Die Auferstehungskirche in Pforzheim
Erwacht aus Trümmern
Die Pforzheimer Auferstehungskirche wurde nach den Plänen des bekannten Architekten Otto Bartning gebaut. Er hatte sich in der Nachkriegszeit auf den Bau von Notkirchen spezialisiert. Das Konzept, das Otto Bartning dabei anwandte, war einfach aber effektiv. Er bediente sich vorgefertigter Bauteile, die sich an Ort und Stelle zu einer „Montage-Kirche“ zusammenfügen ließen. So wurde ein kostengünstiger Kirchenbau ermöglicht. Auf Grundlage dieser Idee entwarf der Architekt, der im April 2013 seinen 130. Geburtstag feiern würde, ein ganzes Bauprogramm für Notkirchen.
Der Grundstein der Auferstehungskirche wurde 1947 gelegt, zu einer Zeit, in der es fast unmöglich war brauchbare Baumaterialen zu beschaffen. Aus dieser Not heraus machte man sich die Trümmer der zerstörten Stadt zunutze. ZahlreicheBürger packten mit an, um die Überreste der umliegenden Häuser zu dem Bauplatz zu schaffen. Die Trümmer wurden bearbeitet und zum Bau der Kirche verwendet –Buntsandstein für Außen und Ziegelstein für Innen. Eine technische Besonderheit ist die Holzbinderkonstruktion, aus dem das Dach der Kirche besteht. Die Holzbinder sind aus Brettern zusammengenagelt und wurden zu einem Gerippe konstruiert, das sich wie ein Zelt über das Kirchenschiff erstreckt. Otto Bartning entschied sich bewusst für eine Zeltkirche. Ein Zelt ist nicht für die Ewigkeit gebaut, es erinnert an Weiterschreiten und Aufbruch. Dem Architekten war es wichtig, nicht nur architektonisch und technisch, sondern auch symbolisch zu überzeugen. Er wollte ausdrücken „daß eine Kirche Notkirche sein sollte, die aus der innersten Notwendigkeit entsteht“.Der Bau wurde durch Geldspenden ermöglicht. Die Bauarbeiten musste die Gemeinde selbst in die Hand nehmen, was sie mit bewundernswertem solidarischem Einsatz tat.
In der Auferstehungskirche findet man wenige Fenster, da Glas in der Nachkriegszeit sehr teuer war. Zunächst waren die Kirchenfenster aus einfachem Glas. 1966 beauftragte man den Künstler Klaus Arnold aus Karlsruhe damit, Buntglasfenster zu entwerfen. Sie zeigen abstrakte Formen, die mit Hilfe der Farben blau, rot und grün die Dreieinigkeit darstellen.
Ziel- und Mittelpunkt des schlichten Kirchenschiffs bildet das wertvolle Kruzifix, das um 1445 entstanden ist. Das hölzerne, altehrwürdige Christusbild stand einst im mittelalterlichen Dominikanerkloster Pforzheim. Das Kruzifix hat wie ein Wunder vier Brandkatastrophen überdauert und war unteranderem auf dem Friedhof des Predigerklosters sowie in der Pforzheimer Stadtkirche St. Stephan untergebracht.
An das Kirchenschiff der Auferstehungskirche schließt sich ein Vorraum an, der durch eine Wand abgetrennt werden kann. In früheren Zeiten wurde dieser Raum als Gemeindezentrum genutzt. Heute findet dort das Kirchencafé statt. Die Trennwand kommt jedoch nicht mehr zum Einsatz.
Die 1907 auf dem Weiherberg gegründete Johannesgemeinde war lange Jahre ohne eigene Kirche. Zunächst durfte sie ihre Gottesdienste in der Stadtkirche Pforzheim abhalten. Ein weiter Weg für die Gemeindemitglieder, der durch die Zerstörung der Stadt während der Kriegean vielen Stellen versperrt wurde. In den Jahren des Wiederaufbaus feierte man die Gottesdienste im Pfarrhaus, das jedoch viel zu klein war. Umso mehr wurde die neue Kirche als Geschenk empfunden.
Heute ermöglicht die Johannesgemeinde zwei Mal im Monat orthodoxen Christen ihre Gottesdienste in der Auferstehungskirche abzuhalten.Auf diese Weise kann die Gemeinde etwas von dem zurückgeben, was sie an Solidarität und Unterstützung nach dem Krieg erhalten hat.
(Linda Gierich)
www.johannesgemeinde-pforzheim.de
de.wikipedia.org/wiki/Auferstehungskirche_(Pforzheim)




