Die Melanchthonkirche in Freiburg-Haslach

Verstecktes Juwel im alten Dorf

Der Name „Luther“ war bei ehemals katholischen Gemeinden nach der Reformation heiß begehrt und schnell vergeben. In St. Gallus in Freiburg kam man zu spät dafür. Die schmucke kleine Kirche im alten Stadtteil Haslach erhielt deshalb den nicht minder würdigen Namen „Melanchthon“.

Hinter einer hohen Mauer mit Eisengitter verbirgt sich im Freiburger Stadtteil Haslach die Melanchthonkirche. Das ehemals katholische Gotteshaus wird oft sogar als Freiburgs älteste Kirche gehandelt – damals stand sie allerdings noch unter dem Schutz ihres ursprünglichen Patrons St. Gallus.

Haslach wurde nach der Reformation 1556 evangelisch, als der Markgraf von Baden-Durlach den evangelischen Glauben nach Luther für sein Herrschaftsgebiet für verbindlich erklärte. Die St. Gallus Kirche musste also umbenannt werden und sollte, um die Verbundenheit zu dem neuen Glauben zu bezeugen, Lutherkirche heißen. „Luther“ war jedoch bereits an eine andere Freiburger Gemeinde vergeben, sodass man sich auf der Suche nach einem neuen Namen auf „Melanchthon“ einigte.

Von der Romanik zur Gotik

Die Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte oft zerstört und wieder aufgebaut, woher die unterschiedlichen Baustile der einzelnen Kirchenteile rühren.
Besucher betreten die offene Kirche durch das spätgotische Portal. Auch der Chor stammt aus dieser Epoche; er datiert vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Auf zwei Säulen errichtet, erhebt sich über dem Portal ein für die Gotik typischer Spitzbogen, der sich nach innen trichterförmig verjüngt. Darüber ist ein typisches Rosettenfenster in die Wand eingelassen. Auch die langen gedoppelten Spitzbogenfenster, die rund um die Kirche zu finden sind, sind dem gotischen Stil des Langhauses angepasst.

Im klaren Gegensatz dazu steht der spätromanische Turm, der älteste Teil der Kirche, mit seinen typischen Rundbogenfenstern. Im Erdgeschoss des Turmes, das heute als Sakristei genutzt wird, steht die letzte Erinnerung an die katholische Vergangenheit der Kirche: eine Holzfigur des einstigen Schutzpatrons St. Gallus.

Als der Friedhof, der die Kirche umgab, im Jahr 1842 ausgesiedelt wurde, kamen viele alte Grabplatten zum Vorschein. Eine davon ist nun im Kircheninneren an der Westwand angebracht. Ursprünglich befand sich die Grabplatte des Kindergrabes an der Außenwand der Kirche, doch um sie vor Verwitterung zu schützen, wurde sie vor sechs Jahren ins Innere geholt.

Alt und Neu in Harmonie

Hinter den Mauern präsentiert sich die Kirche in einer zurückhaltenden Schlichtheit. Die weißgetünchten Außenwände bilden einen harmonischen Kontrast zu den dunklen architektonischen Elementen. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man immer wieder schöne Details im Kirchenschiff: Die Decke des Langhauses ist kunstvoll mit Blumen bemalt und die einzelnen Leisten sind bunt bemalt. Die Fenster im Chor wurden in den 1960er Jahren von Künstler H. Baumhauer angefertigt und eingebaut.

An größeren Renovierungsprojekten steht in den kommenden Jahren vor allem die energetische Sanierung der Kirche an: Der Bau muss isoliert und die Heizungsanlage überarbeitet werden – auf dass die kleine Melanchthonkirche, die schon vieles überstanden hat, auch in noch einmal 700 Jahren als bauliches Schmuckstück in Freiburg-Haslach gelten wird.

(Lisa-Kathrin Welzel)
 
 
 
 
 

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