Die Stadtkirche in Schiltach

Ein mächtiges, formschönes, nobles Bauwerk

Seit 1534 werden in Schiltach evangelische Gottesdienste gefeiert. Das Kirchspiel selbst ist aber deutlich älter, es ist bereits seit 1275 urkundlich belegt. Die Kirche gehört zu den größten protestantischen Bauten Badens. Bis ins letzte Jahrhundert bot sie, eng mit Bänken bestückt, 1.400 Gläubigen Platz, heute sind etwa 600 Stühle gestellt. Der massive Steinbau wurde 1843 vollendet, nachdem die gotische Vorgängerkirche 1833 beim Brand der Vorstadt völlig zerstört worden war. Wenig hatte man dem Feuer entreißen können, aus den Resten der geschmolzenen Glocken wurde 1833 eine neue gegossen - sie jubiliert bis heute.

Seit ihrer Einweihung am 25. April 1843 gab es um die damals neue Stadtkirche viel Meinungsstreit. Bewunderung wie "hochmächtiger Neubau", "großartig aus lauter Quadersteinen erbaut" traf auf absolutes Unverständnis: "Kastenartig", "unpoetisch in die Gegend hineingesetzt", "ohne jedes feinere Gefühl für die Örtlichkeit, das den wirklichen Baumeister auszeichnet." Die Kritik galt dem Architekten.

Der gebürtige Karlsruher Friedrich Theodor Fischer (1803-1867) studierte in Karlsruhe, Paris und Italien, um danach in die badische Hochbauverwaltung einzutreten. Er brachte es bis zum Baudirektor, in der Nachfolge so berühmter Baumeister wie Friedrich Weinbrenner und Heinrich Hübsch. Fischer gestaltete ein Bauwerk im großräumigen "byzantinischen" oder "Rundbogen-Stil", wie er ihn bereits in Görwihl und Hoffenheim realisiert hatte. Diese drei Kirchen bilden eine eigene Gruppe seines Bauens, wobei die in Schiltach ihren Idealtypus darstellt. Kennzeichen ist die majestätische Eingangsfront mit drei Portalen und zwei Fensterreihen im Stil italienischer Renaissance-Paläste, während der Turm auf die Rückseite verlagert ist. Dazwischen erstreckt sich das dreischiffige Langhaus mit umlaufender Empore, getragen von schlanken Pfeilern und doppelten Arkadenreihen: eine Raumgestaltung von monumentaler Wirkung.

Die Evangelische Stadtkirche in Schiltach wurde durch zwei große Sanierungen dem Gebrauch im 20. bzw. 21. Jahrhundert angemessen angepasst. Im Jahr 1980 wichen die Kirchenbänke einer flexibleren Bestuhlung und eine Umluft- und Fußbodenheizung ermöglicht seither die Benutzung - auch im Winter.

Durch eine Großspende wurde die Orgel auf der Empore durch eine neue Orgel im Chorbogen ersetzt. Die hauptamtliche Kirchenmusikstelle bekam ein unvergleichliches Referenzinstrument mit historischer Stimmung nach Kirnberger III, die vor allem bei Tonarten mit wenig Vorzeichen eine besondere Reinheit des Klanges bewirkt. Durch die französisch angelegte Disposition eignet sie sich hervorragend für französische Romantik, aber natürlich auch für Bach.

Im Jahr 2015 wurde die barrierefreie Erschließung durch einen Rampenzugang und eine behindertengerechte WC-Anlage erreicht. Eine kleine aber feine Teeküche stellte die optische Symmetrie im Eingangsbereich wieder her und ermöglicht Kirchenkaffee und kleine Empfänge. Die Stadtkirche trägt das Signet "Offene Kirche" und ist in der Sommerzeit geöffnet.

GLOCKEN

Das Geläut der Evangelischen Stadtkirche besteht aus 4 Glocken: Nur die kleinste in b' stammt aus dem Schutt nach dem Brand der kleinen Pfarrkirche von 1833. 3 neue Glocken durften am 26. Dezember 1946 zum ersten Mal in es‘- ges‘- as' läuten. Die Inschriften erinnern an die Schiltacher Stifter.

(Dr. Hans Harter, Ursula Buzzi)

 
 
 
 

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77761 Schiltach