlichkeit ein charakteristischer Bau der Sechziger Jahre“, schreibt die Kunsthistorikerin Dr. Kathrin Ellwardt.

Die Anfänge der Lukaspfarrei liegen über 100 Jahre zurück: Die Pfarrstelle ging aus einer Vikariatsstelle hervor, die 1908 an der Karl-Friedrich-Gedächtniskirche eingerichtet wurde. 1928 erhob die Kirchenleitung das bisherige Vikariat zur zweiten Mühlburger Pfarrei und gab ihr den Namen Lukaspfarrei. Die Gottesdienste wurden bis zum Bau des eigenen Kirchgebäudes jedoch immer in anderen Kirchen gehalten.

Den ersten Bauantrag stellte der Ältestenkreis 1956. Gleichzeitig sammelte man Spenden in der Gemeinde. Im Herbst 1960 nahmen die Planungen konkrete Formen an, der Karlsruher Architekt Erich Rossmann erhielt den Auftrag. Der Grundstein wurde im Rahmen des Sommerfestes am 7. Juli 1963 gelegt. Wer genau hinschaut, kann ihn noch heute in der Südwestwand entdecken. Die feierliche Einweihung der neuen Lukaskirche beging die Gemeinde am vierten Adventssonntag 1964.

Der achteckige Außenbau und der Grundriss der Lukaskirche weisen Parallelen zur Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf. Wie das Gestänge eines Zeltes laufen die acht Träger des Betonskeletts in der Mitte der Decke zusammen. Die 1961 von Egon Eiermann vollendete Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hat ebenfalls das regelmäßige Oktogon als Grundrissform. Der frei stehende Turm und der Sakristei-Anbau, den nur ein gedeckter Laufgang mit der Kirche verbindet, sind in Berlin ebenfalls achteckig. Auch Rossmann hatte in seinem Wettbewerbsentwurf für die Lukaskirche ursprünglich einen achteckigen Campanile und ein separates Sakristeigebäude vorgesehen. Vergleichbar ist ferner die Auflösung der Wände in ein Raster aus quadratischen Glasbausteinen. Das Wettbewerbsmodell für die Lukaskirche zeigt somit noch deutlichere Ähnlichkeit mit der Gedächtniskirche als der ausgeführte Bau. Eine besondere Lebendigkeit gewinnt der ansonsten sehr geometrische Baukörper durch die Berankung mit wildem Wein, die Farbe und Dichte mit dem Wechsel der Jahreszeiten ändert.

Das schwere sechsteilige Portal aus Gusseisen, das 1965 eingebaut wurde, zieren Worte der Bibel. Ihr großes Gewicht machte die Türflügel jedoch sehr schwergängig.
Im Jahr 2017 wurde eine elektrische Glasschiebetür hinter die Portaltüren eingebaut. So kann die Tür geöffnet bleiben, ohne dass das Kircheninnere auskühlt. Dadurch ist die Kirche nun auch barrierefrei zugänglich.

Durch einen kleinen Vorraum gelangt man in den Kirchenraum. Der Altar steht auf einem ringsum freien runden Podest. Die Kanzel zur Rechten und der Taufstein zur Linken des Altarpodests bilden die drei Zentren des gottesdienstlichen Handelns. Die Orgelempore und die Bankreihen nehmen den Winkel des Achtecks auf. Dadurch versammelt sich die Gemeinde von drei Seiten um das Altarpodest.
Die oberen zwei Drittel der Wände lösen sich in ein Netz von quadratischen Glasbausteinen auf, das gedämpftes Licht von allen Seiten einfallen lässt.

Die Kerzenecke im linken hinteren Bereich der Kirche lädt zum ruhigen, meditativen Verweilen ein. Das ganze Jahr über werden beinahe täglich Lichter in der Kerzenschale entzündet. Menschen verweilen, werden still, gedenken, beten oder sind einfach da.

Im Rahmen des Jubiläums 2014 wurde eine Kinderecke auf der rechten Seite neben der Eingangstür eingerichtet. Eine blaue Magnetwand bietet seither Platz für die Namen der neuen Taufkinder. Kleine Sitzbänke mit Tischen geben Kindern im Gottesdienst die Mög-lichkeit, zu malen oder zu basteln.
Als Gegenstück zur ‚Blauen Wand‘ wurde eine ‚Rote Wand‘ hinter der Kerzenschale installiert. Die Glaswand eröffnet den Raum und verdeckt gleichzeitig den Treppenaufgang.
Schon seit 1996 hat die Kirche ein Loch. Die Künstlerin Michaela Kölmel schuf dieses leicht zu übersehende Kunstwerk. Das ‚Loch in der Kirche‘ ist ein Kupferrohr, das in die Südwestwand eingelassen wurde. Es verbindet das Außen mit dem Innen, gestattet den Blick von innen hinaus und von außen in die Kirche hinein; doch macht es innen nur einen kleinen Ausschnitt sichtbar. Was sich um diesen Ausschnitt herum befindet, bleibt der Erinnerung oder der Vorstellungskraft der Hindurchschauenden überlassen. Ein Blick von beiden Seiten lohnt sich!

Wir danken Dr. Kathrin Ellwardt für ihre freundliche Genehmigung der Texte!

Literaturnachweis
Ellwardt, Kathrin: Ein eigenes Gotteshaus für die Lukasgemeinde: Der Kirchenneubau von 1963 – 1964, in: 50 Jahre Lukaskirche Karlsruhe 1964 – 2014, hrsg. v. d. Evangelischen Lukasgemeinde Karlsruhe, Karlsruhe 2014, S. 11-44.
 
 
 
 
  

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