Die Friedenskirche in Freiburg-Oberau

Nordisches Flair im südlichen Freiburg

Die Anlage um die Friedenskirche erinnert mehr an eine norddeutsche Hofanlage, als an eine Kirche im Süden Badens. Die Fassaden von Gemeindehaus und Kirche sind mit Klinkersteinen verblendet und der Kirchturm im Stil eines italienischen Campanile errichtet – interessante Entscheidungen des ausführenden Architekten.

1951 ist es für die in den 20er Jahren gegründete Friedensgemeinde soweit: Die eigene Kirche und ein Gemeindehaus werden gebaut. Der beauftragte Architekt Alfred Giese verleiht der Anlage seine persönliche Note. Der gebürtige Hamburger orientiert sich bei der Planung an den Bauten, die er aus seiner Kindheit in Hamburg-Altona kennt. Die Gemeinde ist hellauf begeistert. Der Hof der hufeisenförmigen Anlage eignet sich sehr gut für Feste und Begegnungen. Auch die Klinkerfassade hat ihre Vorteile: Sie ist unempfindlich gegen Wind und Wetter und muss nicht oft ausgebessert werden.

Mobil ins neue Jahrtausend

Bei der letzten Renovierung 2001, 50 Jahre nach der Einweihung der Kirche, werden wieder ungewöhnliche Entscheidungen getroffen, diesmal für den Innenraum der Kirche. Die größte Veränderung ist das Auflösen der statischen Bänke und das Ersetzten dieser durch eine Bestuhlung. Die Stühle werden im Halbkreis um den neuen Altar gestellt. Der Altar wird weiter an die Gemeinde herangerückt, was liturgische Vorteile mit sich bringt.

Besonders auffällig ist das große Kruzifix im Altarraum. Der von Professor Lehmann aus Staufen gearbeitete Korpus war ursprünglich an der Wand über der Tür zur Sakristei angebracht. Im Zuge der Renovierung wird für das Kruzifix ein Wandelement eingezogen, das die Tür von vorne verdeckt.

Da bei einer vorherigen Renovierung 1971 der Dachstuhl weiß überstrichen wurde, müssen zunächst die ursprünglichen Farben festgestellt werden. Der offene Dachstuhl hat nun wieder seinen alten Glanz zurück. Mit den vielen Querbalken und dem ungewöhnlichen Anstrich bekommt er eine besondere Tiefendimension.

Giese hatte eine besondere Vorliebe für gusseiserne Elemente. Diese sind immer noch erhalten und werden in die neue Lichtführung integriert. Ein Ring aus kleinen Keramikleuchten taucht den Altar in ein neues Licht und die Deckenstrahler sind in die eisernen Blüten auf den Querbalken integriert. Das ermöglicht eine individuelle Beleuchtung für verschiedene Gottesdienstarten.

Modern muss nicht kalt sein

Das letzte Projekt der Friedensgemeinde war ein Kunstwettbewerb, der entschied, wie die Wände neben dem Kruzifix gestaltet werden sollen. Der Siegerbeitrag kommt von Wilhelm Morat aus Neustadt. Die etwas kontroverse Arbeit zeigt auf jeder Seite neun blaue und verschieden geformte Papierstücke.

Die sehr moderne Kirche überzeugt vor allem über die helle und warme Atmosphäre, die durch ein Zusammenspiel aus warmen Farben und den leicht gelb gefärbten Gläsern der Fenster entsteht. Aber auch ihre schöne Außenanlage macht sie zu einer der beliebtesten Hochzeitskirchen in Freiburg.

(Lisa-Kathrin Welzel)


www.friedenskirche-freiburg.de


 

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