Die Stephanuskirche in Kieselbronn

Eine der ältesten Kirchen im Enzkreis

Freilegung beeindruckender Chormalerei, Entdeckung einer Grabkammer, Rückkehr der verschollenen Kirchturmuhr – mit ihrer spannenden Geschichte hat die Stephanuskirche es sogar schon in die „Bild“-Zeitung geschafft.

Quelle: team360 / businesspano / baden360

Die im 13. Jahrhundert erbaute Stephanuskirche in Kieselbronn ist von einer doppelten Ringmauer umgeben und gibt damit schon auf den ersten Blick einen Teil ihrer Geschichte preis. Als Wehrkirche diente sie in Kriegsfällen als Rückzugsort für Gemeindemitglieder und als Lagerstätte für Wertgegenstände. Der Chorturm mit seinen Schießscharten und die dicken Mauern des Gebäudes zeugen von dieser Aufgabe. Auch der Gaden, ein Holzgeschoss über dem Kirchenschiff, dessen Kammern als Vorratsräume dienten, ist ein typisches Merkmal einer Wehrkirche. Der Gaden der Kieselbronner Kirche wurde jedoch bei Renovierungsarbeiten Ende des 18. Jahrhunderts abgebaut.

An ihrem Eingang wird die Kirche von einer gewaltigen Figur des Erzengels Michael bewacht, der ein großes Schwert in der Hand hält. Die 1929 zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs errichtete Statue ist in der Gemeinde nicht unumstritten, sagt Pfarrer Markus Mall. „Man muss jedoch sehen, dass der Erzengel Michael der Kämpfer gegen das Böse ist und somit die Kirche beschützt.“ Vor acht Jahren wurde die Statue, die ursprünglich aus Keramik war, in Bronze gegossen, damit sie der Witterung besser standhält.

Die Kirchenfenster zeugen in ihren verschiedenen Stilrichtungen davon, dass die Kirche schon einige Epochen überdauert hat. Die Rundfenster stammen aus dem Barock und die beiden dreiteiligen Fenster auf der Südseite sind im Renaissance-Stil gehalten. Die größte Veränderung erlebte das Gebäude bei der Renovierung im 18. Jahrhundert. Damals wurden im Chorraum eine Empore errichtet, weitere Fenster eingebaut, die Chorgewölbe herausgebrochen und der Triumphbogen erweitert.

Der Chorraum beinhaltet den ganzen Stolz der Stephanuskirche – die Chormalerei. Das Kunstwerk wurde erst 1961 von einem Kunststudenten entdeckt und freigelegt. Im Jahr 1992 erfolgte die Restaurierung. Die Wandmalereien entstammen mehreren Phasen, wobei das älteste Werk in das 14. Jahrhundert datiert wird. Anhand des Kunstwerkes sieht man deutlich, welche ursprüngliche Größe der Chorraum vor der Renovierung hatte. Die Malerei zeigt unter anderem ein Apostelcredo, welches die zwölf Apostel abbildet. Außer den Bildern im Chorraum, findet man entlang des Kirchenschiffes weitere Malereien. So ist über dem Eingang ein Bild des Jüngsten Gerichts zu finden.

Für eine Sensation, über die sogar die „Bild“-Zeitung berichtete, sorgte in den 1960er Jahren die Entdeckung einer Grabkammer. Bei Arbeiten an der Sakristei wurde ein Gewölbekeller mit Totengebeinen gefunden. Früher erstreckte sich rund um die Kirche ein Gottesacker. Wenn auf dem Friedhof kein Platz mehr frei war, wurden die Gebeine in die Kammer gelegt. Als der Gottesacker 1814 geschlossen wurde, verschloss man auch die Grabkammer, die in Vergessenheit geriet. Zu den Fundstücken gehörte eine spätgotische Vesperfigur von 1500. Die Grabbeigabe zeigt eine figürliche Darstellung Marias mit dem toten Christus. Die Figur ist heute in einer Nische der Chorraumwand hinter einem geschmiedeten Gitter zu besichtigen.

Eine weitere Episode in der Geschichte der Stephanuskirche ist die Rückkehr der alten Kieselbronner Turmuhr von 1896. Ein aufmerksamer Turmuhrensammler aus Stuttgart stieß im Internet auf das fehlende Hauptwerk der alten Uhr, das zur Versteigerung angeboten war. Die Uhr war zuletzt von einer Karlsruher Uhrenfirma gewartet worden, wodurch sie vermutlich Mitte der 60er Jahre in den Privatbesitz des Mechanikers gelangt sein musste. Durch Vermittlung von Pfarrer Mall konnte der Verkäufer dazu bewegt werden, die Uhr exklusiv den Bürgerinnen und Bürgern Kieselbronns zum Kauf anzubieten. Spenden ermöglichten den Ankauf des Uhrwerks und seine Rückkehr nach Kieselbronn.

Seit 1965 hängt im Chorraum der Kirche ein Kreuz, das von Fritz Theilmann entworfen und von einem Kieselbronner Schmiedemeister gefertigt wurde. Der geschmiedete Rahmen ist mit Emaille-Effekt blau getönt. Er fasst rote Glasbrocken in der Kreuzmitte, dann weißgraue und tiefblaue an den Kreuzenden.

Im Jahr 2008 erhielt die Stephanuskirche in Kieselbronn eine neue Orgel sowie eine neue Empore. In den nächsten Jahren sind weitere Renovierungsmaßnahmen geplant, um den Rest der Kircheneinrichtung an die modern gehaltene Empore anzupassen.

(Linda Gierich)
 
 
 
 
 

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